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Verfasst: 14.02.2013

Migration und Gender

Wie schon erwähnt, migrierten die Jaina aus wirtschaftlichen Gründen nach Belgien/Antwerpen, um ihre Handelsnetze zu erweitern und dadurch ihren Lebensstandard zu erhöhen. Viele Einwanderer kamen ohne ihre Familien nach Antwerpen, um dort die geschäftliche Basis zu legen. Geschäftliche, soziale und freundschaftliche Kontakte finden die männlichen Einwanderer im täglichen Berufsleben, das eng verbunden ist mit der Zusammenarbeit von Familienmitgliedern und Freunden. Hier arbeiten Väter, Söhne, Onkel, Enkel und Freunde gemeinsam. Neben dem Geschäftlichen bleibt auch Zeit für persönliche Gespräche oder für gemeinschaftliche Spaziergänge in der Mittagspause im nahe gelegenen Stadtpark. Der Diamantenhandel und vor allem auch die Diamantenindustrie waren in allen Kulturen eine Domäne der Männer, und das ist bis heute so geblieben. Die Rolle der Frauen beschränkte sich in Antwerpen zum Beispiel auf das Drehen des Rades vom Schleifstein. Dies wurde bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts praktiziert. „[...] Polishing was done like that till the mid 19th century! The polisher examines the stone in the tongue, while the flying-wheel is being turned by a woman. [...] women were also active in the trade, especially as cleavers, because from 1722, this discipline fell outside the Nation's authority. The Nation did not admit independent women, they were only tolerated as helper to the master, for example, to turn the wheel."[1]

Die Jaina-Frauen kamen durch das Geschäft ihrer Ehemänner nach Antwerpen. Viele waren im Heimatland schon verheiratet und zogen erst Jahre später zu ihren Ehemännern nach Antwerpen. Es gibt aber auch Situationen, wo der Mann als Junggeselle nach Antwerpen ging und sich nach Jahren eine Heiratspartnerin in Indien suchte, um anschließend gemeinsam in Antwerpen, wenn möglich bei den Eltern des Ehemannes, zu wohnen. Trotz der rasend schnellen Veränderungen in Indien, über die in vielen Medien in letzter Zeit berichtet wird,[2] hat das traditionelle Familienleben bis heute seinen hohen Stellenwert nicht verloren. Die Töchter heiraten in die Familie des Ehemannes und leben dort eingebunden in eine Frauengruppe, die meist aus der Schwiegermutter, den Schwägerinnen und den noch zu Hause lebenden Schwestern des Ehemannes besteht. Zur Frauengruppe gehören auch die im Hause lebenden Kinder. In der Diaspora ist diese Familienkonstellation eher eine Ausnahme. Wie die laufenden Forschungen zeigen, sind die Frauen oft mit ihren Kindern allein zu Hause, was im Heimatland kaum vorkommt. Keine der Jaina-Frauen geht einer Berufstätigkeit nach oder strebt eine solche an. Ihre Hauptaufgaben liegen im häuslichen Bereich und gehen über ein Mithelfen im Büro des Ehemannes kaum hinaus. Auch wenn die Umstellung vom Leben in einer Großfamilie zu dem in einer Kleinfamilie für die meisten Frauen und Männer keinen leichten Schritt darstellt - viele vermissen die Großfamilie und ihre Freunde -, bringt das Leben in der Diaspora für die meisten auch Vorteile mit sich. Da sie in der Diaspora von vielen sozialen Verpflichtungen befreit sind, bleibt ihnen mehr Zeit für persönliche Bedürfnisse. Männer wie Frauen bestätigen, dass sie sich gegenseitig näher kommen als im Heimatland und mehr Zeit für gemeinsame Unternehmungen zur Verfügung haben. Durch die Freiräume, die ihnen das Leben in der Diaspora schafft, haben die Frauen mehr Zeit für religiöse Studien. Einige von ihnen gehen auch regelmäßigen sportlichen Aktivitäten wie Fitness, Schwimmen und Badminton nach. Einen Austausch zwischen den Migrantenfamilien und der lokalen Bevölkerung gibt es kaum.

Fußnoten:
[1]
[2]
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