Jaina in Antwerpen ► 2 ►Jaina in Antwerpen ► Religiöses Leben der Jaina ► Pratikraman - Samayik

Verfasst: 27.02.2013

Pratikraman - Samayik

Zweimal in der Woche, am Dienstag und Donnerstag, treffen sich regelmäßig etwa 15 Frauen zu Samayik und Pratikraman zu einer Zeit am frühen Nachmittag, etwa um ein Uhr, wenn die Kinder in der Schule sind und die Männer im Büro. Die Treffen finden reihum in den Wohnungen der Jaina statt. Die meist großen und wenig vollgestellten Wohnzimmer bieten genügend Raum und lassen sich schnell in einen Tempelraum verwandeln. Jede der Teilnehmerinnen bringt verschiedene Gegenstände zu diesem Ritual. Über lange Zeit nahm ich an diesen Treffen regelmäßig teil. In dieser Zeit notierte ich mir einige Texte, sogenannte Sutras, in englischer Übersetzung. In anschließenden Gesprächen mit einigen Teilnehmerinnen erfuhr ich im Laufe der Zeit mehr über den Gebrauch und die Bedeutung der mitgeführten Gegenstände und über die Bedeutung dieses Rituals, was ich mir wie folgt notierte:

Charavalo:

Ein kleiner Mopp, dessen Quaste aus weißen Baumwollfäden hergestellt ist. Mit diesem fegen die Gläubigen den Teil des Bodens, auf den sie anschließend einen kleinen wollenen Teppich legen, um während des Rituals darauf zu sitzen. Das Fegen des Bodens mit dem Mopp soll daran erinnern, dass die Seele von all dem Karma befreit werden soll. Auch der Länge des hölzernen Stils und der Länge der Wollfäden wird eine spirituelle Bedeutung zugesprochen.

Der Stiel, welcher eine Länge von 24 Fingern hat, soll daran erinnern, dass der Mensch auf 24 verschiedene Weisen wegen seines Karmas bestraft wurde. Die weißen Wollstränge sind acht Finger lang. Dies soll den Gläubigen daran erinnern, dass wir menschlichen Wesen gefangen sind in der weltlichen Existenz aufgrund von acht Hauptarten des Karmas.

Katasanu:

Auf diesem kleinen wollenen Teppich sitzen oder knien die Frauen während des Rituals. Dadurch soll der Aspirant Unbequemlichkeit erfahren, Kasht genannt. Der Teppich soll aus weißer Wolle sein, denn die weiße Farbe steht für Frieden und die spirituelle Atmosphäre wird durch diese Farbe erhöht.

Muhapatti:

Es handelte sich hier um ein kleines Stück weißen Stoffs aus Baumwolle, welches nach genauen Vorgaben gefaltet wird und während des Rezitierens der Samayik Sutras vor den Mund gehalten wird. Es ist ungefähr 25 cm breit und 30 cm lang und wird so gefaltet, dass es drei offene Seiten und eine geschlossene Seite aufweist. Dies symbolisiert, dass nur menschliche Wesen Moksha, die Befreiung aus dem Kreislauf von Wiedergeburt und Tod, erreichen können.

Religiöse Bücher:

Für das Studieren von Texten, die von einer Teilnehmerin vorgelesen werden.

Sthapanacharya:

So wird der Platz genannt, der die Abwesenheit des Gurus oder Lehrers symbolisiert. Dies ist die Regel in den Diasporas, so auch in Antwerpen, denn die Mehrzahl der Gläubigen akzeptiert als Guru meist nur eine Person, die in den Orden eingetreten ist, Diksha genannt. Dies beinhaltet für die Nonnen und Mönche immer das Gelübde, alle Wege zu Fuß zurückzulegen. Der Platz des Gurus wird wie folgt gestaltet:

Meist sitzen die Frauen im Kreis auf dem Boden. In die Mitte des Kreises wird ein klei­nes Tischchen und darauf ein hölzerner Buchständer, Sapad, gestellt. Auf diesem Buchständer liegt ein religiöses Buch, welches das Maha Mantra, oder auch Navakar Maha Mantra genannt, beinhalten muss. Das Navakar Maha Mantra ist das fundamen­talste Mantra im Jainismus und kann zu jeder Gelegenheit und in jedem Moment rezi­tiert werden. Auf dem Buch befindet sich ein Rosenkranz mit 108 Perlen. Warum gerade 108 Perlen, begründete eine Teilnehmerin aus Indien, die sich gerade zu Besuch in Antwerpen aufhielt, wie folgt:

„It is a rosary with 108 beads. There are a total of 108 unique qualities of fve supreme beings. Each bead represents one such unique quality.

The fve supreme beings are:

  1. Arahants (supreme human beings, 12 unique qualities),
  2. Siddhas (pure souls, 8 unique qualities),
  3. Acharyas (master teachers, 36 unique qualities),
  4. Upadhyayas (sages who teach, 25 unique qualities) and
  5. Sadhus (all sages, 27 unique qualities).

They are also called Panch Parmeshthi. Panch Parmeshthi means the five supreme beings, the best ones among all living beings."[1]

Fußnoten:
[1]
Teile diese Seite auf: