--.05.2002 ►Gujarat Riots & Ahimsa Yatra ►4000 km zu Fuß unterwegs für die Gewaltlosigkeit

Verfasst: 01.06.2002
Aktualisiert: 02.07.2015

Acharya Mahaprajna begann seinen 4000 km langen Fußmarsch für den Frieden [Ahimsa Yatra] im Dezember des Jahres 2001 im Alter von 82 Jahren zu Ehren des 2600. Jahrestages der Geburt Lord Mahaviras, des 24. Tirthankara, um in breiten Bevölkerungsschichten ein Bewusstsein für den Geist der Gewaltlosigkeit und dessen ethische Werte zu wecken. Dieser Fussmarsch mit grossem Gefolge führt durch vier Bundesstaaten der indischen Union [Madhya Pradesh, Maharashtra, Gujarat, Rajasthan] und es brauchte seine entschlossene Zielgerichtetheit und seinen außerordentlichen Mut, um dieses Vorhaben zu realisieren.

Jain Svetambara Terapanth Mönche sind Wandermönche. Sie benutzen keine Verkehrsmittel und bewegen sich immer nur zu Fuß vorwärts. Pro Tag werden so Entfernungen zwischen 7 bis 20 km zurückgelegt, je nach Wetter und Alter. Sehr alte Mönche werden in Rollstuhl-ähnlichen Wägelchen geschoben. So auch inzwischen Acharya Mahaprajna. [Editors]

Es begann am 5. Dezember in Rajasthan bei Null Grad Celsius. In Gujarat, das [seit Ende Februar 2002] von einer Welle der Gewalt überrollt wurde, herrschten bei seiner Ankunft [Mai 2002] Temperaturen um die 45 Grad Celsius und die Kommunen brannten. Es herrschten bürgerkriegsähnliche Zustände zwischen Muslims und Hindus!

Niemand würde das Wunder der Wandlung geglaubt haben, hätte er es nicht selbst erlebt Und auch heute noch wird nach Gründen für die Veränderung des Szenarios in Gujarat gesucht.

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Im Bahnhof Godhra wurden Menschen bei lebendigem Leibe verbrannt und im Tempel Akshardam wurden viele erschossen. Es gab Tausende von Toten. Die Verängstigten und Obdachlosen suchten Schutz in Flüchtlingscamps und die Wirtschaft brach zusammen. In aller Welt wurden diese Taten verurteilt. Der indische Premierminister fragte sich öffentlich, wie er angesichts solcher Ereignisse der Welt noch sein Gesicht zeigen könne.

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Jetzt, nur wenige Monate später, nahm die überraschte Welt nach den Ereignissen von Akshardam und Godhra die nun plötzlich eingetretene Friedensbereitschaft und gegenseitige Toleranz zur Kenntnis. Der Staat war immer noch in den Händen derselben Politiker und Polizisten, hatte dieselbe Bevölkerung, und dennoch zeigten sich wesentliche Unterschiede im Tagesgeschehen: Keine Verluste mehr an Leben, keine finanziellen und wirtschaftlichen Verluste, keine traumatisierten Flüchtlinge mehr.

Woher diese Verhaltensänderung nur sechs Monate nach Ausbruch der Gewalttätigkeiten?

An dieser wundersamen Wende der Ereignisse hatte der Ahimsa Yatra von Acharyashree beträchtlichen Anteil. Manche können es immer noch nicht glauben, andere fragen, über welche göttlichen Kräfte Acharyashree wohl verfügen mag.

Acharya Mahaprajna, Philosoph und spiritueller Seher, kennt die Wahrheit über den Ursprung der Kriege. Seiner Auffassung nach entsteht die Gewalt zuerst im Kopf. Durch richtige Meditationstechnik kann eine Änderung der Geisteshaltung erfolgen, worauf er in seiner Yatra hinweisen möchte. Acharyashree besuchte im Verlauf dieser Yatra viele Dörfer und Städte, um mit den Menschen in der Tiefe ihres Herzens zu kommunizieren. Vielleicht können wir einen Eindruck davon nach den Ereignissen von Akshardam gewinnen.

Gewöhnlich klafft zwischen Gedanken und ihrer praktischen Umsetzung ein Abgrund, der jedoch durch ethische Werte sehr wohl überbrückt werden kann. Acharyashree setzt sich deshalb mit seiner Yatra für die Werte Frieden und Ahimsa ein.

Der jungen Generation heute fällt es schwer zu glauben, dass der zerbrechlich wirkende, mit einem dhoti bekleidete Mahatma Gandhi ein ganzes Bataillon ohne eine einzige Waffe in Schach halten konnte. Heute, nach 50 Jahren, fällt es wieder schwer zu glauben, dass ein Gandhi-ähnlicher Mann die entfesselten Massen in Gujarat beschwichtigen konnte, als dort der gewalttätige Religionskonflikt ausbrach.

Im Mai 2002 führte Acharya Mahaprajna seine wenigen hundert Anhänger, Mönche und Nonnen, von Rajasthan nach Gujarat. Unzählige seiner Anhänger und Schüler flehten den grossen Mönch an, das von Gewalt beherrschte Gebiet nicht zu betreten. Acharyashree amüsierte sich darüber. Er sagte: „Nur ein furchtloser Mensch kann von Ahimsa (Gewaltlosigkeit) sprechen. Wenn die Anhänger der Ahimsa sich fürchten, was geschieht dann mit dem Durchschnittsmenschen? Ich werde nach Gujarat gehen, weil Ahimsa dort dringend benötigt wird.“

Er blieb zwei Monate in Ahmedabad/Gujarat. Doch die Menschen in Gujarat waren immer noch beunruhigt über die unsichere Lage und hatten Angst. Sie waren in zwei Gruppen gespalten und kennzeichneten ihre Häuser entweder mit „786“ oder einem Om-Zeichen als religiösen Symbolen der Zuflucht und des Schutzes.

Kommunale Einheit war kein Thema in diesen Zeiten des Hasses. Doch Acharya Mahaprajna ließ sich dadurch nicht davon abhalten, in Siddhpur/Gujarat das erste und in der Geschäftsmetropole Unjha ein weiteres Seminar zu veranstalten. Sobald der Yatra Ahmedabad erreichte, wurde eine kommunale Konferenz zur Erhaltung des Friedens und der Einheit von Dr. Roop Kumar Agarwal, Gründer des Chandermani Krankenhauses, organisiert. Die Botschaft des Friedens wurde nicht nur durch die Anwesenheit des Acharya Mahaprajnas selbst, sondern auch durch sein furchtloses und klares Eintreten für menschliche Werte ausgestrahlt.

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Dann begann die Zeit grosser Verwirrung in den Medien. Der Jagannath Rath Yatra der Hindus sollte ausgesetzt werden. Würde das zu einem Ausbruch von Gewalt führen? Sollte der Rath Yatra wirklich ausgesetzt werden? Acharya Mahaprajna stellte klar, dass diese Prozession seit 112 Jahren jedes Jahr stattgefunden habe, sie in diesem Jahr auszusetzen, würde die Menschen negativ beeinflussen, weshalb er die Durchführung der Prozession befürworte. Er war so einfach und klar, dass die Prozession daraufhin die volle Unterstützung der muslimischen Gemeinde fand. Nach diesem Erfolg fingen die Menschen in Gujarat an, ihn einen „Boten des Friedens und der Menschlichkeit, den zweiten Gandhi von Gujarat“ zu nennen.

Der indische Präsident, Dr. A.P.J. Abdul Kalam, war von diesen Bemühungen Acharyashrees so bewegt und inspiriert, dass er sich über das Protokoll hinwegsetzte und ihn spontan aufsuchte. Ebenso reisten der zweite Mann im Staat, Lal Krishna Advani, und die Vorsitzende der Kongresspartei, Sonia Gandhi, und der oberste der RSS, Sh. K.C. Sudarshan, nach Gujarat, um Acharyashree zu treffen und die Übernahme der Ahimsa in die nationale Politik mit ihm zu diskutieren.

Ahimsa ist für den großen Visionär Mahaprajnaji keine bloße Floskel, sondern eine grosse Mission. Er errang durch die entschiedene Ablehnung eines Kommisionsvorschlages zur Eröffnung von 4000 neuen Schlachthäusern in Indien einen großen Erfolg.

Die ganze Welt, nicht nur unsere Gesellschaft, sollte auf seinen Beitrag zur Humanität stolz sein. Wir übermitteln der Ahimsa Yatra, die ins dritte Jahr geht, unsere herzlichsten Glückwünsche.

Als die Ahimsa Yatra Bombay erreicht hatte, traf der Präsident Indiens, Dr. Abdul Kalam, Acharya Mahaprajna zweimal während seines zweitägigen Aufenthaltes dort, um seinen Rat in nationalen und internationalen Angelegenheiten einzuholen.

Am 13. und 14. Oktober 2003 fand in Surat / Gujarat die Konferenz „Die Einheit des Geistes“ unter dem Vorsitz Acharyashree Mahaprajnajis und Dr. Abdul Kalams statt, an dem fünfzehn spirituelle und religiöse Führer teilnahmen. Die in dieser Konferenz beschlossenen Maßnahmen und Projekte sind am 15. Oktober 2003 in der ‚Spirituellen Deklaration von Surat’ niedergeschrieben und von den Teilnehmern unterzeichnet worden.

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Quelle/Info

Muni Lok Prakash [Lokesh Muni]
Übersetzung: HN4U