Die Mahavira-Legende ►§95

Verfasst: 26.03.2015
Aktualisiert: 28.03.2015

§95

Die Kṣatriyāṇi Triśalā badete, vollzog die Hausopfer, führte glückbringende und Sühnung bewirkende Riten durch und schmückte sich mit aller Pracht. Durch den Genuß aller dem Zeitpunkt (ihrer Schwangerschaft) angemessenen, wohltuenden, nicht zu kalten, nicht zu heißen, nicht zu bitteren, nicht zu scharfen, nicht zu sehr zusammenziehenden, nicht zu sauren, nicht zu süßen, nicht zu weichen, nicht zu groben, nicht zu feuchten, nicht zu trockenen Speisen (...) blieben ihr Krankheit, Kummer, Betörung, Angst und Erschöpfung fern. An passendem Ort und zur rechten Zeit nahm sie solche Nahrung zu sich, die für den Embryo gut, angemessen und heilsam war und ihn stärkte, auf stillen und angenehmen Sitzen und Lagern, an einem durch die Ruhe der Zurückgezogenheit für den inneren Sinn wohltuenden Aufenthaltsort. Sie, deren Schwangerschaftsgelüste von lobenswerter Art waren und voll befriedigt, hochgeachtet, nicht mißachtet, restlos gestillt und zum Ziel geführt wurden, - glücklich, in glücklicher Weise ruhte, lag, stand sie, ließ sich nieder und wendete sich auf ihrem Lager hin und her, und glücklich, in glücklicher Weise trug sie ihr werdendes Kind.

§96

In jener Zeit, in jenem Augenblick - der Asket, der erhabene Mahāvīra -, in der zweiten Hälfte des ersten Monats der heißen Jahreszeit, in der Zeit des zunehmenden Mondes des Mondmonats Caitra, am dreizehnten Tag dieser Zeit des zunehmenden Caitra-Mondes, als nach vollen neun Monaten siebeneinhalb Tage und Nächte vergangen waren, als die Planeten in Höchstposition waren, während der primären Mondkonjunktion, als die Himmelsrichtungen wolkenfrei, mondhell und völlig rein waren, als alle Omina auf Sieg hinwiesen, während wie bei einer Ehrenumrundung rechtsherum gerichtet ein angenehmer, sanft über den Boden streichender Wind wehte, in der Zeit, als das junge Grün aus der Erde sproß und alles Volk voll Freude und Übermut war, um die Mitternachtszeit, als der Mond in Konjunktion mit dem Nakṣatra Uttaraphalgunī eingetreten war, gebar sie, selbst gesund, einen gesunden Knaben.

§97

In der Nacht, als der Asket, der erhabene Mahāvīra, geboren wurde, war von vielen auf- und niederfliegenden Göttern und Göttinnen der nächtliche Himmel hell erleuchtet. In der Nacht, als der Asket, der erhabene Mahāvīra, geboren wurde, war von vielen auf- und niederfliegenden Göttern und Göttinnen himmlisches Licht. Ein einziges Aufleuchten war die Welt wegen des Zusammentreffens der Götter, voller Aufregung und Stimmengewirr.

§98

In der Nacht, als der Asket, der erhabene Mahāvīra, geboren wurde, ließen viele tiergestaltige Jṛmbhaka-Götter, die Befehlsempfänger des Vaiśravaṇa waren, auf den Palast des Königs Siddhārtha einen Regen von gemünztem Gold, von ungemünztem Gold, von Diamanten, einen Kleider- und einen Schmuckregen, einen Blätter-, einen Blüten-, einen Früchte- und einen Samenregen, einen Regen von Kränzen, einen Regen von Düften, von Salben, von Puder und einen Regen von Reichtümern regnen.

§99

Nachdem das bei der Geburt eines Tīrthaṃkara übliche Fest der Begießung von den Götterklassen der Bhavanapati, der Vyantara, Jyotiṣa und Vaimānika feierlich begangen worden war, ließ zur Zeit der Morgenröte der Kṣatriya Siddhārtha die Stadtwächter rufen und sprach sodann folgendermaßen:

§100

»Schnell jetzt, ihr Göttergeliebten! Macht die Gefängnisse in der Stadt Kuṇḍapura leer! Vergrößert dann die Maße und Gewichte! Laßt dann die innen und in den Außenbezirken frisch mit Wasser besprengte, gefegte und glänzend gemachte Stadt Kuṇḍapura an allen Plätzen, Straßenkreuzungen und Wegen mit verschiedenfarbigen Flaggen und Fahnen schmücken. An den Wänden sollen mit Gośīrṣa-Sandel und saftigem roten Sandel und Dardara-Sandel eingepreßte Handabdrücke samt allen fünf Fingern zu sehen sein. Laßt auf dem Boden an Toren und Eingängen glückbedeutende Vasen und Töpfe aufstellen, überall Girlanden und Kränze aufhängen; edle Düfte von brennendem Räucherwerk und Parfüms sollen die Stadt durchziehen. Boxer, Ringer, Faustkämpfer, Parodisten, Geschichtenerzähler, Rezitatoren, Schauspieler, Stabtänzer, (...) Akrobaten, Barden, Flötenspieler, Stabzitherspieler und viele Claqueure sollen auftreten. Wenn ihr das durchgeführt und veranlaßt habt, laßt tausend Pfosten und tausend Stäbe aufrichten, und dann meldet mir den Vollzug der Anordnungen!«

§101

Freudig und zufrieden nahmen die Hausleute den Befehl von König Siddhārtha entgegen. Schnell leerten sie die Gefängnisse und führten alles Weitere aus. Nachdem sie die Pfosten und Stäbe errichtet hatten, meldeten sie dem König Siddhārtha den Vollzug.

§102

Darauf begab sich König Siddhārtha in die Gymnastikhalle. (...) Mit seinem ganzen Harem und in der vollen Pracht von Blüten, Düften, Gewändern und Girlandenschmuck, unter dem Schall und Klang von Schlaginstrumenten, mit großem Gepränge, großem Glanz, großer Heeresmacht, mit einem großen Wagenzug, mit großem Aufwand, unter großem Getön und Getöse der Schneckenhörner und vieler verschiedener Trommeln begab er sich in die Stadt. Zölle und Steuern waren aufgehoben, Schulden erlassen; Handel und Wandel ruhten, Strafen wurden nicht verhängt; mit der erfreuten und vergnügten Bevölkerung von Stadt und Land beging er ein zehntägiges Fest zur Feier der Geburt eines Sohnes.

§103

Hunderte, Tausende und Hunderttausende an Opfern, Geschenken und Ehrengaben spendete König Siddhārtha und ließ er spenden, solange das zehntägige Geburtsfest dauerte; Hunderte, Tausende und Hunderttausende an Gewinn empfing er und ließ man ihn empfangen.

Teile diese Seite auf: