Karma: Der Mechanismus: Das Tattvarthasutra

Autor*in:  Image of Hermann KuhnHermann Kuhn
Veröffentlicht: 01.03.2014

Das Tattvarthasutra (wörtlich: 'Aphorismen, die den Sinn der Realität erläutern') ist ca. 1800 Jahre alt. Es wurde von dem indischen Weisen Umāsvāti im zweiten oder dritten Jahrhundert nach Christi Geburt geschrieben. Umasvati fasst dann das zu seiner Zeit bekannte Wissen der Jains in einem Werk zusammen.

Der Beginn des Jainismus wird oft mit dem Leben des Propheten Mahavir (599 bis 527 v. Chr.) gleichgesetzt, doch gilt als erwiesen, dass die Jains bereits in der Indus Valley Zivilisation existierten, der ältesten Hochkultur Asiens (ca. 3000 v. Chr.). Nach den Geschichtsdaten der Jains reicht der Ursprung des Wissens jedoch in noch ältere Zeiten zurück. Die Jains sehen das Tattvarthasutra als ihre zentrale Schrift an.

'Sutren' (kurze Merksätze) und deren Interpretation durch Kommentare entwickelten sich in Zeiten, in denen eine Aufzeichnung auf Papier oder andere Medien nicht existierte und Wissen mündlich von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Sutren sind daher knapp gefasst und halten sich an ein komplexes Regelwerk, das die Bedeutung eines Wortes beispielsweise schon durch seine Position festlegt. Damit Wissen in möglichst reiner Form erhalten blieb, hielten sich auch die Kommentatoren der Sutren an feste Regeln. Diese Methode funktionierte so perfekt, dass komplexe Informationen, deren Ursprung Tausende von Jahren zurückliegt, unsere Zeit nahezu vollständig intakt erreichten.

Einem im westlichen Kulturkreis aufgewachsenen Menschen mag die Wissensübermittlung in Form von Sutren anfangs oft fremdartig und ungewohnt erscheinen. Die komplexen Regeln und der formale Stil blockieren leicht den Zugang zu Werken dieser Art, - insbesondere wenn sie wörtlich und nahe am Originaltext übersetzt sind.

Das darin enthaltene Wissen ist jedoch hochaktuell, selbst wenn sein Ursprung in vorgeschichtlichen Zeiten liegt. Für die heutige Suche nach einem Sinn Jenseits der materiellen Übersättigung bietet das Tattvarthasutra den Schlüssel zu einer ungeahnten Ausdehnung des menschlichen Erfahrungsbereiches.

Um dieses Wissen einem breiteren Leserkreis zugänglich zu machen, wurde in der vorliegenden Übersetzung die rein technischen Teile des Kommentars so aufbereitet, dass sie den Zugang zum Werk nicht behindern. Der Sinngehalt wurde dabei so nahe am ursprünglichen Sanskrit-Text belassen, wie nur möglich.

Das gesamte Tattvarthasutra besteht aus drei inhaltlich deutlich voneinander abgegrenzten Teilen:

Kapitel 1 beschreibt die Methoden und Kanäle, über die wir Wissen erhalten - darunter auch die Funktion und Steuerung übersinnlicher Wahrnehmung und die Mechanismen, mit denen sich Wahrheit von Irrtum trennen lässt.

Kapitel 2 bis 5 definieren die Ebenen, auf denen sich Leben manifestieren kann. Sie gehen weiterhin auf Funktion und Aufgaben von Zeit, Raum, Materie und anderen Grundelementen dieser Welt ein.

Kapitel 6 bis 10 beschreiben die Ursachen der Blockaden und Beschränkungen unseres augenblicklichen Zustandes und gehen dann auf die Mechanismen ein, mit denen sich diese Ursachen beseitigen lassen. Das letzte Kapitel behandelt den Übergang in einen Zustand, in dem karmische Mechanismen den Menschen nicht mehr blockieren und er ungehinderten Zugang zu seinem gesamten Potential gewinnt.

Das vorliegende Buch enthält die Teile des Tattvarthasutra, die sich auf karmische Mechanismen beziehen und für den Menschen der heutigen Zeit relevant sind (Kapitel 6, 8 und einen Teil des Kapitels 9). Der begleitende moderne Kommentar basiert auf einem Kommentar (Sarvarthasiddhi), den der Inder Pujapada im siebten oder achten Jahrhundert nach Christi Geburt schrieb. Dabei wurde Wert darauf gelegt, den praktischen Aspekt des Tattvarthasutra - das Verstehen der eigenen Handlungsmechanismen und die Entfaltung potentieller Fähigkeiten - in anwendbarer Weise darzustellen.

Einen Einblick in die Größe des menschlichen Potentials und dessen Erforschung und Ausbildung bietet das erste Kapitel des Tattvarthasutra (erschienen bei Crosswind Publishing unter dem Titel DIE STRUKTUR DES WISSENS von Hermann Kuhn).

Um Text und Kommentar leichter lesbar zu machen, wurden bei der Transliteration der Sanskrit-Worte alle Akzente eliminiert. Mögen alle großen und kleinen Gelehrten mir diese Freiheit verzeihen; sie können sich bei Bedarf an den original Sanskrit Text halten, der am Anfang jeden Sutras aufgeführt ist.

Quellen

Titel: Karma: Der Mechanismus

Ausgabe: 1998

Verlag: Crosswind Publishing, 31505 Wunstorf

ISBN: 3-9806211-9-7

HN4U Online Edition: 2014

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