Das Gespür für Wachstum ► Tattvarthasutra, Kapitel 1 ► Sutra 17

Verfasst: 14.07.2014

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Arthasya (17)

Sinneswissen (mati) erkennt nicht nur die äußeren Eigenschaften eines Elementes, sondern auch seinen gesamten Inhalt, Sinn und Zweck. (17)


Elemente (dravya) und deren Eigenschaften (bhavd) sind untrennbar miteinander verbunden. Bei jeder Wahrnehmung von Eigenschaften (Farbe, Form, Geruch, Funktion etc.) entsteht daher auch immer und automatisch eine Verbindung zu dem Element selbst.

Wenn unsere Sinne Kontakt zu einem Objekt bekommen, nehmen wir deshalb nicht nur dessen Eigenschaften wahr, sondern stellen auch eine unmittelbare Beziehung zu dem gesamten zugrundeliegenden Element (dravya) her. Diese Beziehung hat mehrere Funktionen.

Wir prüfen damit unterbewußt, ob das, was wir wahrnehmen, mit den möglichen Spielarten des Elementes übereinstimmt. Dabei weist unser Bewußtsein alles zurück, was sich nicht mit den möglichen Varianten deckt. Die abgelehnten Ereignisse dringen nicht bis zu unserer Aufmerksamkeit vor.[42]

BEISPIEL: Wenn wir ein geparktes Auto sehen, nehmen wir dabei automatisch auch dessen Fähigkeit wahr, Fortbewegung zu ermöglichen, - obwohl es zu diesem Zeitpunkt nicht fährt. Die Wahrnehmung dieser einen Eigenschaft macht uns aber auch all die anderen möglichen Funktionen des Wagens bewußt - d.h. die Möglichkeiten, damit andere Orte zu erreichen, Freunde zu transportieren, Unfälle zu verursachen, die Umwelt zu belasten, Schutz vor Regen zu bieten und vieles mehr.

Die Gesamtmenge der Funktionen, die bei einem Auto möglich sind, ist jedoch begrenzt. Ein Auto, das sich in einen Ele-v fanten verwandelt, würde nicht in das Spektrum der akzeptablen Varianten passen. Selbst wenn wir Zeuge einer derartigen Transmutation würden, würde unser Bewußtsein dieses Erlebnis ausfiltern und nicht als Baustein unserer Welt akzeptieren.[43]

Daß wir bei der Erfahrung eines Objektes oder Ablaufs nicht ständig alle Eigenschaften der beteiligten Elemente bewußt wahrnehmen, hängt mit den Karmas zusammen, die in uns einen Teil der dazu notwendigen Erkenntnisfähigkeit (darshana) blockieren. Es sind also unsere eigenen Vorstellungen, Vorurteile, Konzepte und Emotionen, die uns diesen Teil der Realität verschließen.

Außer diesen realen und potentiellen Funktionen eines Objektes oder Ablaufs erkennen wir aber auch noch, weshalb wir damit konfrontiert werden. Bewußt oder unterbewußt nehmen wir wahr, welche Aufgabe eine Situation oder ein Objekt in unserem Leben hat, und auf welche Weise und bis zu welchem Grad sie diese erfüllen können.

Wir nehmen dies wahr,

  • - unabhängig davon, ob wir diese Wahrnehmung akzeptieren oder nicht,
  • - unabhängig davon, ob uns das Wahrgenommene gefällt,
  • - und auch unabhängig davon, ob wir darauf reagieren wollen oder nicht.

Unserem Bewußtsein teilt sich der gesamte Inhalt, Sinn und Zweck des Elementes mit. Wieweit wir von dieser Menge an Informationen Gebrauch machen, ist dann allein unsere Entscheidung.

Fußnoten:
[42]
[43]
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