Geheimnisse des Geistes ► 29 ► Training des Geistes mit Preksha Meditation (1)

Verfasst: 08.11.2012

Der elementare Grundsatz der Preksha Meditation lautet:

  • Lass die Seele sich selbst wahrnehmen, erkenne dein Selbst.

Das Meditationssystem von Bhagvan Mahavira gründet sich auf direkter Wahrnehmung und Erfahrung der Wirklichkeit. Im Alltag sind Körper und Seele nicht voneinander zu trennen, doch sind sie grundsätzlich verschieden voneinander.  Körper, Geist, Atem und die Fähigkeit sich auszudrücken werden aktiviert durch die vom Energiekörper erzeugte Lebensenergie. Der Energiekörper wird vom Karmakörper gesteuert, der direkt mit der Seele verbunden ist und sie stets begleitet. Deshalb nimmt man mit der Seele zugleich die Vibrationen von Körper, Geist, Atem, Lebensenergie und Karma wahr.

Kayotsarga ist der erste Schritt zur Wahrnehmung des Selbst. Wir wissen inzwischen einiges über die Aktivitäten des Körpers, doch nur wenig darüber, was geschieht, wenn wir ihn absichtlich und in vollem Bewusstsein still legen. Unsere Muskeln verspannen sich häufig. Die Stilllegung des Körpers ist eine erprobte Methode, diese Verspannungen aufzulösen. Im Kayotsarga wird der Atem ruhig und verlangsamt sich, was auch den stets mäandernden Geist zur Ruhe bringt. Kayotsarga entspannt also Körper und Geist. 

Der zweite Schritt ist das Freisein von Täuschungen. Freisein von Täuschungen verändert den Lauf des Lebens und eröffnet neue Horizonte. Das zeigt sich in Achtsamkeit, Wahrnehmen der Wirklichkeit und mentaler Disziplin. Normalerweise koordinieren wir Geist und Handlungen nicht miteinander. Ist der Körper mit einer Sache beschäftigt, ist es der Geist mit einer anderen. Doch das ist reine Energieverschwendung. Wenn wir durch Bhavakriya den Geist mit allen Handlungen koordinieren, wirken wir dem entgegen. Wenn wir eine falsche Vorstellung von der Wirklichkeit haben und mental keine Disziplin halten können, wirkt das ermüdend auf unser Bewusstsein und hemmt seine Entfaltung. Es gibt keinen besseren Nährboden für Kummer und Sorgen als ein unentfaltetes Bewusstsein.

Der dritte Schritt zur Wahrnehmung des Selbst ist Bhavana. Bhavana erhöht das Energieniveau und stärkt Willenskraft und Entschlossenheit. Ausgeprägte Willenskraft benötigt keine materiellen Anreize, um effektiv zu werden. Entschlossenheit ist der Schlüssel zum Erfolg.

Der vierte Schritt ist Anupreksha oder kontemplative Auswertung des bisher Erkannten. Damit befreit man den Geist von den durch soziale Beziehungen und Schwäche für materielle Anreize entstandenen Eindrücken und Impulsen. In der Anupreksha übt man die andauernde Konzentration auf einen Gegenstand der eigenen Wahl, indem man sich auf einen ethischen Wert ausrichtet und ihn unter verschiedenen Aspekten kontempliert. Das entwickelt die Fähigkeit zur Toleranz und stärkt die Reinheit des Herzens.

Achtsames Wahrnehmen, das bis in die Tiefe des Inneren reicht, ist der fünfte Schritt zur Wahrnehmung des Selbst. Dadurch wird der Körper mitsamt den Bewusstseinszentren in ihm aktiviert, und wir lernen seine innere Struktur kennen. Das achtsame Wahrnehmen aktiviert den Energiekörper, beruhigt den Geist, reinigt den Körper von dem Gift negativer Gedanken und enthüllt dem Praktizierenden zudem die Feinheiten des Geistes.

Die achtsame Wahrnehmung des Körpers führt dazu, dass man die ständig im Körper stattfindenden Veränderungen wahrnimmt und sie schließlich auch versteht. Der Praktizierende begegnet dem Substantiellen, indem er seine Modifikationen erkennt und erkundet. Wenn man die chemischen Veränderungen im Körper wahrzunehmen beginnt, gelangt man unweigerlich zu der Erkenntnis, dass er nur vorübergehend existiert. Und genau darum geht es, wenn vom Vergänglichen und vom Unvergänglichen die Rede ist. Man nimmt alle physiologischen Vorgänge und die Gefühle von Freud und Leid, die sie hervorrufen, mit entspanntem Geist wahr und erkennt den Unterschied zwischen Körper und Seele.

Wenn wir unsere Bewusstseinszentren im Körper wahrnehmen, sind wir auf dem Weg, Meisterschaft über sie zu erlangen. Unsere Energie setzen wir nun ein, um die chemischen Prozesse im Körper zu erzeugen, die zur Steuerung ihrer Aktivität erforderlich sind.

Als nächstes können wir die stets in Körper, Geist und Atem stattfindenden Vibrationen wahrnehmen. Verstärkt werden sie durch subtiles Prana, vermindert durch Zurückhalten des Stromes der Lebensenergie mit Hilfe von Gegenschwingungen (Bhavanas).

In der Wahrnehmungsmeditation wird beides angewandt, Autosuggestion durch Gedanken und Gedankenleere:

  • Die klare Zielgerichtetheit von Autosuggestionen in der Anupreksha für die Charakterbildung
  • Der Zustand der Gedankenleere im Kayotsarga zur Entspannung von Körper und Geist

Veränderung der Atemfrequenz und der Atemvibrationen bewirken eine spirituelle Revolution in uns. Dadurch legen wir den Grundstein für die Neugestaltung unserer zwischenmenschlichen Beziehungen.

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