Die Mahavira-Legende ►§104

Verfasst: 26.03.2015
Aktualisiert: 29.03.2015

§104

Am ersten Tage feierten die Eltern des Asketen, des erhabenen Mahāvīra, das Geburtsfest, am dritten Tage vollzogen sie die Präsentation vor Mond und Sonne.

Die Präsentation des Neugeborenen vor den Gestirnen

Wenn zwei Tage nach der Geburt vergangen sind, soll der geistliche Lehrer des Hausherrn eine silberne Abbildung des Mondes auf einer Jinastatue befestigen, diese mit Hymnenstrophen verehren und aufstellen, wie es der Regel entspricht, dann soll er die gebadete, schön gekleidete und geschmückte Mutter mit dem Sohn bei Mondaufgang direkt vor den Mond (das Gesicht dem Mond zugewandt) führen und, indem er Mond-Mantras ausspricht, angefangen mit: » Ōṃ arhaṃ, der Mond bist du, der Bereiter der Nacht bist du, der Herr der Sterne bist du, der Bereiter des Nektars bist du, der Keim der Heilpflanzen bist du; das Wachstum dieser Familie wirk! wirk! wirk! svāhā«, soll er den Mond zeigen. Die Mutter mit dem Sohn verehrt den geistlichen Lehrer. Der geistliche Lehrer spendet den Segen, der lautet:

Dessen Reihen von Lichtstrahlen mit allen Heilpflanzen verbunden sind,
der tüchtig ist im Zurückziehen allen Unglücks,
der möge Wachstum bewirken im gesamten Geschlecht!
Immer sei euch der Mond gnädig!'

Ebenso geht auch das Zeigen der Sonne vor sich, nur ist die Abbildung der Sonne golden oder kupfern, und der Mantra ist: »Ōṃ arhaṃ, die Sonne bist du, der Tagmacher bist du, der Vertreiber der Dunkelheit bist du, der Tausendstrahlige bist du, das Auge der Welt bist du, sei gnädig!« Und der Segensspruch ist folgender:

'Der du von allen Göttern und Asuras zu verehren bist, der du alle niegetanen Taten tun läßt, werde dein Dreiweltauge zum Glücksspender für diese Mutter mit ihrem Sohn!'

So war die Regel der Präsentation vor Mond und Sonne; jetzt aber wird stattdessen dem Kind ein Spiegel gezeigt.

(Aus der Subodhikā; in Sanskrit).

Am sechsten Tage vollzogen sie den ihrer Lebensordnung gemäß vorgeschriebenen Ritus des Wachens. Als der elfte Tag vergangen war und die durch Unreinheit bedingten Pflichten der Geburtsriten abgeschlossen waren, ließen sie am zwölften Tage viele feste und flüssige, würzige und süße Speisen zubereiten und luden ihr Gefolge von Freunden, Blutsverwandten, Verschwägerten und Haushaltsangehörigen sowie die Nāyaka und Kṣatriya ein. Sodann nahmen sie ein Bad, führten Hausopfer, Segens- und Glückszeremonien durch, vollzogen Sühnung, legten festliche, feine Gewänder an und schmückten ihren Körper mit wenigen, sehr kostbaren Gehängen. Zur Essenszeit genossen sie im Speisepavillon auf bequemen Sitzen mit dem Gefolge von Freunden, Blutsverwandten, Verschwägerten und Haushaltsangehörigen sowie mit den Nāyaka und Kṣatriya die vielen festen und flüssigen, würzigen und süßen Speisen.

§105

Gespeist und gesättigt wieder zurückgekehrt, hatten sie  Wasser genippt, sich gesäubert und waren kultisch absolut rein geworden. Sie erwiesen dem Gefolge von Freunden, Blutsverwandten, Verschwägerten und Haushaltsangehörigen, sowie den Nāya und Kṣatriya Ehre und Hochschätzung durch üppigen Schmuck in Form von Blüten, Gewändern, Parfüms und Girlanden. Nach dieser Ehrung sprachen sie zu ihnen:

§106

»Schon damals, ihr Göttergeliebten, als dieser unser Sohn in den Mutterschoß herabgestiegen war, entstand uns dieser uns innerlich bewegende Gedanke: Seit dem Augenblick, daß dieser unser Sohn in den Mutterleib als Embryo herab-gestiegen ist, seitdem genau wachsen wir an ungemünztem Gold, wachsen wir an gemünztem Gold, an Geld, Getreide, Herrschaftsbereich und Herrschaftsmacht; es wachsen Heeresmacht, Fahrzeugbestand, Schatz und Schatzhaus, Stadt, Harem, das Volk und der Ruhm; auch wachsen wir in überreichem Maße an dem Entstehen freudiger Zuneigung, die mit Ehrerweisung gepaart ist. Und Nachbarkönige sind unter unsere Herrschaft gekommen.

§107

Darum werden wir, wenn dieser unser Sohn geboren sein wird, ihm den folgenden, diese besondere Eigenschaft beschreibenden, aus dieser Eigenschaft hergeleiteten Namen geben: Vardhamāna (der Wachsende).

Inzwischen hat sich jetzt unser Wunsch erfüllt. Also sei unser junger Prinz Vardhamāna genannt!«

Pflege des Säuglings

Der Asket, der erhabene Mahāvīra, wurde von fünf Ammen umsorgt: von einer Milchamme, einer Amme zum Säubern, einer Amme zum Schmücken, einer Amme zum Spielemachen, einer Schoßamme. Von Schoß zu Schoß gereicht, wuchs er auf dem entzückenden, mit Edelsteinen geschmückten Fußboden nach und nach heran.

(Aus der Einleitung des Bhāvanāḥ)

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