Karma: Der Mechanismus ► Auflösung von Karma - Tattvarthasutra, Kapitel 9 ► Tattvarthasutra 9.03

Verfasst: 08.05.2014

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Tapasa nirjara cha (3)

Das bewußte Konfrontieren (tapas - das Verbrennen -) von Karma löst karmische Materie aus dem Bewußtsein (jiva) und verhindert gleichzeitig die Bindung neuen Karmas. (3)


Die in Sutra 1 und 2 beschriebenen Mechanismen beruhen darauf, bei der Konfrontation mit karmischen Abläufen so zu reagieren, daß kein weiteres Karma gebunden wird. Dies ist der erste und wichtigste Schritt für den Abbau von Karma. Die Auflösung bestehenden Karmas bleibt dabei dem natürlichen Lauf der Dinge überlassen, der Karma dann manifestiert, wenn die Bedingungen dazu eintreten. Zwar kann dabei auch Aktivität stattfinden, doch ist dies eher ein passives Beobachten und Reagieren.

Es gibt jedoch die Möglichkeit, diesen Vorgang zu beschleunigen. Das bewußte Konfrontieren von Karma ist das aktive Schaffen von Bedingungen, die karmische Manifestationen hervorrufen. Es ist ein bewußtes Hineingehen in (angenehme oder unangenehme) Situationen, zu denen eine emotionale Beziehung besteht. Es ist die Suche nach der bewußten Konfrontation mit Dingen, die das Leben eines jiva emotional bestimmen. Es ist das Herbeiführen von Situationen, in denen sich langgehegte Sehnsüchte, Träume und Ideen verwirklichen können.

Alle Vorstellungen und Wünsche, die schon lange im Inneren eines jiva existieren, zu deren Verwirklichung er aber den Mut nicht aufbringen konnte, oder deren Realisierung er immer wieder aufgeschoben hat, zeigen an, daß er Karma mit sich trägt, das ihn an gerade diese Vorstellungen bindet. Solange er seine Ideen und Träume - aus welchem Grund auch immer -nicht in Realität umsetzt, wird er immer den Druck verspüren, seiner Vorstellung von der eigenen Größe (und Fähigkeit) Ausdruck zu verleihen. Selbst wenn dieser Druck als gering empfunden wird oder im Verlauf des Lebens zu verschwinden scheint, ist die karmische Bindung dadurch nicht aufgelöst. Unerfüllte emotionale Anhaftung ist letztendlich die Ursache dafür, daß ein jiva weitere Verkörperungen sucht, um gerade diese Sehnsüchte umzusetzen.

Es gibt keinen Grund, weshalb die bewußte Konfrontation mit Karma negativ ablaufen sollte. Jeder jiva entscheidet selbst, ob er eine Situation mit negativem oder positivem Vorzeichen belegt. So läßt sich z.B. die Konfrontation mit einer Person, deren Einfluß als negativ empfunden wird, als ein entschiedener Schritt zu der Freiheit von diesem Einfluß auffassen.

Es besteht kein Grund, das Hauptaugenmerk nur auf die Spannungen zu richten, die bei der Aussprache auftreten könnten.

Was immer das Ergebnis einer bewußten Konfrontation ist, der jiva ist in jedem Fall der Gewinner. Er hat seinen Lebensbereich durch neue Erfahrungen erweitert, erfährt (durch Wegfall der entsprechenden Karmas) eine größere Freiheit und umfassenderes Verstehen und hat sich von dem Druck befreit, den unerledigte Dinge oft verursachen.

Wenn Situationen bewußt herbeigeführt werden, deren Ergebnisse für einen jiva ungewiß oder nicht überschaubar sind ruft dies anfangs oft Angst oder Unruhe hervor. Diese Angs und Unruhe ist ebenfalls nichts anderes als eine Manifestatio von Karma. Ihre Überwindung Verbrennt' Karma (tapas wörtlich: 'Erhitzen durch Feuer'). Es ist ein aktiver Vorgang, der Mut erfordert, aber sehr effektiv ist.

Wenig Sinn macht es, diese 'Anfangsangst' selbst zu fürchten, da genau dieser Vorgang neues Karma der gleichen Art bindet. Solange Angst aufgrund der Existenz entsprechender Karmas ein Lebensthema ist, wird es nicht gelingen, dem durch 'Angstvermeidung' zu entgehen. Das Umgehen von Situationen, von denen man glaubt, daß sie Angst hervorrufen, bewirkt nur, daß sich diese negative Emotion an andere Situationen, Personen oder Dinge haftet. Nur das Hindurchgehen durch Angst (das bewußte Konfrontieren) beseitigt deren eigentliche Ursache.9

Fußnoten:
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