Karma: Der Mechanismus ► Kontakt mit Karma - Tattvarthasutra, Kapitel 6 ► Tattvarthasutra 6.17

Verfasst: 20.03.2014

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Alparambhaparigrahatvam manusasya (17)

Aktivitäten mit moderatem Verhaftetsein und Besitz führen zu dem Einfließen von Karma, das Verkörperungen in menschlicher Form verursacht. (17)

 

 


Die Manifestation der menschlichen Form ist eine wesentliche Vorbedingung für das Erlangen der Befreiung.

In seiner letzten Verkörperung vor der Befreiung muß ein jiva alles restliche in ihm noch vorhandene Karma auflösen. Die Körper der niederen und höheren Welten sind dazu nicht geeignet, da ihr Schwergewicht auf der Aktivierung hauptsächlich negativen oder positiven Karmas liegt.[27] Sie bieten nicht die Möglichkeit, beide Karmatypen derart gleichgewichtig in sich zu manifestieren, daß die gleichzeitige Auflösung positiven wie negativen Karmas stattfinden kann.

Der menschliche Körper ist die einzige Form, in der sich positives und negatives Karma gleichzeitig und ausgeglichen aktivieren kann. Deshalb haben die Handlungen und Einstellungen, die zum Erlangen dieses Körpers führen, nämlich

  1. Verständnis für andere,
  2. freundliches, hilfreiches, beispielhaftes Verhalten,
  3. milde Formen der Leidenschaften und
  4. eine Haltung zum Zeitpunkt des Todes, die frei ist von negativen oder an weltlichen Objekten anhaftenden Gedanken,

im Wesentlichen einen ausgeglichenen, milden Charakter.

Dies bedeutet jedoch nicht, daß sich hier in der 'Mittleren Welt* (dem einzigen Ort, in dem die Verkörperung in menschlicher Form möglich ist) nur ausgeglichene Menschen mit milder Disposition inkarnieren. Wie wir leicht beobachten können, gibt es in unserer Welt genügend Menschen, die von intensiven Leidenschaften getrieben sehr negative oder auch sehr positive Handlungen begehen. Die Ursache dafür ist jedoch ein anderer karmischer Mechanismus, als der oben beschriebene:

Entscheidend für die Manifestation einer körperlichen Form ist immer die Menge des aktiven* nicht die des latenten, inaktiven Karmas. Daher ist eine Verkörperung als Mensch auch möglich, wenn nur eine begrenzte Menge positiven und negativen Karmas aktiv ist, und sich das restliche positive und negative Karma in einem latenten, inaktiven Zustand befindet.[28]

Latentes Karma umfaßt all die Ambitionen, Wünsche, Neigungen und Bindungen, die ein Lebewesen im Kontext seiner Verkörperungen noch nicht ausleben, manifestieren, oder in seinem ureigenen Streben nach der Erfüllung innerer Ideale verwirklichen konnte. Latentes Karma speichert nicht die 'Ereignisse früherer Leben', wie es das inkorrekte westliche Karmaverständnis annimmt, sondern spiegelt exakt den Teil des Gesamtpotentials eines Lebewesens wider, für dessen Verwirklichung sich in dieser und in früheren Inkarnationen noch keine Gelegenheit ergab (bzw. für die die dazu förderlichen Umstände noch nicht eintraten).

Während der Verkörperung als Mensch können nun durchaus Teile des latenten Karmas aktiviert werden, sodaß der Anreiz zu den extrem negativen oder positiven Handlungen gegeben wird, die wir in der heutigen Welt beobachten.

Auf einen jiva, der nach seiner Befreiung strebt, haben diese extrem positiven oder negativen Handlungen nur dann Einfluß, wenn sein eigenes Karma dies auslöst. Wenn kein Karma mehr existiert, das die Einbindung in (z.B. negatives) Weltgeschehen verursachen könnte, wird sein Lebensweg dadurch nicht wesentlich beeinflußt.

Fußnoten:
[27]
[28]
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