Geheimnisse des Geistes ► 22 ► Verheißungsvolles Strömen der Energie (2)

Verfasst: 28.10.2012

Vorstellungsvermögen ist eine Kraft des Geistes, die uns große Dinge vollbringen lässt. Bei der Meditation kann sie uns allerdings daran hindern, den Geist zu leeren. Doch der gedankenentleerte und der vorstellende Geist müssen nicht im Gegensatz zueinander stehen. Mithilfe des Vorstellungsvermögens können wir eine klare Vorstellung davon gewinnen, was wir verwirklichen möchten.

Ein derartiges Ideal kann ein Arhat sein. Ein Arhat ist eine erleuchtete Seele, die ihre 5 inneren Feinde erkannt und bezwungen hat. Man stellt sich den Arhat vor und konzentriert sich auf ihn, bevor man mit der Meditation beginnt. Der Arhat ist in der Meditation das Medium, mit dessen Hilfe man seine Persönlichkeit transformieren kann.

Auch Willenskraft ist eine Stärke des Geistes. Mit ihrer Unterstützung wird man in der Kontemplation eins mit seinem Ziel. Mithilfe der Willenskraft werden die für die Transformation der Persönlichkeit erforderlichen Schwingungen im Geist generiert.

Manchmal hören wir davon, dass sich das Göttliche diesem oder jenem offenbart hat. Wie kann das sein? Wer eine klare Vorstellung von Mahavira entwickelt, wird zu Mahavira. Eine Offenbarung wird durch die Vorstellung geprägt, die wir in unserem Geist entwickeln. Das Göttliche, das wir wahrnehmen, ist das Göttliche, dem wir in unserem Geist eine Form gegeben haben. Offenbarungen sind durch Willenskraft erzeugte Schwingungen des Göttlichen in unserem Geist.

Außer Vorstellungsvermögen und Willenskraft brauchen wir auch die Fähigkeit zur Konzentration. Wir müssen unsere gesamte Energie darauf verwenden, den Geist nur in eine, die angestrebte Richtung zu konzentrieren. Mentale Vorgänge ohne Richtung entfernen uns von unserem Ziel, nicht nur in der spirituellen Praxis. Nur wenn wir den Geist auf unser Ziel gerichtet halten, können wir ihm näher kommen und schließlich eins mit ihr werden. Wer durch die Büsche streift, gelangt höchstens über Umwege ans Ziel. Wir müssen den geraden Weg nehmen, der uns durch die Kombination von Vorstellungsvermögen, Willenskraft und Konzentrationsfähigkeit in die Selbst-Versunkenheit führt, d.h., in die Tiefe des Selbst, der Seele. Je unruhiger man ist, desto weiter entfernt man sich von ihr. Je ruhiger und gerichteter der Geist ist, desto näher kommen wir ihr.

Erkenntnis kann man auf zwei Arten erlangen: durch Erwerb von Wissen und durch Meditation. Meditation bringt immer Erkenntnis, aber nicht jede Erkenntnis ist Meditation.

Auf dem Weg zu seiner Seele stößt man oft auf Hindernisse. Das geschieht immer dann, wenn der Geist von Ereignissen der Außenwelt angezogen wird. Man verliert sein Ziel aus den Augen, kann sich nicht konzentrieren oder die nötige Willenskraft aufbringen. Gelingt es einem, sich dann wieder in sein Inneres zu vertiefen, kommt man seiner Seele immer näher, bis man schließlich eins mit ihr wird. Dieser Vorgang transformiert nachhaltig die Persönlichkeit.

Das empirische Selbst, das Ego, verschwindet, und das wahre Selbst realisiert sich. Damit hört die Dualität zwischen dem Meditierenden und seiner Seele auf. Wer diesen Zustand erreicht hat, ist am Ziel, in ihm hat sich ein Bewusstsein von der Gleichwertigkeit allen Geschehens in seinem Leben manifestiert.

Preksha Meditation ist eine erprobte Methode zur Erreichung dieses Ziels. Wir nehmen zuerst den Körper mit all seinen Bestandteilen wahr, vertiefen uns in seine Wahrnehmung buchstäblich bis auf die Knochen und vollziehen seinen Aufbau von innen über Fleisch, Blut, Sehnen und Muskeln bis zur Oberfläche der Haut nach. Man mag sich fragen, wozu das gut sein soll, wenn es um Verwirklichung des Selbst und demzufolge Bewusstwerdung geht. Die Wahrnehmung des Körpers ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Realisierung des Selbst, denn die Seele ist mit ihm auf das engste verbunden.

Einst lud ein Krokodil einen Affen ein, ihn auf seinem Rücken zu einer herrlichen Insel in der Mitte des Sees zu bringen, an den der Affe zum Trinken gekommen war. Als es mit dem Affen auf dem Rücken weit hinausgeschwommen war, sagte das Krokodil: „Ich möchte gern dein Herz fressen!“ Der Affe erwiderte: „Oh, das habe ich leider am Ufer vergessen!“

In der spirituellen Praxis ist es wie mit dem Herz des Affen. Die Seele [Jiva] bleibt mit dem grobstofflichen Körper verbunden, solange man lebt. Deshalb beginnen wir die Reise zu ihr mit seiner Wahrnehmung. Als nächstes nehmen wir den feinstofflichen Körper [Lichtkörper] wahr und dringen dann zum Karmakörper vor, der die Seele seit undenklichen Zeiten begleitet.

Der feinstoffliche Körper ist Bestandteil einer subtilen Welt, die alle uns bekannten grobstofflichen Welten umfasst. Sind wir beim Karmakörper angelangt, können wir das fundamentale Bewusstsein der Seele wahrnehmen und sind am Ziel.

 

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