Das Gespür für Wachstum ► Tattvarthasutra, Kapitel 1 ► Sutra 05

Verfasst: 16.06.2014

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Santa sthapana dravya bhavatas tannyasah (5)

Wir erfahren die Realität (Bewußtsein, Materie, Karma, etc.) auf vier Ebenen:

 

  1. auf der Ebene der Bezeichnungen, in der wir zur Kommunikation und für soziale Mechanismen aus­schließlich Namen und Begriffe verwenden (nama),
  2. auf der Ebene der geistigen Struktur, mit der wir un­sere persönliche Wirklichkeit formen (sthapana),
  3. auf der Ebene der potentiell möglichen Eigenschaften der Elemente, die die Grundlage für eine identische Wahrnehmung der Realität durch verschiedene Men­schen bildet (dravya) und
  4. auf der Ebene, in der sich einzelne Eigenschaften der Elemente oder deren Kombinationen in der Gegen­wart verwirklichen (bhava). (5)

 


Die vier Funktionsebenen der Realität klar voneinander unterscheiden zu können bringt mehrere praktische Vorteile.

Zunächst einmal können wir leichter identifizieren, welche Mechanismen unser Handeln und Lebensgefühl auf den einzel­nen Ebenen beeinflussen. Wenn wir unerwünschte Lebensthemen beenden, oder unserem Leben eine neue Richtung geben wollen, erkennen wir dadurch, auf welcher Ebene Änderungen überhaupt Erfolg bringen können.

Des weiteren verwechseln wir die Mechanismen der einzel­nen Ebenen dann nicht mehr miteinander, bzw. wenden sie nicht mehr auf Ebenen an, auf denen sie nicht wirken. Unklar­heit darüber, welche Mechanismen auf welchen Ebenen gelten, ist eine der Hauptursachen für das Mißverstehen der Weltme­chanismen, das uns auf den unteren Entwicklungsstufen (gunasthana) festhält.

So wird beispielsweise oft die Ebene der Bezeichnungen (nama) mit der Ebene der Wirklichkeit (bhava) verwechselt. Wir nehmen dadurch Worte und Begriffe für wahre Münze und erfahren dann Enttäuschung, wenn die Ereignisse den Worten nicht entsprechen; - oder wir versuchen andere Menschen mit Worten zu überreden, die nur durch unser Handeln überzeugt werden können.

Auch die Ebene der geistigen Struktur (sthapana) wird leicht mit der Ebene der Wirklichkeit (bhava) verwechselt. Dies äu­ßert sich darin, daß wir Ereignisse so sehen, wie wir sie sehen wollen, nicht wie sie wirklich ablaufen. Die Verwechslung läßt uns nicht erkennen, daß das, was wir dabei in unser Bewußt­sein aufnehmen, nur ein Teil des Ereignisses ist, und nicht das Ganze.

Auch wenn uns diese vier Realitätsebenen stärker bewußt sind, ist und bleibt unser Leben eine ganzheitliche Erfahrung. So wie wir gleichzeitig kochen, Radio hören und uns mit je­mandem unterhalten können, so können wir gleichermaßen das parallele Ablaufen der vier Ebenen bewußt erfahren, ohne daß wir dadurch überfordert würden.

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