Karma: Der Mechanismus ► Text der Sutren: Auflösung von Karma

Verfasst: 23.05.2014

Tattvarthasutra, Kapitel 9

 

  1. Wenn der anfängliche Kontakt mit Karma blockiert wird, bindet sich keine neue karmische Materie in das Bewußtsein (jiva) ein.

  2. Durch
    1. bewußtes Steuern der eigenen Aktivitäten (gupti),
    2. Umsicht im persönlichen Verhalten (samiti),
    3. Berücksichtigung der Bedürfnisse anderer Wesen (dhar-ma),
    4. Überdenken der eigenen Situation (anupreksa),
    5. Ausdauer beim Auftreten von Härten (parisah-jaya),
    6. Ausrichtung des Handelns auf die Befreiung (charitra),

      wird der Kontakt mit Karma blockiert.

  3. Das bewußte Konfrontieren (das Verbrennen) von Karma löst karmische Materie aus dem Bewußtsein (jiva) und verhindert gleichzeitig die Bindung neuen Karmas.

  4. Bewußtes Steuern der eigenen Aktivitäten (gupti) ist das intelligente Lenken von Gedanken, Sprache und Handlung.

  5. Umsicht im persönlichen Verhalten (samiti) ist das bewußte Ausführen der Abläufe des täglichen Lebens: Gehen, Sprechen, Essen, die Handhabung von Gegenständen und das Deponieren von Abfall.

  6. Die Berücksichtigung der Bedürfnisse anderer Wesen (dharma) ist
    1. Vergebung (sich selbst und anderen),
    2. Verzicht auf Stolz, Hochmut, Arroganz,
    3. Direktheit, Klarheit der Aussage,
    4. Reinheit der Intention,
    5. Ehrlichkeit,
    6. Achtsamkeit, daß andere Wesen nicht verletzt werden,
    7. die Konfrontation problematischer Situationen,
    8. das Aufgeben von Aktivitäten,
    9. Distanz und
    10. die Bereitschaft zu wachsen.

  7. Das Überdenken der eigenen Situation (anupreksa) ist die Betrachtung des Lebens unter folgenden Aspekten:
    1. Alle Erscheinungen dieser Welt sind temporär.
    2. Karma wird gebunden werden und sich manifestieren, solange eine emotionale Anhaftung an die entsprechenden Lebensthemen besteht.
    3. jiva bewegt sich in einem Zyklus von Geburt und Wiedergeburt, der seine Fähigkeiten und Möglichkeiten einschränkt.
    4. jiva allein ist der Verursacher seiner eigenen Situationen und Handlungen.
    5. jiva (Bewußtsein) unterscheidet sich grundlegend von den unbelebten Elementen (Materie, Zeit, Raum, etc.), mit deren Hilfe Aktivität (Karma) im Kontext dieses Universums möglich wird.
    6. Der Zustand der Verkörperungen verhindert die ungetrübte (reine) Wahrnehmung uneingeschränkten Bewußtseins.
    7. Der Kontakt mit Karma (asrava) ist die primäre Ursache für körperliche Existenz.
    8. Das Einfließen von Karma kann gestoppt werden (sam-vara).
    9. Bestehendes Karma kann bewußt aufgelöst werden (nirjara).
    10. Sinn und Funktion des Universums und unsere Position darin.
    11. Die Seltenheit wahren Wissens (wie selten wir Zugang zu einem Weg erhalten, der zur Befreiung von allen karmischen Mechanismen führt).
    12. Die Wirklichkeit und unsere Aufgabe darin.

  8. Bei der Durchführung der zuvor erwähnten Einstellungen und Aktivitäten können Härten auftreten, die das konsequente Durchhalten dieses Weges erschweren. Diese Härten lassen sich durch Geduld und Ausdauer überwinden (parisah-jaya).

  9. (22 Härten können auf dem oben beschriebenen Weg zur Befreiung auftreten:)
    1. Hunger,
    2. Durst,
    3. Kälte,
    4. Hitze,
    5. Belästigung durch Insekten,
    6. Wehrlosigkeit,
    7. Langeweile, Unzufriedenheit, Lethargie, Faulheit, Gleichgültigkeit,
    8. Ablenkung,
    9. 'Heimatlosigkeit1 - die Sehnsucht nach fester (materieller oder psychischer) Orientierung,
    10. das 'Festsitzen1 (auf dem Wunsch, den Weg zu gehen, ohne sich in Bewegung zu setzen),
    11. das 'Einschlafen' (des Wunsches, den Weg zu gehen),
    12. Kränkung, Verleumdung,
    13. Behinderung (des Weges durch äußere Einflüsse),
    14. die Abneigung, notwendige Hilfe anzunehmen oder um Hilfe bitten zu müssen (die Überwindung des eigenen Stolzes),
    15. Mißerfolg bei dem Versuch, Unterstützung zu erhalten,
    16. Krankheit,
    17. Schmerz,
    18. fehlende Ernsthaftigkeit (Verunreinigung der Intention),
    19. Verehrung (durch Personen, auf deren Verehrung kein Wert gelegt wird) und Herabwürdigung (durch Personen, auf deren Urteil großen Wert gelegt wird),
    20. Einbildung (auf die eigene große Gelehrsamkeit),
    21. das Fehlen von Wissen (das Gefühl, nicht genug Wissen für ein erfolgreiches Beschreiten des Weges zur Befreiung zu haben)
    22. Enttäuschung über die Wirksamkeit des Wissens (da noch keine übernatürlichen Fähigkeiten erreicht wurden).

  10. In der zehnten Entwicklungsstufe (suksmasampararaya) können maximal 14 Härten auftreten.

  11. In der dreizehnten Entwicklungsstufe (sayogakevali) können maximal 11 Härten auftreten.

  12. Solange die intensiveren Formen der Leidenschaften vorhanden sind, können alle Härten auftreten.

  13. Einbildung auf die eigene große Gelehrsamkeit wie auch Unwissenheit (und das Gefühl, nicht genug Wissen für ein erfolgreiches Beschreiten des Weges zur Befreiung zu haben) werden beide durch Karma verursacht, das Wissen verschleiert.

  14. Enttäuschung über die Wirksamkeit des Wissens und/oder fehlende Unterstützung entsteht durch die Manifestation von Karmas, die Erkenntnis beeinträchtigen und Behinderungen veranlassen.

  15. Wehrlosigkeit, Langeweile etc., Ablenkung, Festsitzen, Kränkung, die Notwendigkeit um Hilfe bitten zu müssen und Einbildung durch zuviel Wissen entstehen durch die Manifestation von Karma, das richtiges Handeln behindert.

  16. Alle anderen Härten entstehen durch die Manifestation von Karma, das das Lebensgefühl bestimmt.

  17. Es können maximal 19 Härten gleichzeitig auftreten.

  18. Die Ausrichtung des Handelns auf die Befreiung (charitra) bedeutet:
    1. Gelassenheit,
    2. Wiederherstellung der Gelassenheit, nachdem man sie verloren hat,
    3. das Abschließen aller unvollendeten Handlungen,
    4. die aktive Ausrichtung des Lebens auf den Übergang in umfassendere Existenzebenen,
    5. die Umsetzung der in diesem Kapitel aufgeführten Aktivitäten und Einstellungen.
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