Karma: Der Mechanismus ► Kontakt mit Karma - Tattvarthasutra, Kapitel 6 ► Tattvarthasutra 6.23

Verfasst: 23.03.2014

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Tadviparitam shubhasya (23)

Deren Gegenteil (d.h. ehrliche und tugendhafte Gedanken, Worte und Handlungen) führen zum Einfließen von Karma, das die Manifestation eines schönen, angenehmen Körpers verursacht. (23)

Der physische Körper[31] eines jiva ist das Ergebnis all seiner Wünsche, seiner inneren Einstellungen und der Energie, mit der er diese in Handlung umsetzt. Auch bei diesem Karmatyp bestimmt sein Verhalten[32] in der Gegenwart die Form, in der er sich (seiner Umwelt gegenüber) manifestiert. Und auch hier tritt die Wirkung des gebundenen Karmas nicht in einer nebu-lösen, zeitlich fernen, zukünftigen Verkörperung ein, sondern - oft mit beeindruckender Intensität - bereits im aktuellen Leben.

Beispiele für das Wirken dieses Karmatyps lassen sich in jeder Umgebung leicht finden: Menschen, deren Gesicht in der Jugend Frische, Energie und Attraktivität ausstrahlte, deren Leben sich jedoch hauptsächlich auf Ausschweifung und Genuß ausrichtete, zeigen oft schon früh einen Zug von Verlebtheit, der bei unveränderter Haltung mit wachsenden Jahren immer stärker wird und die Attraktivität schwinden läßt. Menschen, deren Physiognomie in der Jugend nicht dem Schönheitsideal entsprach, deren Leben aber von Selbstbeherrschung und dem Streben nach Ausgeglichenheit geprägt war, strahlen dagegen oft eine wachsende innere Schönheit aus, die von Gelassenheit und Harmonie geprägt ist und ihre Attraktivität erhöht.

Körperprägende Karmas haben die Funktion dem jiva die unmittelbaren Auswirkungen seiner inneren Haltung[33] mitzuteilen. Wenn eine bestimmte Körperform und Ausstrahlung intuitiv als angenehm oder unangenehm empfunden wird, dann erhält der jiva auf diese Weise (vielfach nur unterbewußt) auch Information über die inneren Einstellungen, die diese Form repräsentiert, bzw. die diese Form hervorgebracht hatten. Je nach Disposition und Entwicklungsstufe (gunasthana) reagiert er dann mit Ablehnung, Anziehung oder Gleichmut. So mag ein jiva z.B. intuitiv die Haltung vermeiden, die ein häßlicher Körper symbolisiert und so die Aufnahme der Karmas verhindern, die diese Form hervorgerufen hatten; oder aber er wird von einer schönen Form zu einer bestimmten Handlung mit positiven karmischen Auswirkungen inspiriert. Eine gleichmütige Reaktion zeigt an, daß die entsprechende Lektion schon zu einem früheren Zeitpunkt gelernt wurde und die Form keine karmische Resonanz mehr auslöst[34]. Die Information ist natürlich intensiver, wenn der eigene Körper Ablehnung oder Anziehung hervorruft.

Solange ein jiva die (Lehr-)Funktion dieser Art Karma nicht bewußt erkennen kann, ist er in seinem Lernprozess ausschließlich diesem zwar langsamen und aufwendigen, aber wirksamen Mechanismus unterworfen. Die Aufgabe der Schriften (Tattvarthasutra, Dravya Sangraha etc.) und seiner Lehrer ist es, dem jiva die karmischen Prozesse und Wirkungen so bewußt zu machen, daß er - so er daran interessiert ist - sein eigenes Karma wirksamer gestalten kann, bzw. das Einfließen unerwünschten Karmas verhindert. Ein bewußtes Verstehen der karmischen Prozesse versetzt den jiva in die Lage, seinen Weg zur Befreiung erheblich zu beschleunigen.

Ein jiva kann seine körperliche Form jederzeit durch Veränderung seiner Wünsche, Einstellungen und Handlungen beeinflussen. Zwar hängt der Zeitpunkt, an dem die Änderung sichtbar wird, von dem augenblicklich aktiven Karma ab, doch wird z.B. die grundlegende Abkehr eines jiva von einer generell negativen Haltung von seinem Umfeld oft recht schnell bemerkt. Welche Zeit es braucht, die neue (positive) Haltung zu stabilisieren und welche inneren und äußeren Schwierigkeiten dabei zu überwinden sind, bestimmt zwar die Menge, Intensität und Dauer des früher gebundenen Karmas, doch trägt die Stärke des Wunsches nach Veränderung erheblich zu der Schnelligkeit seiner Umsetzung bei.

Fußnoten:
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