16.03.2004 ►6. Jaina Studies Workshop ►SOAS, London

Verfasst: 26.03.2004
Aktualisiert: 17.01.2013

London,

2004.03.16 SOAS 16. Jaina Studies Workshop 01

Am 16. März wurde anlässlich der vierten Jahresvorlesung über Jainismus das Zentrum für Jaina Studien am SOAS, London, in Anwesenheit Dr. Ulrich Pagels, Prof. J.C. Wrights und Dr. Peter Flügels eröffnet. London ist nicht zuletzt wegen der hier zahlreich vorhandenen Quellen zum Jainismus eine sehr gute Wahl für ein derartiges Institut, was das erste seiner Art außerhalb Indiens ist. Prof. Wright lieferte einen Überblick zur Geschichte der Jainastudien am SOAS. Er führte aus, dass ohne die kontinuierliche Tradition des Kopierens von Schriften durch Jaina Mönche die gegenwärtigen Jainismusstudien jeder Grundlage entbehren müssten.

Die Gemeinschaft der Jaina in England hat über zwanzig Jahre hinweg das Ziel nicht aus den Augen gelassen, einmal an der Eröffnung eines derartigen Institutes mitwirken zu können.

Anand Shah, Aufsichtsratsvorsitzender des renommierten ‘Jain Spirit’ Magazins, stiftete ein Stipendium von 5000 britischen Pfund dafür, was Prof. Klaus Bruhn aus Berlin einmal als auf beidem, Büchern und gelebter Praxis, basierende Forschung bezeichnet hatte.

Der vierte Jahresvortrag über Jainismus wurde von Prof. Nalini Balbir, Paris, (Foto rechts mit den Samanijis) über ‚Gedanken zu Bedeutung und Rolle des Svetambara Kanons in der Geschichte des Jainismus’ gehalten. Der Vortrag basiert auf spätmittelalterlichen und modernen Agamatexten. Prof. Balbir stellt fest, dass die Digambara Frauen keine Erlösungsfähigkeit zugestehen und bestreiten, dass die Kevali (Allwissenden) Essen zu sich nahmen, wohingegen die Svetambara bei dreizehn Texten die Urheberschaft der Allwissenden (autorisierte Schüler Mahaviras) bezweifeln. So stellt sich die Frage, welche Texte akzeptiert werden, fünfundvierzig oder dreizehn weniger.

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Weiter führte Prof. Nalini Balbir aus, dass die Agamas zwischen dem 17. und dem 19. Jahrhundert nicht gelesen, sondern angebetet worden sind, ihre Lektüre galt sogar als unglückbringend. 1884 erschien die erste Buchfassung der Texte, die gelesen und befolgt werden sollten. Ihrer Auffassung nach sind die Agamas keine monolithische Realität, sondern ein lebendiges Gebilde, ohne dass eine endgültige Fassung angestrebt wird.

Am nächsten Tag wurden neun Vorträge gehalten. Erik Seldeslachts, Gent, versuchte, ‚Verständnis der Jaina Geographie’ zu entwickeln, Julia Hegewald, Oxford, brachte den Zuhörern ‚Meru, Samavasarana und Simhasana: Periodische Wiederkehr der dreistufigen Strukturen in Jaina Kosmologie, Mythologie und Ritual’ nahe, wohingegen Hawon Ku Kim, Universität von Minnesota, sich nicht scheute, die Geldquellen aufzudecken (Opiumhandel!), aus denen die ‚Rekonstruktion von Identität: Die Jaina Pilgerstätten des 19. Jahrhunderts in Satrunjaya, Gujarat’ zu einem grossen Teil finanziert wurden. Peter Flügel, SOAS, veranlasste dazu, die nicht bilderverehrenden ‚Lonkagaccha wieder aufzusuchen’, wohingegen Jean-Pierre Osier, Paris, die ‚Bedeutung des Glaubens im letzten Moment bezüglich der Asadhara’s Sagaradharmamrta Viii’ herausarbeitete. Nach der Mittagspause gab es vier weitere Vorträge von Eva DeClerq, Gent, Christopher Chapple, Los Angeles, Sin Fujinaga, Myakonojo Miyazaki, und Devendra Kumar Jain, Mumbai.

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Dr. Atul Shah von ‘Jain Spirit’ schlug die Gründung eines wissenschaftlichen Online Magazins über Jainismus in nächster Zukunft vor.

Samani Pratibha Pragya erhielt das letzte Wort auf dieser Konferenz. Sie würdigte das Workshop als Begegnung des gelebten Jainismus in Form der anwesenden Jaina mit der Wissenschaft. Sie lud die Wissenschaftler und andere Interessierte zu intensiven Studien des Jainismus nach Jain Vishva Bharati Ladnun, Indien, ein und stellte die Aktivitäten JVB Londons einem größeren Publikum vor.

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