Geheimnisse des Geistes ► Einleitung

Verfasst: 28.08.2012

Die Sadhaks kommen mit leeren Händen zu den Camps und kehren mit vollen Händen zurück. Ebenso können wir sagen, dass sie mit vollen Händen kommen und mit leeren zurückkehren. Beide Aussagen sind korrekt. Sie kommen zu den Camps oder zu einer Meditationssitzung, weil sie sich all dessen entledigen wollen, was losgelassen werden muss, damit man seine spirituelle Stärke realisieren kann. Spirituelle Anstrengung entlastet den Geist und aktiviert das Energiepotential. Man muss sich des Ungesunden entledigen und sich das Gesunde bewahren.

Zu Beginn eines Preksha Meditationscamps oder auch einer Meditationssitzung macht man sich bewusst, was man im Begriff ist zu tun. Am besten spricht man die folgenden Leitlinien laut vor sich hin:

  1. Ich möchte Preksha Meditation praktizieren. 
  2. Ich gehe den Weg der Preksha Meditation als spirituelle Sadhana.
  3. Ich akzeptiere die aus spirituellen Erfahrungen gewonnenen Erkenntnisse.
  4. Ich integriere die sich aus diesem Weg entwickelnden Werte und Einsichten in mein Leben.

Die fünf Grundsätze der Preksha Meditation

Die folgenden fünf Grundsätze geben jedem, der Preksha Meditation praktizieren möchte, eine gute Orientierung Bhavakriya, die psychische Entsprechung materieller Handlungen, ist der Anfang der wahrnehmenden Meditation. Bhavakriya ist der erste Grundsatz der Preksha Meditation und bedeutet:

  1. In der Gegenwart leben
  2. Dinge aufmerksam tun
  3. Permanente Selbstbeobachtung

Nur zu 10% leben wir in der Gegenwart, zu 90% befassen wir uns mit Ereignissen aus der Vergangenheit oder mit dem Planen der Zukunft. Die Vergangenheit ist nicht mehr relevant, sie existiert nur in der Erinnerung. Die Zukunft ist noch nicht relevant, sie existiert nur in der Vorstellung. Allein die Gegenwart ist real. Doch wir verbringen sehr wenig Zeit damit, in der Gegenwart zu leben. Meistens verwickeln wir uns in Erinnerungen aus der Vergangenheit oder malen uns die Zukunft aus mit dem Ergebnis, dass wir die Gegenwart nicht mehr im Griff haben. Wir können es nicht lassen. Tatsache ist jedoch, dass alles, was im Leben geschieht, nur in der Gegenwart geschieht. Doch wir sind in dieser Hinsicht nicht wachsam. Bhavakriya bedeutet Leben in der Gegenwart.

Alles, was wir tun, sollten wir wachsam tun. Wir sind häufig mit unseren Gedanken nur halb bei der Sache und erledigen die Dinge deshalb nie restlos. Auf diese Weise verlieren wir viel Energie. Halbherzig verrichtete Dinge zeigen keine handfesten Ergebnisse. Wir sollten theoretisch und praktisch ganz bei der Sache sein, wenn wir etwas tun. Während wir mit etwas beschäftigt sind, sollten Körper und Geist zusammenarbeiten.

Bhavakriya bedeutet auch, ständig aufmerksam zu bleiben. Wir müssen uns immer des Ideals bewusst bleiben, das wir erreichen wollen. Reinheit des Herzens ist die Grundlage der Meditation, die es darauf anlegt, die in uns schlafende Energie zu wecken. Dessen sollten wir uns immer bewusst ein.

Der zweite wichtige Grundsatz der Preksha Meditation ist aktiv zu bleiben. Meistens reagieren wir, anstatt zu agieren, die meisten Handlungen sind Reaktionen. Nehmen wir das Tragen von Kleidern beispielsweise. Wir bekleiden uns als Reaktion auf die Kälte oder um unsere Blöße zu bedecken. Essen ist eine Reaktion auf den Hunger. Essen, Trinken, Kleidung sind keine Willensakte, sondern Reaktionen. Doch wir brauchen eher ein handlungsreiches, als ein reaktionsreiches Leben. Jeder Mensch hat sein eigenes freies, unabhängiges Leben. Dieses freie Leben kann nur mit freiwilligen Handlungen und Willensakten aufrecht erhalten werden. Ein lediglich aus Reaktionen bestehendes Leben ist weder frei, noch bedeutungsvoll, es verleugnet die Freiheit. Wir sollten frei und bewusst sein und nicht wie reagierende Spielzeuge. Aktion, nicht Reaktion, ist das Schlüsselwort der Sadhana.

Freundlichkeit ist der dritte Grundsatz der wahrnehmenden Meditation. Freundlichkeit sollte der bestimmende Aspekt in Benehmen und Auftreten des Aspiranten gegenüber allen Lebewesen sein. Selbst wenn ihn eine Schlange beisst, sollte er sich ihr gegenüber freundlich verhalten und verstehen, dass sie ihn aus Unwissenheit gebissen hat. Das kann man nur, wenn man achtsam handelt und nicht reagiert. Mitgefühl gegenüber allen Lebewesen ist die vollendete Freundlichkeit. Die 'Auge um Auge, Zahn um Zahn' Philosophie ist inkompatibel zu Freundlichkeit. Nur wer sich seiner Freiheit als Grundlage der Existenz bewusst ist, kann das Reagieren vermeiden und aus freiem Willen handeln.

Zurückhaltung beim Essen und Trinken ist der vierte Grundsatz der Preksha Meditation. Die Nahrung beeinflusst nicht nur die körperliche Gesundheit, sondern wirkt auch auf den Geist, die Meditation und das Bewusstsein. Das meiste, was wir essen, ist unnötig. Unsere Ernährungsgewohnheiten werden von sozialen und geographischen Bedingungen, Traditionen und Gewohnheiten geprägt. Wenn wir zuviel, bzw. mehr als nötig essen,  verliert unser Körper seine Form, und wir bekommen zudem Verdauungsbeschwerden. Das meiste verdirbt, produziert giftige Abfallstoffe in den Eingeweiden und hat einen nachteiligen Einfluss auf unseren Geist und unsere Gedanken. Wenn unser Nervensystem nicht im Gleichgewicht ist, können wir unser Energiepotential nicht steigern. Die Reflektion des Bewusstseins wird durch Blockaden in den Eingeweiden und im Nervensystem behindert, und das Licht des Bewusstseins bleibt im Körper verborgen. Wer eine Vorliebe für Delikatessen entwickelt hat, wird Gaumenfreuden immer als die höchsten Freuden empfinden. Wer seinen Geist wenig belasten und die in sich schlafende Energie aktivieren möchte, um seine Ziele im Leben unter Aufbietung aller Kräfte verwirklichen zu können, wird nie unbedacht essen und besonders darauf achten, was er zu sich nimmt. Erleuchtete Menschen essen, um ihren Körper zu ernähren und nicht wegen der Gaumenfreuden.

Der Sadhak bewegt sich auf diesem Pfad, weil er sein Energiepotenzial aktivieren möchte, damit er das Angestrebte zustande bringen kann. Deshalb muss er wissen, welche Auswirkungen die aufgenommene Nahrung auf ihn hat.

Der fünfte Grundsatz der wahrnehmenden Meditation ist es, wenig zu sprechen, bzw. zu schweigen. Sprechen ist ein sozialer Akt, Sprache ist das Mittel der sozialen Kommunikation. Doch Sadhana ist etwas Individuelles, man braucht nur wenig zu sprechen. Das heisst nicht, dass man gar nicht mehr sprechen soll, sondern dass man vermeiden sollte zu sprechen, wenn es nicht nötig ist. Das bedeutet, dass man sich während der Sadhana darüber bewusst ist, dass man Geheimnisse kommuniziert, wenn man spricht. Deshalb sollte man leise und sanft sprechen, so wie man jemandem etwas ins Ohr flüstert.

Leben und Wirken Mahaviras gibt ein Beispiel dafür, was hier angesprochen wird. Er sprach sehr wenig, weshalb er sich für seine Handlungen ein gewaltiges Energiepotential bewahren konnte. Manche Menschen legen Schweigegelübde ab, doch wenn die Gedanken in ihnen aufsteigen, sind sie nicht in der Lage diese zu meistern und schreiben sie seitenweise nieder oder versuchen sich durch Gesten verständlich zu machen. So vergeuden sie ihre durch Schweigen gewonnene Energie mit Kommunikation.

Klarheit über das, was man erreichen möchte

Bevor man mit der Sadhana beginnt, sollte man sich darüber Klarheit verschaffen, was man erreichen möchte. Der erste Schritt der Sadhana ist die Reinigung des Geistes. Der Geist nimmt durch Leidenschaften, Vorlieben und Abneigungen eine Färbung an, die seinen ursprünglichen, reinen Zustand verunreinigt. Der Strom der Erkenntnis kann in einem verunreinigten Geist nicht ungehindert fliessen. Sobald er gereinigt ist, lüftet sich der die Erkenntnisfähigkeit behindernde Vorhang und das Selbst ist in der Lage, mit dem Geist zu schauen. Wir erleben einen Zustand der Gelassenheit, empfinden tiefe innere Freude und sind voller Freundlichkeit.

Kontemplation

Bevor wir mit der Meditation beginnen, sollten wir Kontemplation praktizieren. Kontemplation wirkt wie ein Schutzschild sowohl vor inneren, als auch vor äußeren Störungen. Wir können diesen Schutzschild durch Rezitieren des Arham Mantras errichten. Während der Rezitation stellen wir uns vor, dass sich Schimmer von Licht über uns ausbreiten, die immer stärker werden und sich zu einem Schild aus Licht um uns herum verdichten.

Hier noch einmal alle wichtigen Voraussetzungen für die Preksha Meditation im Überblick:

  1. Die fünf Grundsätze der Preksha Meditation
  2. Klarheit über das, was man erreichen möchte
  3. Kontemplation
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