Keine Gewalt gegen Mensch, Tier und Pflanze ► Worte Mahaviras ► Wie eine Palmnuß, die vom Stengel fällt,...

Verfasst: 15.04.2015

so wird man zunichte, wenn das Leben am Ende ist.

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Acharya Muni Kunthusagar spricht nach seiner einzigen täglichen Mahlzeit, die üblicherweise zwischen neun und zehn Uhr morgens eingenommen wird, über das Vergängliche im Dasein der Menschen: »Wie eine Palmnuß, die vom Stengel fallt, so wird man zunichte, wenn das Leben am Ende ist.«

Auch der Hinduismus kennt nackte Asketen, doch sie sind nicht in Orden zusammengefaßt und unterliegen keinen festen Regeln. Man erkennt sie an ihren aufgesteckten Haarschöpfen und Körperbemalungen sowie an ihrer Vorliebe für Dinge wie Halsketten und anderen Körperschmuck. Jaina-Mönche aller Glaubensrichtungen hingegen tragen keinerlei Schmuck und keine Farbmarkierungen am Körper. Man kennt auch keine Standesmerkmale. So unterscheidet sich der oben abgebildete Mönch trotz seiner hohen Stellung - Acharya ist der höchste Rang, den ein Muni in der letzten Phase der gegenwärtigen Halbzeitperiode erreichen kann - durch nichts von seinen untergebenen Mönchen.

Griechen, die unter Alexander dem Großen 327 v. Chr. in Indien einfielen, waren es, die als erste Europäer von Begegnungen mit nackten Mönchen berichteten. Sie nannten sie Gymnosophisten (= nackte Philosophen). Alexander soll mit einem nackten Philosophen Streitgespräche geführt haben.

Unter den verschiedenen islamischen Herrschern in Indien waren die nackten Jaina-Mönche Beschränkungen und gelegentlich auch Verfolgungen ausgesetzt. Die Engländer ließen sie gewähren, zumindest außerhalb ihrer Enklaven. Die in der Einleitung erwähnten Acharyas Shantisagara und Samatbhadra begannen ihre fruchtbare Arbeit auf den Gebieten des Schulwesens und der Glaubensverkündigung unter der britischen Kolonialherrschaft.

 

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MAHAVIRA

22

Erwachet recht! Warum erwacht ihr nicht? Ist man erst dahin, so ist das Erwachen wahrlich schwer. Die Tage kehren nicht» wieder, nicht leicht erlangt man wieder ein Leben als Mensch.

Sehet, junge und alte Menschen, ja selbst ungeborene, fahren dahin. Wie der Habicht das Rebhuhn packt und zerreißt, so wird man zunichte, wenn das Leben zu Ende ist.

Durch das Bleiben bei Vater und Mutter ist man verloren, und ist man dahin, so findet man nicht leicht eine gute Form des Daseins. Im Hinblick auf diese Schwierigkeiten soll ein Getreuer aufhören mit schädigender Handlung. Wenn nämlich in der Welt die einzelnen Wesen durch schädliches Tun zugrunde gehen, so sinken sie hinab infolge von dem, was sie selbst vormals getan; sie kommen von ihm nicht los, ohne seine Wirkung selbst gespürt zu haben.

Alle Menschen müssen im Laufe der Zeit leiden, was sie durch ihr eigenes Begehren und unter fremden Einfluß sich bereitet haben. Wie eine Palmnuß, die vom Stengel fällt, so wird man zunichte, wenn das Leben zu Ende ist.
Auch wenn einer hochgelehrt ist oder fromm, ein Brahmane oder ein Mönch, so wird er, betört von Dingen, die allseitiger Trug ihm hat entstehen lassen, von der Wirkung seiner um ihretwillen begangenen Taten grausam gezwickt.

23

O Mensch, laß ab von schlimmem Tun! Der Menschen Leben ist vergänglich. Die Leute, die hienieden in der Tiefe haften, von ihren Wünschen betört und daher ungezügelt, geraten in dauernde Verblendung.

Sei bedachtsam auf der Wanderung in dem Gebrauch deiner Gliedmaßen! Man kommt schlecht vorwärts auf Wegen, die von winzigen Tieren wimmeln. Man soll sich auf den Weg begeben entsprechend der Unterweisung, welche die Helden trefflich verkündet haben.

Entsagt haben die Helden, als sie sich aufgemacht, vernichtet haben sie Leidenschaft, Furcht und andere Fehler; in keinem Falle töten sie Wesen, entsagt haben sie dem Übel und sind wunschlos.

»Nicht ich allein muß vergehen, sondern alle Wesen in der Welt müssen vergehen«: in diesem Gedanken soll doch der Einsichtige, fertig und ruhevoll, wenn er von Anfechtungen angerührt wird, sie ertragen. Zur Vermeidung des Verletzens von Wesen soll er gelangen.

Wie ein Vogel, der mit Staub bestreut ist, sich schüttelt und das weiße Mehl abwirft, so tilgt ein Frommer, der sich kasteit, die Wirkung früherer Taten, da er kräftiges Fasten anwendet.

Die einen durch dies, die anderen durch jenes betört, geraten die Leute in dauernde Verblendung. Durch üble Dinge anderes Übles anzugreifen gezwungen, sind sie dann wieder stolz auf ihr schlimmes Tun.

Deshalb gib acht und sei klug, vom Bösen ablassend und wunschlos. Der Tüchtige folgt getreulich dem hohen Wege, dem Pfade zur Vollendung, dem richtigen und sicheren.

24

Wenn du jede Frau, die du anblickst, begehrst, wirst du wie ein Hatha-Rohr im Winde sein.

25

Wenn einer zum Empfang seines Gastes rüstet, mästet er einen jungen Widder, gibt ihm Reis und fetten Fraß und hütet ihn in seinem Hof.

Wenn er dann herangewachsen und groß, dick und vollwänstig, fett und schwergewichtig geworden ist, kommt er dem Gast gerade recht.

Solange der Gast auf sich warten läßt, ist dem armen Tier das Leben verlängert; sobald aber der Gast erscheint, wird es geschlachtet und verzehrt.

Wie dieser Widder nur gemästet wurde, um einen guten Bissen für den Gast abzugeben, wo wird der unbelehrbare Sünder in diesem Leben für die Hölle aufgespart.

Der uneinsichtige Mensch tötet, lügt, raubt auf den Straßen, stiehlt seines Nächsten Eigentum, betrügt, hält immer nach einem Ausschau, den er ausbeuten könne, der Schuft.

Ihn verlangt nach Frauen und ihren verborgenen Reizen, er unternimmt Geschäfte und Handelsreisen, betrinkt und überfrißt sich, wird ein Fettwanst oder ein Bezwinger von Feinden.

Nachdem er sich auf weichen Sitzen und in Federbetten ergötzt, Gespanne, Reichtümer und Vergnügen genossen und seinen so hart erworbenen Reichtum vergeudet hat, wird den Sünder unter der Bürde des Karman, seiner Schuld, in der Todesstunde das traurige Los des Widders ereilen.

Da stürzt der Prasser, der lebende Wesen getötet hat, am Ende des Lebens von seiner Höhe in die Welt der Asuras, den dunklen Ort hinab (Asuras = Götter der indischen Unterwelt).

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