Das Gespür für Wachstum ► Praxis ► 14 Entwicklungsstufen ► 01 - Die erste Entwicklungsstufe (mithyaktva)

Verfasst: 07.08.2014

1 - Die erste Entwicklungsstufe (mithyaktva)

erfahren wir als einen Zustand, in dem wir tief in unsere Überzeugungen, Emotionen, unsere Aktivitäten und die Ereignisse um uns herum eingesponnen sind.

Wir mögen auf dieser Stufe der Ansicht sein, unser Leben voll unter Kontrolle zu haben, doch wenn wir nur etwas tiefer blicken, zeigt sich eine grundlegend andere Wirklichkeit:

  • Wie oft fühlen wir uns Ereignissen ausgeliefert, deren Sinn wir nicht verstehen, die sich unserer Kontrolle völlig entziehen und die wir manchmal kaum ertragen können?

  • Wie oft müssen wir erfahren, daß jede Stabilität, die wir erreichen, entweder früher oder später wieder zusammenbricht, - oder unser Leben derart erstarren läßt, daß sich in uns und um uns nichts mehr bewegt?

  • Wie oft sind wir wirklich mit der Situation zufrieden, in der wir uns gerade befinden, - und wie lange hält diese Zufriedenheit gewöhnlich an?

  • Wie oft müssen wir erfahren, daß unsere Gefühle uns von einem Augenblick zum anderen von höchstem Glück in tiefste Verzweiflung stürzen (und umgekehrt), ohne daß wir darauf irgendeinen Einfluß hätten.

  • Wie oft driftet unsere Aufmerksamkeit - ohne daß wir es steuern könnten - von einem Objekt zum anderen, so wie ein Schmetterling von Blüte zu Blüte flattert.

  • Wie oft wird sie so intensiv von einer bestimmten Vorstellung, einer fixen Idee, einem intensiven Gefühl eingenommen, daß wir die Welt außerhalb dieser dichten emotionalen Umhüllung fast nicht mehr wahrnehmen?

Wir mögen dies als völlig normal ansehen und uns in diesen Umständen sogar wohl fühlen. Doch ist dies hauptsächlich darauf zurückzuführen, daß wir keine Alternativen kennen, die uns andere, weit interessantere und inspirierendere Lebensmuster bieten. Wir leben in einem dichten emotionalen Kokon, der uns nur selten bewußt wird. Obwohl uns Freunde manchmal auf diesen Zustand aufmerksam machen, wissen wir nicht, wie wir uns aus dieser fast hypnotischen Vereinnahmung lösen könnten. Keines der Ziele, die wir auf dieser Ebene verfolgen, führt systematisch zur Erfahrung höherer Entwicklungsstufen.

Es ist ein Zustand der Täuschung, des Irrtums und Mißverstehens der Funktionsweise dieser Welt. Alle Überzeugungen, Ansichten, Standpunkte, alle Konzepte und Glaubenssysteme, auf denen wir unser Leben aufbauen - unabhängig davon, ob wir sie von anderen übernommen haben oder sie selbst entwickelten - halten uns auf dieser Stufe fest. Selbst wenn uns die wahren Mechanismen präsentiert werden, erkennen wir sie nicht oder halten sie für falsch.

Wir können leicht aus dieser Ebene herausfinden. Wir brauchen nur neue Komponenten in unser Leben einzubringen, die uns Wachstumsmöglichkeiten eröffnen.[1] Solange wir dies nicht tun, bleiben wir ewig auf dieser Stufe.

Wenn wir diese Ebene verlassen - selbst wenn es nur ein momentanes 'Aufwachen' ist, - gehen wir direkt auf Stufe vier (avirata samyaktva), ohne gunasthana zwei und drei zu erfahren.

Fußnoten:
[1]
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