Karma: Der Mechanismus ► Bindung an Karma - Tattvarthasutra, Kapitel 8 ► Tattvarthasutra 8.25

Verfasst: 30.04.2014

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Sadvedyashubhayurnamagotrani punyam (25)

Die positiven Varianten der Karma-Art,

  1. die das Lebensgefühl bestimmt (vedaniya),
  2. die Dauer und Ort der nächsten Verkörperung(en) festlegt (ayu),
  3. die Form und Eigenschaften des Körpers bestimmt (nama) und
  4. die das Ansehen des jiva in seinem sozialen Umfeld bestimmt (gotra),

sind positives Karma (punya). (25)


 

Positives Karma ruft ein angenehmes subjektives Lebensgefühl hervor und führt im Idealfall zum geistigen Wachstum des jiva.

Positives Karma (punya) ist immer das Ergebnis eigener Handlungen und Haltungen. Komfortable Lebensumstände, Ansehen, Freunde, etc. sind das Anzeichen dafür, daß sich ein jiva jetzt oder zu einem früheren Zeitpunkt die Voraussetzungen für sein angenehmes Umfeld schafft oder geschaffen hat. Da sich dieses (eigene) Karma in jedem Fall manifestieren wird, gibt es auch keinen Grund, warum man diese Umstände nicht genießen sollte.

Der gesamte Ablauf ist jedoch in einem nicht unwesentlichen Punkt problematisch: Die Manifestation positiven wie negativen Karmas ist zeitlich begrenzt, - früher oder später wird jede positive (und negative) Erfahrung einmal enden.

In dieser Situation sehen wir uns zwei Möglichkeiten gegenüber:

  1. entweder genießen wir den angenehmen Zustand bis er zu Ende geht, um dann zu versuchen, das Positive wiederherzustellen, an das wir uns gewöhnt haben;
  2. oder wir bauen, bereits während wir den positiven Zustand erleben, durch entsprechende Handlungen und Haltungen neues positives Karma auf, bei dessen Manifestation sich unsere angenehmen Lebensumstände dann fortsetzen werden.

In beiden Fällen erfahren wir die Welt - mehr oder weniger bewußt - als Folge eines karmischen Prozesses. Auch bleiben wir dadurch auf einer Daseinsebene, die uns nur deshalb attraktiv erscheint, weil wir andere Ebenen nicht kennen.

Es gibt jedoch noch einen dritten Weg. Wir können danach streben, unmittelbaren Zugang zu dem in uns vorhandenen immensen Potential (an Wissen, Macht, Fähigkeiten und der Erfahrung von Glück) zu erhalten, um diese Eigenschaften ohne karmische Beschränkungen direkt zu erfahren.

Dieser Weg führt über die graduelle Auflösung aller karmischen Bindungen zu höheren (umfassenderen und interessanteren) Entwicklungsstufen des Menschen. Zwar können wir uns anfangs kaum vorstellen, wie diese 'höheren' Stufen aussehen mögen, doch eröffnet sich oft schon nach wenigen ernsthaften Schritten in diese Richtung ein neues Verständnis unserer Wahrnehmung und unseres Handelns. Wenn wir beginnen, die Welt bewußter zu erleben als je zuvor, ist dies eine enorme Ermutigung zu weiteren neuen Erfahrungen aufzubrechen.

Der Weg steht uns jedoch nicht jederzeit offen. Zwar besitzt jedes Lebewesen die Anlage zu dieser Entwicklung, doch blockieren selbstverursachte karmische Abläufe oft den Zugang dazu. Diese Blockade ist nicht zu allen Zeiten gleich stark. Sie durchläuft Phasen, in denen wir uns über unser Entwicklungspotential mehr oder weniger im Klaren sind. In diesen Zeiten öffnet sich uns dann ein Zugang zu dem dritten Weg.[1] Ob und mit welcher Intensität wir diese Möglichkeit dann nutzen, ist eine Entscheidung, die uns niemand abnehmen kann.

Eine klare Indikation dafür, daß uns der dritte Weg offensteht, ist die Verkörperung in angenehmer und sicherer Umgebung, da uns dadurch normalerweise Mittel und Zeit für eine geistige Entwicklung zur Verfügung stehen. Wenn wir positive Lebensumstände als die Basis ansehen, von der aus wir zu neuen, umfassenderen Erfahrungsebenen aufbrechen, erreichen wir damit nicht nur die graduelle Entfaltung unseres ureigenen Potentials, sondern bauen auf diesem Weg automatisch[2] genug positives Karma auf, das uns diese förderlichen Umstände auch in Zukunft zur Verfügung stellt.

Die Erwähnung der positiven Karma-Arten in diesem Sutra soll uns bewußt machen, wie breit die Basis ist, die unser geistiges Wachstum unterstützen und fördern kann. Ob und mit welchem Engagement wir diese Chance wahrnehmen, ist uns selbst überlassen.

Fußnoten:
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