Weit hinaus denken und keine Angst haben

Verfasst: 29.04.2015
Aktualisiert: 30.04.2015

 

17.04.2015, Angelika Dobernig

 

„Keine Revolution, aber eine Evolution", wünscht sich Raj Sethia, Kärntner Unternehmensberater mit indischen Wurzeln, für Bildungssystem und Wirtschaft.

"Bildung und Politik haben das Potenzial, die Welt zu verändern", sagt Raj Sethia.

 

„Kärntner Wirtschaft":

Sie sind 40 Tage lang im Himalaya-Gebiet von einem Dorf zum nächsten marschiert. Was haben Sie dort gelernt?

Raj Sethia:

Ich habe damals für die Weltbank gearbeitet und die Menschen in den Dörfern gefragt, über welche Bildung sie verfügen. Sie haben gesagt: Wir wissen nichts. Aber ich habe gesehen, dass sie vieles wissen: über Heilmittel in der Natur, den Anbau von Getreide, über die Gezeiten. Weil sie nie in der Schule waren, dachten sie, nichts zu wissen. Aber was weiß schon jemand, der ein Studium abgeschlossen hat?

Brauchen wir also keine Schulen mehr?

Doch, natürlich. Aber die Frage ist, ob die Art, wie wir lernen, uns weiterbringt. Wir haben keine Verbindung zur Natur mehr – und keine Verbindung zur Wirtschaft.

Was müsste sich ändern?

Unser Bildungssystem redet über Noten, die Wirtschaft von Kernkompetenzen. Was fehlt, ist eine gemeinsame Sprache. Wir brauchen neue Perspektiven und lösungszentriertes Denken.

Welches Denken gibt es heute in den Schulen?

Es wird nur in Problemen gedacht: Beim Medizinstudium lernen die Leute alles über Krankheiten, aber nichts über Wohlbefinden. Beim Jura-Studium steht nicht Gerechtigkeit im Mittelpunkt, sondern Verbrechen und Strafen. Und das Problem ist, dass die Bildungsinstitutionen ganz wenig Bereitschaft zeigen, sich zu verändern.

Was müsste sich ändern?

Die Schulen müssen sich öffnen. Derzeit ist alles sehr ausgrenzend: Bildung findet in den vier Wänden eines Klassenzimmers statt. Alles, was außerhalb liegt, wird nicht reingeholt. Dabei wäre es so wichtig, Wirtschaft und Bildung miteinander zu verknüpfen. Bildung sollte ein Lernprozess sein, der uns beim Lösen unserer Zukunftsfragen hilft. Am besten wäre es, zwischen Bildung und Wirtschaft gar nicht zu unterscheiden.

Sie leben seit vier Jahren in Kärnten, nachdem sie in über 20 Ländern gearbeitet haben. Warum?

Ich fühle mich dem Land stark verbunden. Ich habe noch immer den Moment in Erinnerung, als ich das erste Mal am Wörthersee stand, das war großartig. Und ich sehe hier viel Potenzial.

Welches?

Bildung, Natur und ein gut entwickeltes System: Die Rahmenbedingungen stimmen. Und ich glaube, dass ich mein Wissen hier gut einbringen kann. Die große Frage, die wir uns stellen sollten, ist: Was muss getan werden, um das Land weiterzuentwickeln?

Haben Sie eine Antwort?

Vieles ist eine Frage der Perspektive. Wir dürfen nicht mit Scheuklappen durchs Leben gehen. Nur so sind Innovation und Kreativität möglich: Indem man das, was man jeden Tag sieht, neu wahrnimmt. Und es geht dabei nicht immer nur um Geld. Wohlfühlen, Frieden und Harmonie sind die wahren Werte.

Trifft das auch auf die Wirtschaft zu?

Gerade auf die Wirtschaft. Als Unternehmer müssen wir uns fragen: Reicht es wirklich, in Drei-Jahres-Plänen zu denken? Sollten wir nicht weiterdenken? Meine Überzeugung ist: Alles, was man tut, sollte erstens die Welt besser machen und zweitens so viele Menschen wie möglich erreichen.

Haben Sie einen Tipp für Unternehmer?

Man sollte weit hinaus denken und darf keine Angst haben. Risiko ist etwas Konkretes, das kann man verhindern. Aber Angst bremst uns. Sie bremst unsere Kompetenzen, verhindert Innovationen. Und meistens haben wir Angst vor dem, was wir nicht kennen. Aber wenn wir bereit sind, gemeinsam zu arbeiten, gibt es keinen Platz für Angst mehr.


Zur Person:

  • Dr. Raj Sethia wurde 1967 in Kalkutta, Indien, geboren. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.
  • Nach dem BWL-Studium machte er sich in Indien selbstständig: zuerst als Händler, dann als Produzent von Teilen für die Automobilindustrie.
  • Danach war er zehn Jahre lang leitender Berater bei der Weltbank in Bangladesh und Washington.
  • Er unterrichtete an der Universität Ohio und hielt Vorträge bei internationalen Konferenzen.
  • Seit vier Jahren lebt er als Untemehmensberater in Kärnten. Sein Schwerpunkt: Exportberatungen


 

Menschen - Die Marionetten der Wahrnehmung

Raj Sethia sprach am Dienstag, 21. April 2015, 18.30 Uhr im Festsaal der WK Kärnten, Klagenfurt:

Erstmals interaktiver Vortrag im Rahmen der Reihe „Chance, Reform und Horizont“, die von der Volkswirtschaftlichen Gesellschaft mit Unterstützung der BKS Bank organisiert wird.

In den letzten Jahren haben sich in der Wirtschaft und Gesellschaft viele Umbrüche ereignet. Die Wirtschafts- und Finanzkrise, die Übermacht der Finanzmärkte, das Scheitern politischer Institutionen haben großes Unbehagen hinsichtlich der Zukunft erzeugt. Gleichzeitig fehlen sowohl der Politik als auch den Bürgern die Ideen und Visionen für die Zukunft von Wirtschaft und Gesellschaft.

Genau da setzt Dr. Raj Sethia mit seinem interaktiven Vortrag Über „Menschen – Die Marionetten der Wahrnehmung“ an. Der Weltreisende wird die Zuhörer motivieren, ihre Einstellungen und inneren Überzeugungen zu verändern.

- www.meinbezirk.at/klagenfurt/wirtschaft/menschen-die-marionetten-der-wahrnehmung-d1311442.html

 

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