Geheimnisse des Geistes ► 27 ► Das verborgene Leben der Seele (2)

Verfasst: 06.11.2012

Doch sollten wir nicht erwarten, dass die durch äußere Einwirkung auf den Geist erzeugten künstlichen Modifikationen damit aufhören, dass  wir zu meditieren beginnen. Denn auch während der Meditation durchlaufen wir die unterschiedlichsten Prozesse.

Meditation versetzt den Körper in einen Zustand ähnlich seinem Ruhezustand. Während der Meditation ist die Säurebildung im Körper sogar geringer als im Ruhezustand. Sowohl während der Meditation, als auch im Ruhezustand wird im Körper weniger Säure als im Wachzustand gebildet. So wird der Säuregehalt des Körpers in ein gesundes Gleichgewicht gebracht. Eine zwanzigminütige Meditation vermindert die Säurebildung im Körper ebenso wie acht Stunden Schlaf. Die mentalen Prozesse kommen während der Meditation, ja selbst im Zustand von Vitaraga und Keval Gyan nicht zum Erliegen.

Gautama fragte Bhagvan Mahavira: „Kann man im Zustand der Allwissenheit seine Hand zweimal auf denselben Gegenstand legen?“ Mahavira antwortete: „Nein, das geht nicht. Alle Körper unterliegen Veränderungen. Jeder Allwissende hat einen Körper, und kann seine Hand nicht zweimal auf den gleichen Punkt im Raum setzen, denn einmal besetzte Punkte im Raum können kein zweites Mal eingenommen werden.“

Auch wer Allwissenheit erlangt hat, ist noch nicht über die physikalischen und mentalen Prozesse hinausgelangt.

Daher kann man selbst in einer zweistündigen Meditationssitzung nicht über diese Prozesse hinausgelangen. Erst nach Erreichen der 14. Stufe der spirituellen Entwicklung (Sailesi) kann der Bereich der mentalen und physikalischen Prozesse überschritten werden. Diese Stufe allerdings liegt direkt vor der Emanzipation, der Befreiung von den karmischen Bindungen.  In diesem Stadium ist die Seele in einem Zustand der Bewegungslosigkeit und wird frei von allen künstlichen Modifikationen. Das ist das Ideal unserer Pilgerschaft. Erst wenn wir die mentalen und physikalischen Prozesse auch nur für einen winzigen Moment anhalten können, gelangen wir über sie hinaus. Wir leben im Gravitationsfeld der Erde, wenn wir auch nur für einen winzigen Moment die Schwerelosigkeit erleben, fängt das Leben für uns neu an.

Wir haben entweder positive oder negative oder gar keine Gedanken. Ebenso handeln wir positiv oder negativ oder gar nicht. Gedanken sind mentale Prozesse. Als Prozesse sind sie nicht voneinander verschieden, denn sie bestehen aus Schwingungen. Physikalische Objekte haben für uns Farbe, Form, Klang, etc., nicht aber für den Wissenschaftler. Für ihn ist die Welt eine Abfolge von Prozessen, die sich aus Energie und Zeit zusammensetzt. Energie ist die Substanz, aus der das gesamte Universum besteht. Daher ist die Bewertung, dass wir positive oder negative Gedanken haben, ein Prozess, der aus dem Zusammenwirken von Energie und Zeit entsteht. Wenn wir uns das Ziel setzen, auf eine über die mentalen und physikalischen Prozesse hinausreichende Ebene zu gelangen, müssen wir uns vor den Einwirkungen negativer Prozesse schützen und dann mit den positiven Prozessen gleiten. Folgen wir den negativen Prozessen, bringt uns das von dem Ziel ab, unsere Aktivitäten zum Erliegen zu bringen. 

Leshya Meditation ist die einfachste Methode, den positiven Strömungen zu folgen. Ohne sie ist es sehr schwierig, die Gedanken in die richtige Richtung zu bringen. Soziale Beziehungen sind eine Brutstätte für viel Negatives, denn sie zwingen uns zu reagieren. Wir können den Impuls zur Reaktion nur schwer loswerden, ohne über die glückverheißenden Farben zu meditieren. Es gibt drei Dharma Leshyas:

  • Tejo Leshya - Rot 
  • Padma Leshya - Gelb 
  • Shukla  Leshya - Weiß 

Wir können unser Wesen durch eine Meditation über diese drei Farben verändern. Mit der Veränderung unseres Wesens verändern sich wiederum die Farben. Die Außenwelt beeinflusst die Innenwelt und umgekehrt.

Gedanken entstehen auf der Grundlage innerer Tendenzen, die durch Vibrationen in der Atmosphäre ausgelöst werden. Materiepartikel (Pudgala) gelangen in unseren Geist und produzieren Gedanken. Eine beliebige, zufällige Ansammlung von Personen setzt sich aller Wahrscheinlichkeit nach aus positiv und negativ orientierten Menschen zusammen. Die Gedankenvibrationen der positiv orientierten Menschen breiten sich ebenso wie die Gedanken der negativ orientierten in der Atmosphäre aus. Die Materiepartikel entstehen durch die vom Geist in die Atmosphäre gesandten Schwingungen. Diese wiederum treffen auf den Geist anderer Menschen und beeinflussen ihn. Deshalb heißt es im Acarang Sutra, dass man sich nur mit positiv orientierten Menschen umgeben, negativ orientierte Menschen aber meiden sollte. 

Zur Ausschaltung negativer Gedanken eignet sich die Leshya Meditation sehr gut.  Leshya Meditation über rote oder gelbe Farbe wirkt auf den Geist und verhindert die Entstehung negativer Gedanken. Leshya Meditation über die weiße Farbe schützt den Geist vor dem Eindringen negativer Gedanken von außen. Leshya Meditation ist eine Schwingung des Geistes, die ihn entspannt.

Wahrnehmungsmeditation auf den Atem bezogen, befähigt uns dazu, diesen beeinflussen zu können. Auf den Körper bezogen, können wir seine Vibrationen wahrnehmen und erkennen, dass sie vergehen. Diese Empfindungen bringen uns zur Kontemplation (Anupreksha) über die vergängliche Natur der Welt. Dann kann die Suche nach dem Unvergänglichen beginnen. Sie führt uns zur nächsten Ebene der Wahrnehmungsmeditation, dem Wahrnehmen der Zentren des Bewusstseins im Körper, was eine wahre Quelle der Erleuchtung ist.

Die transzendentale Seele manifestiert sich unserem Körper in zwei Zentren, im Gehirn und in den Bewusstseinszentren des Körpers. Durch sie schickt die Seele ihr Licht in die Außenwelt. Wer über die Bewusstseinszentren meditiert, begegnet seiner Seele. Selbst wenn diese Begegnung nur einen Moment dauert, und die Wahrnehmung nur wie ein kurzer Lichtblitz ist, führt diese Erfahrung direkt zum Ziel. Durch Kontemplation können wir die wahre Natur der Dinge erkennen. Falsche Wahrnehmung verhindert den Durchblick und führt geradewegs in die Unwissenheit, und der es zu eigen ist, immer weiter zu wachsen. Durch Kontemplation können wir der Ignoranz zu Leibe rücken.

Es gibt 5 Methoden, die zum transzendentalen Zustand der Beruhigung führen:

  1. Wahrnehmung des Atems
  2. Wahrnehmung des Körpers
  3. Kontemplation (Anupreksha)
  4. Farbmeditation (Leshya Meditation)
  5. Kayotsarga (Verlassen des Körpers)

Das sind die 5 Grundlagen der Preksha Meditation. Um sie in die Tat umzusetzen, braucht man Disziplin, Ausdauer und Durchhaltevermögen.

Mit der Wahrnehmung des Atems bemerkt man, dass sich der Körper leichter anfühlt. Mit fortschreitender Meditationspraxis wirkt sich das auf immer mehr Bereiche aus. Die Duftausstrahlung des Körpers verändert sich. Nicht umsonst heißt es von Menschen, die sich nicht gut verstehen, dass sie sich nicht riechen können. Auch der Geschmack im Mund und die Zusammensetzung der Körperflüssigkeiten verändern sich.

Kayotsarga hebt alle physikalischen und mentalen Prozesse auf eine höhere Wahrnehmungsebene, was sich auch auf negative Gedanken auswirkt.

Es liegt nun an uns, ob wir das Hin- und Hergeworfensein im Ozean empirischer Erfahrungen durch transzendentale Ruhe ersetzen möchten.

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