Gewaltlos leben durch Vegetarismus

Verfasst: 29.04.2006

 

http://de.herenow4u.net/fileadmin/cms/Glossar/Individuen/Pramoda_Chitrabhanu/Pramoda_Chitrabhanu.jpgFrüher oder später werden wir im Leben mit der Frage konfrontiert, “Was ist der Sinn unserer Existenz?"

Zweifellos gibt es viele Antworten auf diese Frage, doch diese hier berührt mein Herz: "Versuche frei von Schmerz und Unglück zu leben und hilf anderen Lebewesen dabei, das gleiche zu tun."

Ich möchte diesen Vortrag[1] mit dem folgenden Zitat beginnen, das sehr gut zum Thema "Gewaltlos leben durch Vegetarismus" paßt:

“Unbeachtet leiden Sie, ungehört verhallen ihre Schreie.
Im Todeskampf verharren sie, bis sie schweigend sterben.
Bedeuten sie, die so vergehen, dir gar nichts?"

Anonym

Diese Zeilen drücken den Schmerz und das Leid aus, denen die Tiere ausgesetzt sind, die für die Gier des Menschen ausgebeutet und gefoltert werden.

Es ist ein Jammer, diese wehrlosen Wesen so grausamer Qual ausgesetzt zu sehen. Allein der Gedanke daran lässt einen das Herz bluten. Wie können wir Menschen ungerührt zusehen, wenn es unseren jüngeren Brüdern und Schwestern so schrecklich ergeht. Ist es nicht unsere Pflicht ihnen zu helfen, sie zu beschützen? Doch wie schwer ist es, dem Menschen das vorzuhalten: "Der Mensch ist ein Schauspieler. Er spielt alle Arten von Menschen, und jede ist eine Lüge. Nur das Tier in ihm ist wahr," sagte William Saroyan. Wahrscheinlich hat er Recht damit, denn die Bestialität des Menschen hat diese gewalttätige und zerstörerische Welt geschaffen, in der wir heute leben.

Es gibt viel Leid hinter der Bühne dieser Welt, das ist ein wohlbewahrtes Geheimnis. Wenn wir wüssten, wie das Fleisch in die Regale gelangt, würde es sich jeder bestimmt zweimal überlegen, bevor er es in den Mund nimmt. "Hätten die Schlachthäuser Wände aus Glas, würde niemand mehr Fleisch essen," sagte ein Tierschützer einmal.

Wie lange wollen wir noch vorgeben, Tiere hätten keine Seele und fühlten keine Schmerzen? Es ist an der Zeit, dass wir aus unserem Schlummer und unserer Unwissenheit erwachen und die Wahrheit erkennen. Tiere sind Lebewesen wie du und ich, und so wie wir leiden und Schmerzen empfinden, tun sie das auch. Hören wir auf, ihnen Gewalt anzutun. Gewalt zeugt Gewalt, Liebe zeugt Liebe.

Zuerst einmal sollten wir Tiere als Lebewesen betrachten und nicht als Dinge, die zum Gebrauch und für den Konsum des Menschen da sind. Sie sind Leben voller Emotionen und Gefühle, die Freud und Leid wie wir erleben.

Dr. Albert Schweitzer, Friedensnobelpreisträger 1952, sagt in seinem Buch “Platz für Offenbarung”: “Wo auch immer du Leben siehst -- betrachte es wie deines. Was ist diese Anerkennung, dieses Wissen, das den Gelehrten und das Kind gleichermaßen ergreift? Es ist die Ehrfurcht vor dem Leben, die Ehrfurcht für dieses undurchdringliche Mysterium in unserem Universum, eine Existenz, die sich in der äußeren Erscheinung von uns unterscheidet, doch innerlich ist wie wir. Schrecklich ähnlich, ehrfurchtgebietend verbunden. Verschiedenheit, ja Fremdheit zwischen uns und den anderen Geschöpfen gibt es hier nicht mehr. Ehrfurcht vor der Unendlichkeit des Lebens bedeutet, die Fremdheit aufgeben und die gemeinsamen Erfahrungen sowie Mitgefühl und Sympathie wiederherstellen.”

Lernen wir die Tiere als unseres gleichen zu sehen, nehmen wir sie anders wahr und entwickeln mehr Mitgefühl für sie. Sobald ein derartiges Verständnis in uns erwacht ist, ändern wir unsere Ernährungsgewohnheiten. Man achtet darauf, was man in den Körper aufnimmt, in dem die Seele wohnt. Denn wir wissen, du bist, was du isst. Was wir essen, spiegelt sich in unserem Denken, und unser Denken spiegelt sich in unseren Taten. Wenn wir einen gesunden Körper wollen, sollten wir ihn mit gesunder und bekömmlicher Nahrung versorgen, rein und unverdorben, ohne von Blut.beeinträchtigt zu sein. Wenn wir einen gesunden Geist wollen, sollten wir ihn mit inspirierenden positiven Gedanken versorgen.

Häufig ist man sich der Tatsache nicht bewusst, dass man mit dem Protein auch die Chemikalien aufnimmt, die den Tieren zur Mästung und Abwehr gegen Infektionen injiziert werden. Ausserdem wird häufig vergessen, dass sich im Fleisch die negativen Emotionen ablagern, die bei Schmerzen, Angstzuständen und Unterdrückung entstehen und in jede Zelle des menschlichen Körpers Eingang finden, wo sie Schmerz, Angst und Gefühle des Unterdrücktseins generieren. Fleisch enthält keine wichtigen Nährstoffe, die nicht von Pflanzen geliefert werden. Wenn Getreide durch Vieh aufgenommen wird, gehen dabei 90% Proteine, 96% Kalorien, 99% Kohlehydrate und 100% Ballaststoffe verloren.

Wie kann man auf ein Leben in geistiger Gesundheit, Freude und guten Gefühlen hoffen, wenn negative Schwingungen mit Chemikalien vermischt im Körper tätig sind? Sie sind die Hauptursachen für fatale Ausfälle von Körper und Geist. Aus diesem Grund leiden so viele Menschen an emotionalen, psychologischen und physischen Beschwerden. Fleischorientierte Ernährung ist Ursache vieler Krebsarten wie Dickdarm-, Brust-, Gebärmutterhals-, Gebärmutter-, Eierstock-, Prostata- und Lungenkrebs.

Statistisch sind von zwei Millionen Amerikanern, die jährlich sterben, 68% Opfer der drei großen chronischen Erkrankungen, die durch Ernährung hervorgerufen werden: Herzleiden, Krebs und Schlaganfall. Eier, Fleisch, Geflügel, Fisch und Meeresfrüchte wurden besonders genannt in diesem Zusammenhang. Wenn dem Körper reine, natürliche und wohltuende Nahrung zugeführt wird, die ein Miniimum an Gewalt, Umweltschäden und ökologischem Ungleichgewicht hervorruft, erzeugt sie Harmonie in ihm Körper und seiner Umgebung.

Es ist gut die Statistiken zu kennen. Man braucht 273 Liter Wasser für die Erzeugung von 450 Gramm Weizen (oder 1228,5 Tassen Wasser); 1136,5 Liter Wasser für die Erzeugung von 450 Gramm Reis und ungefähr 9092 bis 27.276 Liter Wasser für die Erzeugung von 450 Gramm Fleisch. Eine Hühnerfarm verbraucht täglich 454 Millionen Liter Wasser – genug um den Wasserbedarf von 25.000 Menschen zu decken. Der Viehbestand verbraucht 80% des Weltwasserverbrauchs. Ein Liter sind 4 ½ Tassen Flüssigkeit. Wir verursachen die Verknappung der Rohstoffquellen in dieser Welt.

Methan aus Rindergülle beschleunigt die globale Erwärmung und die trägt zur Ausdünnung der Ozonschicht bei. PETA s (People for the Ethical Treatment of Animal, deutsch in etwa: Menschen für ethisches Verhalten zu Tieren) Forschungen zeigen, dass in den USA jährlich 26 Milliarden Tiere für die Herstellug von Nahrungsmitteln getötet werden, davon 9 Milliarden Landtiere und 17 Milliarden Meerestiere. So wird der Mensch zu einer schrecklichen Bedrohung für sich und den ganzen Planeten., wenn er an Gewaltausübung in einem derartigen Umfang beteiligt ist.

Die Petroleumreserven des ganzen Planeten wären in 13 Jahren verbraucht, wenn überall in der Welt die technischen Verfahren angewandt würden, mit denen in den USA Lebensmittel auf der Grundlage von Fleisch hergestellt werden.

Bäume werden in alarmierendem Umfang für die Fleischproduktion gerodet. Allein in den USA könnten 200 Millonen Äcker wieder aufgeforstet werden, wenn die Menschen ihre Ernährungsgewohnheiten umstellen würden.

Wird jemand zum Vegetarier, rettet er in seinem Leben 2400 Tiere, die ihm und Mutter Erde zum Segen werden.

Viele Menschen werden sich heute allmählich des Missbrauchs der Tiere und der Umweltverschmutzung bewusst und werden Vegetarier. Seien es religiöse, ethische, ökologische oder gesundheitliche Gründe, was auch immer der Grund ist, die Bewusstheit nimmt Tag für Tag zu, und die Menschen beginnen damit, ihre Vorstellungen und Konditionierungen zu hinterfragen. Wenn man vegetarische Ernährung für einige Monate ausprobiert, kann man selbst herausfinden, wie sich Körper und Geist verändern.

Schauen wir uns nun an, was Vegetarismus in der heutigen Welt bedeutet.

Der Begriff Vegetarier kommt von dem lateinischen Wort vegetus,das lebendig, frisch, gesund, ganz bedeutet. Demnach ist Vegetarier, wer kein Fleisch, keinen Fisch, kein Geflügelund keine Eier isst. Es gibt auch jene, die sich als Vegetarier betrachten, obwohl sie Eier essen. Vegetarier können in drei Kategorien eingeteilt werden:

  1. Lacto-Ovo-Vegetarier: Nehmen Milch, Milchprodukte und Eier zu sich.
  2. Lacto-Vegetarier: Nehmen Milch und Milchprodukte, aber keine Eier zu sich.
  3. Veganer: Nehmen keine tierischen Produkte wie Milch, Käse, Joghurt, Butter oder Eier (manche auch keinen Honig) zu sich.

Ein Vegetarier nimmt Getreide, Gemüse, Bohnen, Nüsse, Keime, Gemüse und Obst zu sich, die gute Lieferanten für Proteine, Vitamine, Mineralien und andere Nährstoffe sind.

Anfangs haben wir uns mit den ethischen, ökologischen und gesundheitlichen Gesichtspunkten des Vegetarismus beschäftigt. Nun befassen wir uns mit dem philosophischen Aspekt.

Seit undenklichen Zeiten haben Studien der Schriften und Forschungen ergeben, dass eines allen Lebewesen gemeinsam ist, das ist der Wunsch zu leben und glücklich zu sein und nicht vor der Zeit sterben zu müssen und zu leiden. Doch der Mensch vergisst das über seinem Streben nach Vergnügen und Glück und geht so weit, alles und jeden für seine Gier auszubeuten. Für sein Verlangen übt er Gewalt aus durch Jagen, Töten und Einsperren der frei sich bewegenden Geschöpfe und setzt sich über ihr Recht auf ein glückliches Leben hinweg. Auf diese Weise misshandelt er nicht nur diese Lebewesen, sondern auch sich selbst. Er vergisst, dass auch er Teil des Planeten ist und sich nicht aus dem universalen Gesetz der Schwingungen des Lebendigen ausschliessen kann, das da lautet: was du von dir gibst, kommt zu dir zurück.

Um jemanden töten zu können, muss man innerlich abgestumpft sein, bevor man das Leben nehmen kann. Wenn man hartherzig handelt, tilgt man allmählich die Güte des Selbst und erreicht einen Punkt des Hasses, der jeden einschliesst, auch das Selbst. Wenn man keine Ehrfurcht vor dem eigenen Selbst hat, wie kann man dann Ehrfurcht vor anderen Lebewesen haben? Auf diese Weise setzt sich der Akt der Brutalität fort und der Teufelskreis aus Hass und Gewalt besteht weiter.

Man kann nicht aufhören daran zu denken, dass der Geschmack des Fleisches mit soviel Schmerz und Qual für ein Leben verbunden ist! Ein Leben, das nicht einfach in einem Labor geschaffen werden kann! Ein sehr kostbares Leben mit einem starken Lebenswillen. Einem Leben, das Zeit braucht, sein eigenes Schicksal auf der Erde zu entwickeln, wird für einen Tod vor der Zeit der natürliche Ausdruck dieses Lebens in diesem Zyklus unterbrochen. Der Philosoph Plutarch sagt: “Doch für einen Bissen Fleisch entziehen wir einer Seele Leben und Zeit, die es geboren wurde, sich des Lebens zu freuen.”

Sehr oft fragen die Menschen: “Aber warum Pflanzen statt der Tiere töten?” Der Jainismus beantwortet diese Frage genau. In der Jain Philosophie wird alles Leben in fünf Kategorien eingeteilt: einsinnige (mit einem Sinn ausgestattet), zweisinnige, dreisinnige, viersinnige und fünfsinnnige Wesen haben den Empfindungs-, Geschmacks-, Geruchs-, Seh- und Hörsinn. Gemüse ist einsinnig, nur mit dem Empfindungssinn ausgestattet, Tiere hingegen sind fünfsinnige Wesen, sie haben alle fünf Sinne. Je höher das Leben entwickelt ist, desto stärker das Schmerzempfinden. Das Leben muss einen mühsamen und anstrengenden Prozess durchlaufen, um sich von einem einsinnigen zu einem fünfsinnigen Wesen zu entwickeln. Wird ein Tier geschlachtet, wird der aus Leiden und Schmerz hervorgegangene evolutionäre Prozess dieses Lebens, völlig zunichte gemacht. Das Pflanzenreich hat noch kein 'Blutbewusstsein' wie Tiere und Menschen. Deshalb ist das Schmerzempfinden weniger ausgeprägt. Wo es Blut gibt, sind mehr Empfindungen, mehr Emotionen und stärker ausgeprägtes Schmerzempfinden.

In diesem Zusammenhang möchte ich Roshi Philip Kapleau zitieren: “Fleischesser sagen oft, wenn man Gemüse isst, nimmt man auch Leben. Was also ist der Unterschied, ob man einem Schwein beispielsweise oder Gemüse das Leben nimmt? Jeder Unterschied, den es in der Welt geben kann. Schreit eine Kartoffel, wenn sie aus der Erde gebuddelt wird, so wie es ein Kalb tut, das man von seiner Mutter trennt? Schreit eine Selleriestange vor Schmerzen wie ein Schwein, das zur Schlachtbank geführt und dem die Kehle durchgeschnitten wird? Wie traurig, einsam und erschreckt kann sich ein Salatkopf fühlen? Wir brauchen keinen Poygraphen, der uns zeigt, dass Pflanzen eine Art Bewusstsein haben, doch dieses Bewusstsein ist offensichtlich rudimentär, sehr unterschiedlich zu dem der Säugetiere, die ein entwickeltes Nervensystem haben.”

Nathaniel Altman sagte: “Ein Vegetarier isst weniger Pflanzen als ein Fleischesser, weil das Tier, das er verspeist, mit Tonnen von Pflanzen ernährt wurde, damit es sein Schlachtgewicht erreicht."

Es ist eine Tatsache, dass der gegenwärtige Stand unserer Evolution uns dazu auffordert, dass wir uns für unser aller Überleben von Pflanzen ernähren. Bis wir einen Weg finden, unsere Ernährung aus dem Sonnenlicht herzustellen, müssen wir uns an das Pflanzenreich halten, womit wir empfindenden Wesen das geringste Leid zufügen.

Vor 2600 lehrte Lord Mahavira, der letze Prophet des Jainismus, bereits Gewaltlosigkeit und Mitgefühl, wobei er hervorhob, dass die unser Handeln bestimmenden Gedanken das Produkt der Nahrung sind, die wir zu uns nehmen. Die das System unterhaltende Nahrung hat erwiesenermassen physischen, emotionalen, psychischen und spirituellen Einfluss auf die Person. Gesunde und reine Nahrung unterstützt gesunde und reine Gedanken. Wenn erst die Gedanken harmlos und gesund sind, spiegeln die Taten die gleichen Qualitäten wider. Charakterschwäche entwickelt sich vornehmlich in denen, die auch andere gesundheitliche Probleme haben.

Die Wissenschaft hat kürzlich herausgefunden, dass Charakter und Persönlichkeit Eigenschaften sind, die aus der Arbeit im Inneren des Körpers entstehen und unseren Erfolg oder Misserfolg im Leben beeinflussen. Die Persönlichkeit drückt sich durch den physischen Körper aus. Im Gesichtsausdruck und Lächeln manifestieren sich Freude und Mitgefühl und offenbaren die Persönlichkeit. Ohne einen gesunden Körper sind diese Manifestationen nicht möglich.

Folglich zeigen wir im gewaltlosen Leben durch Vegetarismus unsere Ehrfurcht für alles Leben, uns selbst eingeschlossen, vom kleinsten Wesen bis zum größten, vom niedrigsten bis zum höchsten Bewusstsein.

Diesen Vortrag möchte ich mit einem Friedensgebet schließen:

Verstecktes Leben, vibrierend in jedem Atom,
Verstecktes Licht, leuchtend in jedem Geschöpf,
Versteckte Liebe, umarmend alles in der Einheit,

Möge jeder von uns, der sich Eins mit Dir fühlt
Wissen, dass wir deshalb alle Eins sind.

 

Autor unbekannt

Fußnoten:
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