Karma: Der Mechanismus ► Kontakt mit Karma - Tattvarthasutra, Kapitel 6 ► Tattvarthasutra 6.05

Verfasst: 06.03.2014

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Indriya kasaya vrata kriyah pancha-chatuh-pancha-pancha vimsati-sankhyah purvasya bhedah (5)

Karma, das den Zyklus von Geburt und Wiedergeburt verlängert (samparayika), wird von den fünf Sinnen, den vier Leidenschaften, der Mißachtung der fünf Freiheiten und durch 25 Arten von Aktivitäten verursacht. (5)


 

  • Die fünf Sinne sind Tastsinn, Geschmack, Geruch, Gehör und Sehsinn.
  • Die vier Leidenschaften sind Ärger, Stolz, Falschheit und Gier.
  • Die Mißachtung der fünf Freiheiten[10] sind Töten oder Verletzen, Falschheit, Nehmen, was nicht freiwillig gegeben wird, die Unwilligkeit zu wachsen und die Anhaftung an Objekten.

Die 25 Aktivitäten, die den Zyklus von Geburt und Wiedergeburt verlängern, sind folgende:

  1. das Streben nach nicht-irrendem intuitivem Verstehen[11],
  2. jegliche Handlung, die Irrtum und Täuschung verstärkt oder propagiert,
  3. jegliche Handlung, die durch die Aktivitäten des Körpers, der Sprachorgane und des Geistes entsteht,
  4. die Vernachlässigung der fünf Freiheiten,
  5. Fortbewegung ohne darauf achtzugeben, daß keine kleinen Lebewesen auf dem Boden getötet oder verletzt werden,
  6. die Tendenz, andere in Ärger anzuklagen,
  7. die böswillige Bereitschaft andere Lebewesen zu verletzen,
  8. der Besitz von Waffen,
  9. jegliche Handlung, die anderen oder sich selbst psychischen (mentalen) Schmerz bringen kann,
  10. jegliche Handlung, die andere Lebewesen in der vollen Entfaltung des Potentials ihres Lebens, ihrer Sinnesorgane, ihrer Kraft und ihrer Atmung behindert,
  11. die zwanghafte Tendenz, angenehme Formen sehen zu müssen,
  12. die zwanghafte Tendenz, angenehme Formen berühren zu müssen,
  13. die zwanghafte Tendenz, sich neue Arten von Sinnesstimulanzen vorzustellen oder erfinden zu wollen,
  14. das Deponieren von Abfall in Bereichen, die zum Lebensraum anderer Menschen oder Tiere gehören,
  15. das Niedersetzen von Gegenständen auf den Boden ohne darauf achtzugeben, daß dadurch keine kleinen Lebewesen getötet oder verletzt werden,
  16. das Ausführen von Handlungen, die von anderen ausgeführt werden könnten (und die dadurch manifestierte eigene Anhaftung an diesen Handlungen),
  17. das Bewundern verletzender oder unrechter Aktivitäten und derer Auswirkungen,
  18. die Verbreitung der Fehler anderer,
  19. die Fehlinterpretation der in den Schriften niedergelegten Regeln, die man nicht befolgen möchte,
  20. fehlende Achtung gegenüber den in den Schriften niedergelegten Regeln aus Bequemlichkeit oder Bosheit,
  21. das Ausführen verletzender Handlungen oder die Freude über derartiges Handeln anderer,
  22. die Tendenz, die eigene Anhaftung an weltliche Dinge oder Aktivitäten fortzusetzen oder zu vertiefen,
  23. das mutwillige Stören der Anstrengungen anderer nicht-irrendes intuitives Verstehen zu erreichen, oder der Versuch, das nicht-irrende intuitive Verstehen anderer einzuschränken oder zu zerstören,
  24. die Verbreitung von Handlungen und Standpunkten, die auf Irrtum beruhen,
  25. das Verhaftetsein an Handlungen, deren Aufgabe man bereits eingesehen hat.

Diese Aufstellung listet die Mechanismen, die dazu führen, daß ein jiva in seinem Zyklus von Geburt und Wiedergeburt verhaftet bleibt. Sie beinhaltet keine Vorschrift, wie das Leben geführt werden sollte. Welche Konsequenzen ein jiva aus dieser Auflistung zieht, ist allein seiner Absicht, seiner Energie und der Ausrichtung seines Lebens - d.h. seiner eigenen Verantwortung - überlassen.

 

Fußnoten:
[10]
[11]
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