Das Gespür für Wachstum ► Tattvarthasutra, Kapitel 1 ► Sutra 07 ► ­Adhikarana - Feststellen, wodurch ein Erlebnis hervorgerufen wurde

Verfasst: 27.06.2014

Feststellen, wodurch ein Erlebnis hervorgerufen wurde (adhikarana)

bedeutet herauszufinden, wie sich ein bestimmter Zustand oder ein Erlebnis wiederholen läßt.

Das Auftreten höherer Bewußtseinszustände hat zwei Ursachen:

    1. intern (abhyantara)

      Höhere Bewußtseinsebenen erschließen sich, wenn die Karmas, die deren Auftreten verhindern, unwirksam werden. Dies ist die primäre Ursache. Die Bindung an die entsprechenden Karmas muß dabei nicht vollständig aufgelöst sein. Wir erfahren umfassendere Ebenen unseres Bewußtseins auch, wenn diese Karmas zeitweilig ganz oder teilweise inaktiv werden und die Blockade unserer inneren Expansion dadurch temporär aufgehoben ist.

      Neue Bewußtseinsebenen können sich uns jedoch nur dann erschließen, wenn wir uns grundlegend entscheiden, die dazu notwendigen - in allen Wesen potentiell vorhandenen - Expansionsfähigkeiten auch zu entwickeln. Die drei Komponenten, die dies möglich machen, sind in Sutra 1 aufgeführt. Wenn wir unsere potentiellen Fähigkeiten nicht manifestieren, werden wir höhere Bewußtseinsebenen auch nicht stabil erfahren.

    2. extern (bahya)

      wird die Erfahrung höherer Bewußtseinszustände durch Einflüsse hervorgerufen, die außerhalb unseres Bewußtseins Hegen. Dies sind beispielsweise Schocks, Unfälle, tiefe Enttäuschung, große Schmerzen, etc. - also Ereignisse, die ein generelles Überdenken unserer bisherigen Lebensziele und eine entsprechende Neubewertung der uns umgebenden Komponenten auslösen.

      Dies kann aber auch durch die Begegnung mit Menschen, die auf ihrem Weg zur Befreiung weiter fortgeschritten sind, die Erinnerung an frühere Leben oder die Beschäftigung mit Wissen, das den Weg in höhere Bewußtseinszustände beschreibt, etc. hervorgerufen werden.

BEISPIEL:

Wir beobachten, daß das Gespür für Wachstum fast ausschließlich in Zeiten relativer Ruhe auftritt, d.h. in Zeiten, in denen unsere Aufmerksamkeit nicht vollständig von den Ereignissen des täglichen Lebens vereinnahmt wird und wir Muße haben, über uns und über das Leben generell nachzudenken (z.B. beim Friseur, während Wartezeiten, in freier Natur etc.).

Wir entdecken, daß die Momente der Wachheit häufiger auftreten, wenn wir durch unser Verhalten die Aufnahme neuen Karmas verhindern oder dessen Auflösung fördern.

Wir setzen diese Erkenntnis in Handlung um, und beschäftigen uns z.B. mit Büchern, die höhere Bewußtseinszustände beschreiben, suchen die Gegenwart von Menschen, die weiter auf dem Weg fortgeschritten sind, etc.

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