12.10.2007 ►Ladnun ►Besuch bei den Mumukshus

Verfasst: 12.10.2007
Aktualisiert: 07.12.2012

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Ladnun, 12.10.2007

An dem Deutschkurs nehmen auch 7 Mumukshus (Novizinnen) mit großem Enthusiasmus und Erfolg teil, Kirti, Shikha, Shweta, Nikita, Alpa, Meena, Sheetal. Sie luden mich zum Mittagessen in ihre Institution ein, die den schönen Namen „Parmarthik Shikshan Samstha“ trägt (PSS, sinngemäß: Institution in der gelehrt wird, wie man den Weg der Befreiung geht). Als wir gegen 11:20 ankamen, aß ein großer Teil der Mumukshus schon zu Mittag. Die letzte der 3 Mahlzeiten des Tages wird gegen 16:30 eingenommen, nach Sonnenuntergang und vor Sonnenaufgang wird auch kein Wasser getrunken. Der Tag meines Besuches war der erste Tag des hinduistischen Navrata Festivals, das 9 Tage dauert. Die Mumukshus begehen dieses überall in Indien als Durga Puja gefeierte Fest auf ihre Weise, indem sie spirituelle Kontemplationen praktizieren, Japas rezitieren und sich kleine Fasten auferlegen, indem sie vor 12:30 keine Mahlzeit zu sich nehmen, was Kirti, Shikha und Nikita gerade praktizierten. In diesem Jahr ist Kirti „Chefin“ der Mumukshus, letztes Jahr war es Nikita.

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Mumukshus im kleinen Speisesaal

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Mumukshus im kleinen Speisesaal

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Samani Malli Pragya, Direktorin des Parmarthik Shikshan Samstha, PSS.

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Shikha, Nikita, Samani Malli Pragya, Kirti

Zuerst brachten mich Shikha, Nikita und Kirti zu ihrer Direktorin, Samani Malli Pragya. Wir kennen uns seit mehreren Jahren, und Samani Malli Pragya ist nun im zweiten Jahr mit der Leitung der Institution beauftragt. Viele Leitungsposten werden nach dem Rotationsprinzip besetzt. Auch die Gruppen der Mumukshus und die Zimmer, in denen sie in Fünfergruppen wohnen, werden alle sechs Monate neu bestimmt. Bei den Mumukshus ist noch nicht klar, ob sie als Sadhvi (benutzt keine Verkehrsmittel und nimmt kein extra für sie zubereitetes Essen an) oder Samani ordiniert werden. Das und den Zeitpunkt ihrer Initiation entscheidet der Acharya. Er weist ihnen und allen anderen Mitgliedern des Ordens ihre Aufgaben zu.

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Kirti, Shikha, Nikita in der Bücherei

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„Kofferraum“ der Mumukshus

Kirti, Shikha und Nikita begannen den Rundgang in der Bücherei, die ca. 12 000 Bücher umfasst. Das gesamte Katalogisierungs- und Verwaltungssystem der Ausleihe haben die Mumukshus selbst erstellt. Hier findet man Bücher aus verschiedenen Bereichen in unterschiedlichen Sprachen, unter anderem auch die klassischen Schriften des indischen Altertums.

Neben den beiden Räumen der Bibliothek ist der sogenannte Kofferraum, in dem Koffer und andere, nicht täglich benötigte Sachen der Mumukshus gelagert werden. Wenn die Mumukshus auf Reisen gehen, holen sie hier ihre Koffer ab. Darin ist Platz für Gewänder und Wäsche zum Wechseln und Bücher. Die vorgegebenen Maße für die Koffer werden von allen eingehalten. Der Lagerraum ist immer verschlossen. Den Schlüssel hat die Mumukshu-Gruppe, die gerade für seinen ordnungsgemäßen Zustand verantwortlich ist.

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Waschdienst

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Gespräch auf dem Flur

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Die Köchinnen

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An der Mahlmaschine

Alle Hausarbeiten, mit Ausnahme des Kochens und Getreidemahlens, werden von wechselnden Mumukshu-Gruppen ausgeführt. Sie fegen die Gänge und Zimmer, was besonders im Sommer sehr zeitaufwendig ist (bis zu sechsmal täglich), da der Wind ständig den Wüstensand in die Häuser weht. Zudem halten sie die sanitären Anlagen sauber, servieren das Essen und spülen das Geschirr.

Viele Mumukshus haben eine qualifizierte Berufsausbildung wie Zahnärztin oder Software-Ingenieurin abgeschlossen, bevor ihre Eltern die Zustimmung der Familie zu der Wahl des Lebensweges ihrer Tochter gegeben haben. Ohne die Zustimmung der Familie, die bei der Ordination öffentlich wiederholt werden muss, wird niemand ordiniert.

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Samani Kavya Pragya

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Mumukshu arbeitet am Computer

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Mumukshus bei der Anfertigung des Mundschutzes

Samani Malli Pragya, die Direktorin, bewohnt mit ihrer vierköpfigen Samani-Gruppe einen ebensolchen Raum wie die Novizinnen und schläft wie sie auf dem Steinfussboden mit einem zusammengefalteten Karton als Unterlage. Die vier Samanis in Samani Malli Pragyas Gruppe unterstützen sie nach Kräften. Als wir zu ihrem Zimmer kamen, arbeitete Samani Kavya Pragyas gerade Bücher für ihr Studium der Philosophie und vergleichenden Religionswissenschaften durch. Die anderen Samanis der Gruppe waren anderweitig beschäftigt.

Im nächsten Raum arbeitete eine Mumukshu gerade am Computer, einen Raum weiter wurde gerade der Mundschutz für die Mönche und Nonnen hergestellt. Nasse Baumwollstreifen werden übereinander gelegt und getrocknet. Nach dem Trocknen werden sie mehrmals mit einem von den Mumukshus selbst hergestellten Leim eingestrichen und getrocknet. Zum Schluss werden sie von den Mumukshus mit weißer Farbe bemalt.

Inzwischen war es Zeit für das köstliche Mittagessen, das ich am Tisch einnehmen konnte. Anschließend boten die Mumukshus mir einen frisch von Hand gepressten Orangensaft an. Köstlich!

 

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Der Medizinschrank

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Von den Mumukshus nach dem Ayurveda hergestellte Pulver

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Karuna probiert (bitteres!) Pulver aus den Blättern des Schirmbaumes für die Zähne

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Die Blätter dieses Baumes wurden zu Pulver zerrieben

Die im Medizinschrank gelagerten Pulver sind zum größten Teil von den Mumukshus nach den Anleitungen des Ayurveda hergestellt worden. Mumukshu Shweta (l) war gerade für Ordnung und Verfügbarkeit der Medizin verantwortlich. Neben den Gruppenaufgaben trägt auch jede Mumukshu individuell die Verantwortung für eine speziell ihr zugewiesene Aufgabe.

Ich nahm die Einladung gern an, das Pulver aus den Blättern des Schirmbaumes zur Zahnpflege auszuprobieren. Es schmeckte zwar bitter, wirkte aber sehr gut.

 

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Mineralisierende Wasserpumpe

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Mr. Sohanraj Tater (r)

Zum Schluss wurde mir die mineralisierende Wasserpumpe gezeigt, die auf dem neuesten Stand der Technik arbeitet. Sie wurde auf Initiative von Sohanraj Tater installiert wurde. Sohanraj Tater ist als Ingenieur Wasseraufbereitungsspezialist und trägt zudem als Laie die administrative und inhaltliche Verantwortung für das PSS. Er hat gerade seine Doktorarbeit vollendet, an der er vier Jahre lang zum Thema „Der Zusammenhang zwischen der Jain Theorie vom Karma und der genetischen Wissenschaft“ gearbeitet hat. Sohanraj Tater hat vor einigen Jahren Haus und Familie in Jodhpur verlassen und widmet sein Leben seitdem der Realisierung seiner spirituellen Aufgaben. Sein Tag beginnt morgens um 04:00 und endet um 23:00. Zur Zeit ist er auch persönlicher Berater der Rektorin der Universität, um nur die wichtigsten seiner vielen Aufgaben zu nennen.

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