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Verfasst: 01.03.2013

Paryushan – Höhepunkt im Festtagskalender

Paryushan ist das bedeutendste Fest im Jahreskalender der Jaina. Es ist eine Zeit der Reflexion und des Fastens, Praktiken, die eigentlich das ganze Jahr über ausgeführt werden sollten. Paryushan wird von allen Zweigen im Jainismus begangen. Dennoch gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den beiden großen Zweigen, den Digambara und den Svetambara. Diese Unterschiede finden Ausdruck in der Bezeichnung, dem Beginn, der Durchführung und der Dauer dieses Festes. Die Digambara nennen das jährlich stattfindende Fest Dasalaksanaparvan, welches mit dem Ende des Svetambara Paryushan beginnt und zehn Tage dauert. Diese Zeit ist vor allem dem Studieren von religiösen Schriften gewidmet. In beiden Jaina-Traditionen steht das Bitten um Vergebung zentral.[1] Das Fest findet in der Periode von Caturmas, der viermonatigen Regenzeit in Indien, statt. In dieser Zeit gehen die Jaina-Nonnen und -Mönche in Indien nicht auf Wanderschaft. Zu Beginn der Regenzeit machen sich die Nonnen und Mönche auf den Weg zu ihrer Unterkunft, wo sie die viermonatige Regenzeit (Caturmas) verbringen werden. Die Unterkunft wird jedes Jahr neu gewählt.[2] Nicht nur die Sadhvis, die Nonnen, auch die Sadhus, die Mönche, bleiben während der viermonatigen Regenzeit an einem Ort, um täglich aus den heiligen Schriften, der Kalpa Sutra, zu lesen. Laien und Asketen gehören im Jainismus zu den Grundbausteinen einer Jaina-Gemeinschaft, Sangha genannt.[3]

In der Diaspora fehlt ein wichtiger Teil der Jaina-Gemeinschaft, nämlich die Nonnen und Mönche. Ihnen ist das Benutzen jeglicher Form von Fahrzeugen untersagt. Viele meiner Informantinnen und Informanten vermissen die Asketen sehr, aber dennoch bleibt die Bedeutung dieses Festes auch in der Diaspora erhalten.

Mikal Austin Radford schreibt in seinem Artikel über Paryushan bzw. Dasalaksanapar-van bei den Jaina in Toronto: „[...] As the tranquil drone of the children's stavans (hyms) continue, it allows me time to reflect on the words of pathshala co-ordinator, Ramesh Varia. Five years to the day he told me that, 'Paryushana Parva (Svetambara) and dashalaksana Parva (Digambara) are the most auspicious times of the year on the Jaina lunar calendar - especially for us in North America. It is truly a Jaina time - a time for us to remember - but continuing these traditions are also our gift to our children. In India this event coincides with the end of the rainy season. Traditionally it is a special time when the monks and nuns preach to us. Of course, that practice is a bit changed here in Canada. We don't have the luxury of the monks' sermons and advice here - their sttrict ascetic vows will not allow them to travel out of India - but this means that other aspects of the celebration and the gathering together of members of the community are all the more important. It is that time of the year when all Jainas in the community, even those that have been a bit tardy in coming to the Centre during the rest of the year, participate by taking some form of restraint such as fasting (upvas), perform pratikraman (ritualised confession)[4], and get to hear special spiritual lectures from people well versed in the Jaina tradition. Most of all, it's a special time for our young people - it 's a time for them to live the Jaina experience in our new homeland."[5] Diese Bedeutung von Paryushan ist auch in der Jaina-Diaspora Antwerpen zu beobachten, wenn auch mehr besucht von Jaina mittleren Alters als von Kindern und Jugendlichen. Zu Paryushan, bei den Svetambara mehr ein Fest des Fastens, schreibt Helmuth von Glasenapp: „f.] Das Fest wird in erster Linie durch Fasten begangen. Die Svetambaras sollen eigentlich die ganzen acht Tage lang fasten, doch wird dieses Gebot häufig nicht streng durchgeführt, sondern manche fasten nur einen Tag um den anderen; alle enthalten sich am letzten Tage der Speise und des Trankes. Besonders wird an diesem Tage die Einhaltung des Poshadha-Gelübdes (s. S. 203) zur Pflicht gemacht, welches den Laien ganz als Mönch leben lässt. Die, welche Pshadha beobachten, bleiben 24 Stunden in Meditation oder Studium versunken im Upashraya oder in Einsamkeit.f...]."[6] Während dieser acht Tage fasten auch die Jaina in Antwerpen auf unterschiedliche Art und Weise, jeder nach seinen eigenen Möglichkeiten. Dies variiert vom Fasten an einzelnen Tagen bis zu acht Tagen. Andere versuchen, nur eine Mahlzeit am Tag einzunehmen, oder verzichten während dieser Zeit auf bestimmte Speisen. Von Gläubigen, die das sogenannte Pashadha einhalten, ist mir nicht bekannt. Ich nahm in den Jahren 2004 bis 2006 an diesem Fest in Antwerpen teil. Jedes Jahr etwa Mitte August beginnen die Vorbereitungsarbeiten. Im Jahr 2005 fiel der Beginn von Paryushan auf den 1. September und es endete am 9. September. Im Jahr 2006 fiel das Fastenfest in die örtliche Ferienzeit und dauerte vom 21. bis 29. August. Ein großes Zelt oder zwei kleine Zelte werden auf den ehemaligen Tennisplätzen auf dem Tempelgelände hinter dem Klubhaus aufgebaut. Das Zelt wird mit Teppich ausgelegt und eine kleine Tribüne wird aufgebaut. Ein großes Transparent mit der Aufschrift „Jain Cultural Center Antwerp" in roten Buchstaben wird an der Zeltwand hinter der Tribüne befestigt. Auf der Tribüne selbst steht eine Abbildung von Baghvan Mahavira, letzter in der Reihe der Tirthankaras und Reformer des Jainismus.[7] Am Rande der Halle werden Stühle aufgestellt für Gläubige, die nicht auf dem Boden Platz nehmen wollen oder können. Ganz im Gegensatz zu den Jaina-Communities in London, Leicester und Manchester, wo sowohl Paryushan als auch Dasalaksananparva gefeiert wird, findet in Antwerpen nur das achttägige Fastenfest Paryushan statt, da es nur eine Familie gibt, die dem Digambara-Jainismus angehört. Verglichen mit Paryushan 2005 war das Fest im Jahr 2006 weniger gut besucht. Dies hing mit den Schulferien in Antwerpen zusammen. Viele Migrantenfamilien waren in Indien und kamen erst mit Beginn von Paryushan wieder zurück. Wie jedes Jahr kam ein Laien-Prediger aus Indien/Gujarat, manchmal wird er begleitet von einer Musikgruppe, so zum Beispiel im Jahr 2005, oder von zwei Musikern, wie im Jahr 2006. Männer und Frauen finden sich morgens gegen neun Uhr im Zelt ein, um dem Vortrag des Predigers zuzuhören. Die Frauen tragen meist farbenfrohe indische Kleidung, die Männer sind überwiegend in dunkle Anzüge gekleidet. In London, wo die meisten Jaina, Männer wie Frauen, tagsüber einer Berufstätigkeit mit festen Arbeitszeiten nachgehen, werden die Veranstaltungen auf die Abendstunden verlegt. Die Sitzordnung ist streng nach Geschlechtern getrennt. Von der Perspektive des Predigers aus gesehen sitzen die Männer rechts, die Frauen links. Auch die Eingänge zum Zelt sind meist nach Geschlechtern getrennt. Für die Frauen gibt es noch die Möglichkeit, während des morgendlichen Satsangs ihren Gebetsteppich auf den blanken, hölzernen Zeltboden zu legen. Zu diesem Zweck wird eigens eine größere Fläche nicht mit Teppich ausgelegt. So können sie zumindest für diese Zeit dem Verhalten der Nonnen und Mönche näher kommen. Am Abend findet gegen 18 Uhr Pratikraman statt. Wegen der unterschiedlichen Praktiken von Pratikraman wird dieses Ritual in zwei Gruppen eingeteilt, die Deravasi und die Sthanakvasi. So brennt zum Beispiel bei den Sthanakvasi während der rituellen Beichte kein Licht. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer tragen einen Mundschutz, ein kleines quadratisches weißes Baumwolltuch, Muhpatti genannt, die Derava-si tragen dies bei diesem Ritual nicht. Auch in der Sitzordnung gibt es Unterschiede. Frauen und Männer sind bei den Sthanakvasi getrennt wie bei den Deravasi, die Gruppen sitzen sich aber gegenüber, nicht nebeneinander. Das Vorbeten aus dem Kanon teilen sich bei den Sthanakvasi ein Mann und eine Frau, bei den Deravasi hingegen ist dies Aufgabe der Männer. Die Dauer der rituellen Beichte ist bei den Sthanakvasi kürzer als bei den Deravasi. Nach Pratikraman wird von den Deravasi Aarti und Mangal Divo vor den Statuen im Tempel durchgeführt. Verglichen mit manchen Abenden, wo ich für dieses Ritual im Tempel alleine oder mit drei, vier weiteren Personen anwesend war, stehen die Gläubigen während Paryushan dicht gedrängt im Tempel. Gegen 21.30 Uhr beginnt das Abendprogramm, welches wieder aus Vorträgen des Laienpredigers, Yati genannt, besteht. Mit den verehrenden Bhaktis (Gesängen) in der letzten Stunde des Programms endet das Abendprogramm gegen 23 Uhr. Diese Grundstruktur von morgendlichem Satsang, Pratikraman am Abend mit anschließendem Satsang und Bhakti wird die acht Tage über beibehalten. Zusatzprogramm gibt es am fünften und sechsten Tag, und am letzten Tag enden die Festlichkeiten mit Pratikraman.

Von Glasenapp schreibt zum fünften Tag von Paryushan wie folgt: „[...] Der fünfte Tag wird von den Svetambara als das konventionelle Geburtsfest Mahaviras durch eine Prozession gefeiert. (Die Geburt Mahaviras soll in Wirklichkeit am 13. Tage der hellen Hälfte des Monats Caitra stattgefunden haben.) "[8]

In der Jaina-Diaspora Antwerpen und auch in Jaina-Gemeinschaften im UK wird an diesem Tag die Geburt Mahaviras, Mahavir Jayanti[9] genannt, nicht gefeiert. Dieses Fest findet meist im März/April statt und fällt somit nicht in die Zeit von Paryushan. Am Nachmittag des fünften Tages gedenken die Gläubigen den Traumbildern Trishalas, der Mutter von Mahavira.

Vardhamana, später auch Mahavira, der „große Held“, genannt, wurde nördlich der heutigen Stadt Patna im Bezirk Bihar geboren. Gemäß den Überlieferungen war sein Vater Siddharta ein König von Macht und Einfluss. Möglicherweise war er aber auch nur ein angesehener adliger Großgrundbesitzer. Darüber gehen die Meinungen auseinander. Sicher weiß man aber, dass er durch seine Gattin Trishala, die eine Schwester des Königs Cetaka und Vaishali war, mit königlichen Familien verschwägert war.[10]

Gemäß traditioneller Überlieferung erschienen Trishala im Traum 14 Symbole. Der Legende nach erwachte Trishala nach diesen wunderschönen Erscheinungen. Sie berichtete König Siddhartha darüber. Dieser kontaktierte einen Wahrsager, der eine Interpretation der Traumbilder vornahm.[11]
Diese Traumbilder werden am fünften Tag von Paryushan verehrt. Die Traumbilder werden in Form von Figuren, die aus verschiedenen Metallen hergestellt sind, der Reihe nach auf einem Tisch aufgestellt.

Gläubige, die sich längeren Fastenperioden unterziehen, präsentieren diese Traumfiguren. Ein eigens dafür befestigtes Seil hängt von der Decke herab und ist am Ende mit einem Haken versehen. An diesem Haken wird jede Traumfigur befestigt, nach oben gezogen und langsam schwebend in die Tiefe gelassen. Dies symbolisiert die Träume, wie sie Trishala der Legende nach erschienen sind. Meist tragen zwei oder drei Personen ein Traumbild. Das Symbol wird zwischen den Personen sanft hin- und hergeschwungen bis es nach wenigen Minuten vom Haken entfernt und auf ein silbernes Tablett gestellt wird. In einer gemischten Gruppe tragen stets die Frauen das Tablett mit dem Traumbild auf ihrem Kopf. Die anderen Personen begleiten die Trägerin oder den Träger. Es wird eine feste Route vorgeschrieben, welche die Präsentatoren zu gehen haben, um die Figur dann auf einem anderen Tisch wieder abzustellen. Diese Zeremonie findet in einer sehr feierlichen Stimmung statt und dauert mehrere Stunden. Diese 14 Traumbilder stehen anschließend noch längere Zeit nach Paryushan im Tempelraum auf dem Sideboard, bis sie wieder für ein Jahr im Schrank verschwinden.

Am sechsten Tag werden nach dem Morgenprogramm die Fastenden verehrt. Ein Stuhlkreis wird aufgestellt und die etwa 60 Personen, die sich einer Form von Fasten unterzogen haben, werden von den anderen Mitgliedern der Gemeinde nach ihrem Befinden gefragt mit den Worten „Satta Ma“, was soviel heißt, wie „Wie geht es mit dem Fasten?“. Die fastende Person antwortet meist mit den Worten „Dev Guru Prasai“, was frei übersetzt heißt „Mit Gottes Hilfe“. In meinem zweiten Forschungsjahr habe ich aktiv an Paryushan teilgenommen. Unter den Fastenden halten sich Männer und Frauen die Waage, meist waren es aber jüngere Personen. Auch einige Kinder und Jugendliche sind darunter. Hunderte von Menschen laufen im Kreis, um sich vor den Fastenden zu verneigen und zu fragen „Satta Ma?“. Der achte und letzte Tag von Paryushan wird Samvatsari genannt.

"[...] The final day known as Samvatsari, 'Annual', involves a ceremony of communal repentance and the seeking of pardon from all living creatures for any injury inflicted. At this time of the year, letters asking forgiveness are generally sent to friends and business associates, while local authorities have often been prevailed upon to place a temporary ban upon the slaughter of animals for food"[12] „Samvatsari, der letzte Tag des Paryushan und zugleich der letzte Tag des Kirchenjahres der Jaina, wird durch eine große Beichte begangen, die bezweckt, dass keine Sünde in das neue Jahr herübergenommen wird. Jeder Jaina soll sich an diesem Tage mit allen, mit denen er Streitigkeiten hatte, versöhnen."[13]

Die Wichtigkeit des letzten Tages von Paryushan ist auch in der Jaina-Gemeinde in Antwerpen zu beobachten. Viele Menschen fasten zumindest an diesem Tag, viele legen auch das Gelübde des Schweigens (Maun) bis nach Pratikraman ab. In diesem Gruppenritual bitten die Jaina um Vergebung ihres Fehlverhaltens, sei es bewusst oder unbewusst geschehen. Dieses Gruppenritual bildet den Abschluss des achtägigen Festes. Pratikraman findet während dieser Zeit täglich am späten Nachmittag gegen 16 Uhr statt. Zu Pratikraman, das täglich abgehalten wird, nur in kürzerer Form als am letzten Tag, trennen sich die Sthanakvasi und Deravasi. Die Sthanakvasi verzichten während dieses Rituals auf jegliche Form von Licht, die Deravasi hingegen nicht. Das Ritual der Deravasi dauert am letzten Tag etwa drei Stunden, bei den Sthanakvasi halb so lang. Gläubige wechseln auch die Gruppen. Sie nehmen zum Beispiel morgens bei den Sthanakvasi teil und abends bei den Deravasi.[14]

Nach dem letzten Pratikramen wirken alle sichtlich erleichtert und verneigen sich voreinander mit den Worten „Micchami Dukkadam", was „Verzeihung" heißt. Noch eine Nacht, dann ist Parna (Fastenbrechen).

„[...] Paryushan concludes on the day after Samvatsari with a communal meal eaten by all members of the local community."[15] Dies ist auch der Brauch in der Jaina-Gemeinde in Antwerpen. Aber bis zu diesem gemeinsamen Mahl vergehen Stunden und es findet nicht vor zwölf Uhr mittags statt. Viele Deravasi-Jaina kommen an diesem Tag zur morgendlichen Puja, die an diesem besonderen Morgen schon sehr früh beginnt. Etwa gegen sechs Uhr wird mit den Vorbereitungen begonnen. Um diese Zeit kommen bereits die indischen Köche, die das ganze Jahr hindurch bei den Jaina-Familien arbeiten. Die Köche selbst sind keine Jaina und sprechen meist Hindi oder eine andere indische Sprache, einige wenige sprechen auch Englisch. Aber trotz der Sprachbarrieren wurde ich von dieser Gruppe Menschen sehr freundlich und respektvoll aufgenommen. Sie liebten es, bei ihrer Arbeit fotografiert zu werden und die Fotos als Andenken zu erhalten. Viele von ihnen arbeiteten schon in Indien bei der Familie, mit der sie nach Antwerpen gekommen sind. Mit großem Eifer bereiten sie in der Küche im Klubhaus die verschiedensten indischen Speisen für das gemeinschaftliche Mal vor. Gegen 7.30 Uhr ist die gemeinsame Puja beendet und der Tempel ist frei für alle anderen Jaina, die an diesem Tag in den Tempel kommen wollen. Das Zelt, in dem während der acht Tage die religiösen Veranstaltungen abgehalten werden, verwandelt sich in ein großes Wohnzimmer. Im Kreis werden bequeme Stühle und kleine Tischchen aufgestellt. Dahinter an der Zeltwand wird ein Zettel befestigt mit dem Namen der Person, die das Fasten bricht. An den reservierten Plätzen nehmen neben den Fastenden, Tapasvis genannt, auch andere Familienmitglieder Platz. Es ist ein bedeutungsvoller Moment für die ganze Familie. Nicht nur der Fastende trägt einen Nutzen davon, auch die Personen, die ihn die Fastenzeit hindurch begleitet haben, profitieren davon. Viele bestellen für diesen besonderen Tag ihren „Hausfotografen". Verglichen mit anderen Tagen kann man an diesem Tag ein regelrechtes Blitzlichtgewitter beobachten. Jede Familie hat ihr eigenes Tablett und drei bis vier Silberschälchen mit kleinen Löffeln mitgebracht. Das Fasten wird mit verschiedenen Flüssigkeiten gebrochen, die von den indischen Köchen zubereitet werden. So zum Beispiel Zuckerwasser, Flüssigkeit von gekochten grünen Bohnen, Mung genannt, oder mit dem Wasser von gekochten Linsen, Dal genannt. Die Fastenden sitzen für mehrere Stunden und jeder hat die Gelegenheit, der Person, die mehrere Tage gefastet hat, mit dem kleinen Löffel etwas von diesen Flüssigkeiten zu geben. Dabei wird wieder nach dem Befinden gefragt: „Satta Ma?" In manchen Jahren, so zum Beispiel im Jahre 2005, stellen sich die Fastenden zu einem Gruppenfoto zusammen.

Auch wenn die Zeremonie der Digambara-Jaina in Antwerpen aufgrund der geringen Anzahl, es gibt ja nur eine Familie, nicht stattfindet, möchte ich doch diese Zeremonie zumindest erwähnen. Im Jahre 2006 fand das Fest der Digambara-Jaina vom 27. August bis 5. September statt.[16] Dasalaksanaparvan, so heißt das Äquivalent zu Paryushan, wird zum Beispiel jedes Jahr in der Jaina-Gemeinschaft in Leicester[17] und auch in der Jaina-Gemeinschaft in London/Potters Bar[18] durchgeführt. Geht es in beiden Jaina-Linien grundsätzlich um die Vergebung der begangenen Sünden, so gibt es doch nennenswerte Unterschiede.

Paul Dundas schreibt zu Dasalaksanaparvan wie folgt:„[...] The equivalent Digambara ceremony, known as Dasalaksanaparvan, the 'Festival of the Religious Qualities', is rather different in emphasis, both because the Digambara rejection of the Svetambara scriptural canon means that the Kalpasütra cannot be recited and because the paucity of monks in the last two centuries has necessitated essentially temple- or text-centred practice during this period. Dasalaksanaparvan starts immediately after the completion of the Svetambara Paryushan and lasts for ten days. It revolves around the recitation of the ten chapters of the Tattvartha sutraand homilies delivered by members of the community on successive days on each of the ten religious qualities enunciated at TS 9.6 (viz. forbearance, gentleness, uprightness, purity, truth, restraint, austerity, renunciation, lack of possession and chastity). The most auspicious day is 'Endless Fourteenth' (Anantacaturdasi), which comes at the end of Dasalaksanaparvan and is associated with the fourteenth fordmaker, Ananta, when fasting and image worship is universally carried out and puja is performed with fourteen flowers. The final day is called Ksamäpanä, 'Asking for Pardon'. "[19]

Das Fest, das Glasenapp als Paryushan nächstliegend beschreibt, Siddha Chakra Puja, die Verehrung des Heiligen Rades, oder auch Rad der Perfektion genannt, wird in der Jaina-Diaspora in Antwerpen nicht begangen. Glasenapp schreibt zu diesem Fest: „[...] Nächst dem Paryushana ist das bedeutendste der den Jainas speziell eigentümlichen Feste die Siddha-cakra-puja, die Verehrung des Heiligen Rades. Dieselbe findet zweimal in Jahre, im Monat Caitra (März-April) und Ashvina (September-Oktober) statt und dauert 9 Tage, vom 7. bis zum Vollmondstag. Während derselben wird das Siddha-cakra im Tempel durch feierliche Zeremonien verehrt. An einem dieser Tage wird das Rad nach einem Teich gebracht und dort gebadet (Jalayatra). Besondere Arten von Fasten sind bei diesem Fest zu beobachten."[20]

Bei den Jaina in Antwerpen folgt auf Paryushan das neuntägige Aaso Oli oder Ayambil Oli, welches zweimal im Jahr stattfindet. Es ist anzunehmen, dass Glasenapp, siehe Zitat in vorherigen Abschnitt, von diesem Fest berichtet. Die Dauer und der Zeitpunkt von Ayambil Oli stimmen mit den Angaben von Glasenapp überein. Im Jahre 2006 begann das neuntägige Fest am 4. April und endete am 12. April. Zum zweiten Mal begann dieses Fest nach Paryushan am 29. September und endete am 7. Oktober. In diesen neun Tagen unterziehen sich die Gläubigen einer besonderen Form des Fastens. Sie nehmen nur eine Mahlzeit am Tag ein, wobei nur sehr einfache und ungewürzte, gedämpfte oder gekochte Speisen gegessen werden. Auf Milch, Quark, Öl, Butterschmalz (Ghee) und grünes Gemüse soll bei dieser Form des Fastens verzichtet werden. Für Menschen, die an die indische Küche gewöhnt sind, sind diese Speisen, welche mit einer Magenschonkostdiät im europäischen Raume vergleichbar sind, keine leichte Kost. Einige würden es sogar vorziehen, ganz auf Nahrung zu verzichten, statt diese ungewürzten Speisen zu essen. Dennoch gibt es jeden Tag Menschen, die sich zu dieser gemeinsamen Mahlzeit treffen. Jedes Gemeindemitglied hat die Möglichkeit, sich in einer Liste im Tempel für einen bestimmten Tag einzutragen. An diesem Tag kommen die vorher angemeldeten Personen im Haus oder in der Wohnung der Gastgeberfamilie zusammen. Meist ist dies ab ein Uhr möglich. Wer an diesem Tag nicht fastet, nimmt entweder an den Vorbereitungsarbeiten oder beim Zubereiten der Speisen teil oder hilft beim Servieren. Den räumlichen Gegebenheiten angepasst, werden kleine Tischchen im Kreis aufgestellt. Dahinter nehmen die Fastenden auf ihrem Wollteppich Platz. Die Anzahl der Fastentage variiert sehr stark; es wird zwischen einem und neun Tagen gefastet. Die Anzahl der Frauen überwiegt unter den Fastenden deutlich. Die Frauen der Deravasi-Jaina führen in dieser Zeit auch eine ausgedehnte Snatra Puja im Tempel durch. Der Legende nach wurde mit dieser Diät ein hartnäckiges Hautleiden geheilt.

Wie schon erwähnt, hat Fasten im Jainismus einen hohen Stellenwert und es gibt wie in keiner anderen Religion die verschiedensten Formen von Fasten. Auch in der Diaspora Antwerpen praktizieren Gläubige neben der achttägigen Fastenzeit Paryushan und dem eben beschriebenen neuntägigen Ayambil andere Formen des Fastens. Deshalb sollen die bekanntesten Formen hier kurz

Porasi

Die Aufnahme von Nahrung und Wasser ist erst drei Stunden nach Sonnenaufgang erlaubt.

Sadh-porasi

Die Aufnahme von Nahrung und Wasser ist erst viereinhalb Stunden nach Sonnenaufgang erlaubt.

Purimuddh

Die Aufnahme von Nahrung und Wasser erfolgt erst sechs Stunden nach Sonnenaufgang.

Avadhdh

Die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme erfolgt erst acht Stunden nach Sonnenaufgang.

Biyasan

Hier nimmt der Fastende nur zwei Mahlzeiten pro Tag zu sich. Nahrungsaufnahme zwischendurch ist nicht erlaubt.

Ekasan

Bei dieser Form nimmt der Fastende nur eine Mahlzeit pro Tag zu sich. Auf rohes Gemüse und rohe Körner soll bei Biyasan und Ekasan verzichtet werden.

Upavas

Dies bedeutet Verzicht auf jegliche Form von Nahrung. Nur abgekochtes Wasser soll zwischen zehn Uhr morgens und sechs Uhr abends getrunken werden. Verzicht auf Nahrung und Wasser wird Chauvihār Upavasgenannt.

Chauvihart

Bei diesem Gelübde verspricht der Fastende, nach Sonnenuntergang weder feste noch flüssige Nahrung, auch kein Wasser, zu sich zu nehmen.

Tivihar

Hier ist die Aufnahme von Wasser nach Sonnenuntergang erlaubt, sollte aber nicht später als um zwölf Uhr nachts geschehen.

Im Jainismus gibt es auch einige wichtige Formen des Fastens über einen längeren Zeitraum. So zum Beispiel das Fasten an drei aufeinanderfolgenden Tagen, Attham genannt. Das Fasten an acht aufeinanderfolgenden Tagen, so zum Beispiel während Paryushan, heißt Atthai. Masakshaman wird als die höchste Form des Fastens gesehen. Hier verzichtet der Fastende für einen Monat auf Nahrung.

Während das Fasten bei Attham, Atthai und Masakshaman einen Verzicht auf jegliche Nahrung bedeutet, handelt es sich bei Varshitap um eine Fastenform, die eine Nahrungsaufnahme, meist zwei Mahlzeiten, jeden zweiten Tag gestattet. Varshitap wurde in meiner Forschungszeit von zwei Mitgliedern in der Jaina-Diaspora Antwerpen durchgeführt. Dieses Fastengelübde wird in der Regel für ein Jahr abgelegt und an einem ganz bestimmten Tag gebrochen. Dieser Tag wird Akshay Tritiya genannt und fällt meist in die Monate März/April. Beide Mitglieder der Jaina-Gemeinde flogen zu diesem großen Fastenbrechen nach Indien/Mumbai. Gebrochen wird das Fasten mit Zuckerwasser.[21]

Viele Feste im Jainismus werden mit Fasten begangen, und manchmal überschneidet sich sogar das Fasten mit den Festen. So zum Beispiel überschnitt sich im Jahr 2006 die Fastenzeit Ayambil Oli mit dem jährlich stattfindenden Fest Navratri. Navratri ist ein Hindu-Festival und heißt wörtlich übersetzt neun (nav) Nächte (ratri). Wer Navratri außerhalb Indiens erleben möchte, dem ist anzuraten, ins UK zu fahren. In Leicester gibt die Stadtverwaltung zum Beispiel jedes Jahr eine eigene Broschüre heraus. Im Jahr 2005 war das der „Leicester divali guide Diese Broschüre lag an vielen öffentlichen Einrichtungen aus. Somit werden aus den beiden Hindu-Festen Navratri und Divali multikulturelle und interreligiöse Ereignisse. Jeder ist willkommen. Hindus, Jaina und Sikhs feiern Navratri und Divali. Während die Legende zu Navratri von allen HinduGemeinden akzeptiert wird, gibt es an Divali bei den Jaina und den Sikhs neben Neujahr noch einen weiteren Schwerpunkt.[22] Ein Informant, den ich im Jahr 2005 kurz vor Navratri im Jaina-Tempel in Leicester traf, berichtete über folgende Legende: „The belief behind the Navratri is that thousands of years ago the Mother Goddess took on a powerful warrior-like form called Durga to slay an evil demon Mahisasur. The battle lasted for nine days and nine nights, with Mahisasur being killed on the tenth day (Dussera)." In Antwerpen wird Navratri jährlich mit einer Tanzveranstaltung im Tanzsaal des Hilton am Groenplatz, dem Zentrum von Antwerpen, gefeiert, organisiert vom Antwerp Indian Ladies Club. Bei dieser Gelegenheit kommen Mitglieder der Jaina- und der Swaminarayan-Gemeinde zusammen. Die Jaina und Swaminarayan bilden ethnisch gesehen eine Gemeinschaft. Sie kommen beide aus Gujarat nach Antwerpen und haben die gleiche Muttersprache. Im Gewerbe und in der Religion trennten sich aber ihre Wege. Verglichen mit den Jaina sind nur sehr wenige Mitglieder der Swaminarayan-Gemeinde im Diamantengeschäft tätig. Zu besonderen Anlässen, wie zum Beispiel zu Divali oder zu Ganesh-Chaturthi,[23] besuchen einzelne Jaina den Tempel der Swamina-rayan in der Van Breestraat 10 in Antwerpen[24]. Umgekehrt kommen zu Paryushan vereinzelt Mitglieder der Swaminarayan-Gemeinde zum Jaina-Tempel. Zu Navratri tanzen sie gemeinsam, jung und alt, jeder bewegt sich zu heimatlichen Rhythmen. Die typischen Tänze zu Navratri sind der Stocktanz, Dandia Raas genannt, oder ein Tanz, bei dem die rhythmischen Bewegungen durch das Klatschen der Tänzerinnen und Tänzer unterstrichen werden. Dieser Tanz wird Garba genannt. Wahren die Jaina in den meisten Situationen stets eine strenge Aufteilung nach Geschlechtern, so ist dies bei den Tänzen nicht immer der Fall. Neben tanzenden Frauen- und Männergruppen formierten sich auch gemischte Gruppen. Mit Navratri ist das Jahresende bereits eingeläutet. Nach etwa zweieinhalb Wochen beginnt Divali.[25]

Helmuth von Glasenapp schreibt zu Divali im Jainismus wie folgt: „f...]Unter den Festen, welche den Jainas mit den Hindu gemeinsam sind, ist das bedeutendste die Divali am 15. dunklen Tage des Monats Kärtikka (Oktober-November). Bei den Hindus wird die Divali durch große Illuminationen der Häuser und Straßen zu Ehren der Glücksgöttin Lakshmi begangen. Die Jainas feiern sie zur Erinnerung an das Nirvana Mahaviras; sollen doch die Könige, welche ihm anhingen, in der Nacht, in der er starb, eine große allgemeine Illumination veranstaltet haben. In den Tempeln werden an diesem Tage

Süßigkeiten, die sog. „Laddu" dargebracht, und Wallfahrten nach Pävä gelten an ihm als besonders heilbringend. Unter dem Einfluss der hinduistischen Sitten wird das Fest jedoch von den meisten Jainas mehr als ein dem Glück und dem Reichtum gewidmetes begangen als eines, das dem Gedenken an einen in die Erlösung eingegangenen Heiligen geweiht ist. An den beiden Tagen, welche dem Neumondstag vorhergehen, werden besondere Riten vollzogen; am ersten putzen die Frauen ihr Geschmeide zu Ehren Lakshmis, und am zweiten legen sie Süßigkeiten an Kreuzwegen nieder, zum Schutz gegen die Geister. Am eigentlichen Festtage aber wird das Rechnungsbuch zum Gegenstand eines Kultus gemacht. Zu diesem Zweck wird in dieses von einem Brahma-nen das Wort „Shri" hineingeschrieben, dann wird eine Münze und das Blatt einer Schlingpflanze auf dieses gelegt, und ein Lämpchen wird zu seinen Ehren geschwungen. Zum Schluss wird es mit einem roten Pulver bespritzt, worauf der Brahmane und der Jaina Süßigkeiten verzehren. Das Buch bleibt dann einige Stunden geöffnet liegen; d. h. (möge es einen) hunderttausendfältigen Gewinn (bringen)![...]. "[26] Die Festtagsbroschüre der Stadt Leicester informiert über Divali sehr anregend und einladend: „Diwali is a short form of the word deepavali, meaning 'a row of lights'. There are many interpretations of the festival, but the main theme is the triumph of good over evil, light over darkness. The festival of Diwali extends over five days, and because of the lights, fireworks, and sweets involved, it's a great favourite with children. It is a time for worship and celebration, a time when people gather together to eat, dance and join family and friends to welcome in the Hindu New Year.

In Leicester the Diwali celebrations are renowned as being amongst the largest in the world. Leicester City Council's sttreet lighting team preparing more than 6000 lights for the dazzling switch-on display which is enjoyed by the tens of thousands of people who come to Leicester to enjoy the event.

There are two public Diwali events in Belgrave - one celebrates the switching on of the Diwali lights along Belgrave Road (this is the main one), and the other is a gathering on Diwali day itself. For both occasions, Belgrave Road is closed to traffic and thousands of people gather to watch traditional music and dancing on a stage at the southern end of the road by the flyover, followed by a large firework display at Cossington Recreation Ground. Diwali is celebrated by Hindus, Jains and Sikhs."[27] Die Deravasi in Antwerpen schmücken jedes Jahr zu Divali ihren Tempel mit bunten Lichterketten, farbenfrohen Girlanden an der Decke und vielen zusätzlichen Kerzen. Das Schmücken des Tempels übernehmen die Frauen. Auch die Statuen werden in der Zeit von Divali täglich sehr aufwendig geschmückt und verziert. Eine besondere Veranstaltung zu Mahaviras Nirwana, wie zum Beispiel bei den Terapanthi-Jaina in London oder im Derasar Kenton Road, wo die Gläubigen zur Erinnerung an Mahaviras Nirwana die ganze Nacht hindurch singen und meditieren, gibt es in Antwerpen derzeit nicht.[28] Stattdessen wird in Antwerpen von vielen Jaina an diesem Abend - wie von von Glasenapp beschrieben - die Puja der Geschäftsbücher durchgeführt. Dies kann in einer Privatwohnung stattfinden oder in den Büroräumen. Diese Puja wird nur von den Männern durchgeführt. Die Ehefrauen sind zwar begleitend anwesend und unterstützen, falls nötig, den reibungslosen Ablauf der Puja. Bei der Geschäfts-Puja werden auch Gottheiten aus dem Hinduismus verehrt. Zentral stehen hier die Verehrung von Ganesha, dem Gott mit dem Elefantenkopf, der alle Hindernisse aus dem Wege räumt und vieles mehr, und von Lakshmi, der Göttin des Wohlstands, Erfolgs und Reichtums. Durchgeführt wird die Puja entweder vom Familienvorstand, das ist entweder der Ehemann oder der Vater vom Ehemann, oder es werden eigens Brahmanen aus Indien geholt, um die Verehrung auszuführen. Die Öffnung des Tempels erfolgt nach einem astrologisch berechneten Zeitpunkt am Neujahrstag. Eine Person, meist ist das eine Frau, schließt den Tempel - oft gegen 5 Uhr morgens - auf. Das „neue Jahr" beginnt mit einer gemeinsamen Puja. Auch das Öffnen der Büros erfolgt am Neujahrstag zu einem astrologisch berechneten Zeitpunkt von einer vertrauenswürdigen, für das Geschäft Glück verheißenden Person. „If this person can not come to my office this time, as it happened to me this year, I contact this person by phone", so erklärte mir einer meiner Informanten am Neujahrstag 2006.[29]

Der erste Festtag im neuen Jahr ist Gyan Panchami, mit dem ich die Beschreibung des religiösen Jahres der Jaina in Antwerpen abschließe. Helmuth von Glasenapp schreibt hierzu: „f.] Jnäna-pancami am 5. hellen Tage von Kärttika (Oktober-November) ist dem heilige Wissen geweiht; an diesem Tage werden die heiligen Schriften verehrt und von Staub und Insekten befreitf...]. "[30]

Bei den Jaina in Antwerpen wird an diesem Tag, der im Jahre 2006 auf den 27. Oktober fiel, der obere Teil der silbernen Pyramide weggenommen. So entsteht eine etwas größere runde Fläche. Der untere Teil der Pyramide wird rechts vom Garbha Griha aufgestellt. Darauf wird der Kanon der Svetambara-Jaina, die Kalpa-Sutra, gelegt. Um den Kanon herum werden Räucherstäbchen und Kerzen angezündet. In einer kleinen silbernen Schale befindet sich Sandelholz in Pulverform, um damit die Puja am Kanon, Kalpa Sutra, durchzuführen. Die Gläubigen, darunter auch auffallend viele Kinder, bringen an diesem Tag unbenutzte Hefte und Stifte aller Art. „ On this day especially we wish one day we will get the knowledge of this book", so einer der Gläubigen.

Wie mit den Opfergaben bei der täglichen Puja, so ist es auch hier bei den mitgebrachten Heften und Stiften. Diese Gegenstände fließen nicht wieder zurück in den Besitz der Jaina. Zweimal übernahm ich auf die Bitte der Jaina hin die Aufgabe, die Schreibwaren an die lokale Bevölkerung zu verteilen. Meine beiden Fahrradtaschen voll beladen, machte ich mich auf den Weg. Nichts leichter, als Dinge kostenlos an die Menschen auf der Straße zu verteilen, sollte man meinen. Ich machte eine gegenteilige Erfahrung. Die Menschen liefen davon, als ich ihnen Hefte und Bleistifte entgegenhielt, und hinzufügte: „Het is gratis." Doch ich gab nicht auf und fand bei den Eltern, die gegen 15.30 Uhr vor den Schulen auf ihre Kinder warteten, dankbare Abnehmer.

Helmuth von Glasenapp nennt noch weitere Feste bei den Jaina, die aber in Antwerpen nicht zu beobachten sind. Gründe hierfür sind entweder eine zu geringe Anzahl von Mitgliedern, wie zum Beispiel bei den Digambara, oder die räumlichen Beschränkungen und der daraus entstehende organisatorische Aufwand, um solche Feste durchzuführen.[footer]31[/foot

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