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Verfasst: 04.03.2013

Tempel im Jainismus

Die allgemein bekannte kulturelle Vielfalt Indiens ist trotz eines gemeinsamen Grundprinzips, Ahimsa, auch im Jainismus wiederzufinden. Dies reflektiert der Jainismus im Allgemeinen und die Jaina-Diaspora Antwerpen im Besonderen. Diese Vielfalt, setzt sich im Bereich der Sakralbauten fort. Nicht alle Traditionen im Jainismus praktizieren die Statuenverehrung in einem Tempel und glauben an die Notwendigkeit von Pilgerfahrten. Sie konzentrieren sich vielmehr auf das Studieren von Schriften und die Meditation. Das Errichten von Architektur und das Durchführen von Pujas enthält ihrer Meinung nach zu viel Gewalt und steht deshalb im Gegensatz zu Ahimsa[1], dem Grundprinzip des Jainismus.

Zwei Beispiele für diese Sichtweise sind die Sthanakvasi und die Svetambara Terapanthi. Dundas schreibt hierzu: „[...] The Sthanakvasis have continued to argue that image worship is a feature of the corrupt world age and devotional activity is focused, as it is with the Terapanthis, upon mental worship (bhavapuja) and also, in the case of the laity, upon individual ascetics who, in the absence of temples, have a central ritual role [...]."[2]

In der Deravasi-Tradition hingegen spielt die Verehrung von Statuen in Tempeln eine zentrale Rolle. Auch im Rajchandra-Jainismus wurde die Tradition der Statuenverehrung übernommen und viele Tempel zu Ehren von Shrimad Rajchandra werden inner- und außerhalb Indiens errichtet.[3]

Helmuth von Glasenapp berichtet über die Kultstätten im Jainismus. Der Jainismus habe keinen eigenen Architekturstil entwickelt, sondern sich orientiert an den bereits bestehenden Baustilen in Indien. Die Funde dieser Bauten und Denkmäler gehen nicht über die letzten Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung hinaus. Als Grund dafür nennt der Autor, dass die Jaina, wie die Inder überhaupt, Holz als Baumaterial verwendeten das naturgemäß den Einflüssen des Klimas nur auf begrenzte Zeit Widerstand leisten könne. Des Weiteren berichtet der Autor über den Bau der Stupas bei den Jaina, die er für eine Erscheinung der Frühzeit hält. Als Beweis dafür, dass sich nicht nur Buddhisten, sondern auch Jaina der Stupa bedienten, obwohl für sie der Reliquiendienst fremd ist, sieht Glasenapp Funde von Jaina-Stupas in Mathura und Ramnagar. Als die ältesten und gewaltigsten Tempel der Jaina nennt der Autor die Höhlentempel. Zahlreicher und künstlerisch wertvoller seien aber die frei stehenden Tempel, welche die Jaina zu Ehren ihrer Tirthankaras errichten ließen. Als die wichtigsten Bestandteile eines solchen Tempels nennt der Autor die offene Halle (Mandapa), die geschlossene Versammlungshalle (Sabha-Mandapa) und das Allerheiligste (Garbhagriha), den Platz für das Hauptstatue.[4]

Der Autor Klaus Fischer stimmt überein mit den Aussagen von Glasenapp, dass der Jainismus zwar großen Einfluss auf die gesamte Kultur Indiens hatte, aber keine eigene Architektur hervorgebrachte, sondern sich an den regionalen Vorbildern orientierte. Es sind aber sowohl im Süden als auch im Nordwesten Indiens Sakralbauten vorhanden, die strukturell für die Durchführung von Jaina-Ritualen geeignet sind.[5] In der Tempelarchitektur unterscheidet man zwei Haupttypen. In Südindien ist dies der dravidische Stil[6] und in Nordindien der sogenannte Nagar-Stil.[7] Vor allem unterscheiden sich die beiden Bauarten in der Konstruktion der Türme. In der Festschrift zur Eröffnung des Jaina-Tempels in Leicester am 20. Juli 1988 ist der architektonische Unterschied sehr genau beschrieben.[8]

Durch die Migration von Menschen aus verschiedenen Teilen Indiens sind heute Sakralbauten sowohl im dravidischen als auch im Nagar-Stil in Amerika und Europa anzutreffen. Der nun folgende Überblick der bekanntesten Jaina-Zentren in Europa soll ein Bild von den bestehenden Jaina-Diasporas und der Vielfalt ihrer Zentren skizzieren. Während ich die aufgeführten Jaina-Zentren im UK alle selbst besucht und mich dort mehrmals aufgehalten habe, verweise ich bei den Jaina-Zentren in Amerika auf die Autoren Bhuvanendra Kumar und Narayanan Vasudha.

Fußnoten:
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[3]
[4]
[5]
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