Navkar Mahamantra ► Navkar Mantra ► Beschreibung der Neun Merkmale ► 9. Richtige Selbstbeschränkung (Samyag Tapa) ► Äußerliche Selbstbeschränkung (Bahiya Tap)

Verfasst: 06.02.2014

Seite 40+41

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Text:

Äußerliche Selbstbeschränkung (Bahiya Tap):

1) Fasten (Upvas):

Aus eigenem Entschluss nichts essen und trinken zu wollen und das Verlangen, auf Essen und Trinken zu verzichten, ist Fasten. Es ist eine schwierige Form der Selbstbeschränkung, und wenn sie leidenschaftslos durchgeführt wird, purifiziert sie Körper, Geist und Seele. Fasten kann man eine Zeitspanne von mindestens 48 Minuten (eine Muhurta), die auf bis zu sechs Monate ausgedehnt werden kann. Es gibt zahlreiche Fastenmethoden für jeweils zu bestimmende Zeiträume, von einem Tag zu zwei bis acht Tagen oder an alternierenden Tagen abwechselnd fasten und moderat essen. Fasten bis zum Tod wird als Santhara (Salekhna) bezeichnet, hier wird der Körper bereitwillig und unerschrocken aufgegeben. Das ist die höchste Form von Entsagung und Selbstbeschränkung, wobei der Körper wie ein ausrangiertes Kleidungsstück abgelegt wird für die ultimative Erfahrung, dass Körper und Seele voneinander verschieden sind.

2) Eingeschränkte Konsumption (Unodari):

Weniger zu essen oder zu trinken, als man Hunger und Durst hat, ist reduzierte Konsumption von Nahrung. Im weiteren Sinne kann die Minimierung anderer Dinge wie Kleidung, Ausrüstungsgegenstände und Leidenschaften auch als reduzierte Konsumption angesehen werden. Die Minimierung der Leidenschaften ist besonders wesentlich. Sie hilft dabei, Erlösung zu erlangen. Sind Essen und Trinken leicht zur Hand, ist die Beherrschung von Geist und Körper wie ein Opfer. Das führt zur Purifikation der Seele und befreit sie von sündhaften Handlungen.

3) Um Almosen bitten (Bhikshachari):

Nahrung und andere Dinge als Almosen zu erhalten und nicht darum bitten zu müssen, weil man arm ist oder nicht arbeiten kann, führt zu größerer Selbstbeherrschung. Allerdings muss man besondere Rücksicht walten lassen bei der Bitte um Almosen. Man sollte sich dabei an einer Hummel orientieren. Die Hummel sammelt jeweils eine kleine Menge Nektar aus verschiedenen Blüten. Genauso sollte man kleine Mengen von Lebensmitteln aus verschiedenen Haushalten annehmen, ohne einen Unterschied zwischen Arm und Reich zu machen, damit niemand sich zurückgesetzt fühlt. Dazu braucht man Einfühlungsvermögen. Wenn die Bedingungen für die Gabe von Almosen nicht günstig sind, müssen die Mönche fasten.

(4) Bindungslosigkeit (Anaasakti):

Im Hinblick auf die Sinne Geschmack, Berührung, Sehen, und Hören mit dem Ziel, essen, um zu leben, und nicht leben, um zu essen. Wir sollten eines oder mehrere der folgenden Dinge aufgeben:

  1. Milch
  2. Quark
  3. Ghee (Butterschmalz)
  4. Öl
  5. Zucker
  6. Salz

Sie verstärken den Geschmack. Zudem müssen wir uns Nicht-Vegetarisches, Alkohol, Honig und Butter abgewöhnen.

(5) Tolerieren von Schmerzen des Körpers (Kaya Klesh):

Der Geist kann in einer Weise trainiert und entwickelt werden, dass man nicht mehr auf körperliches Wohlbehagen und die Bindung an den Körper angewiesen ist. Dazu muss man eine Einstellung gewinnen, die es ermöglicht, heiße oder kalte Temperaturen auszuhalten, die Haare durch Herausziehen zu entfernen und ohne jeden Komfort zu schlafen. Das soll nicht heißen, dass dem Körper Schaden zugefügt oder er verletzt werden soll, sondern dass die geistige Ausrichtung im Vordergrund steht. Es geht dabei nicht darum, dem Körper Schwierigkeiten zu bereiten, sondern um die Freude, die beispielsweise ein Bergsteiger empfindet, nachdem es ihm gelungen ist, auf einen Berg zu steigen, wenn auch der Aufstieg schwierig war.

(6) Rückzug (Sallinata):

Die Seele von den äußeren Angelegenheiten des weltlichen Strebens fernzuhalten ist Rückzug. Hier wird die Aufmerksamkeit von Körper und Geist nach innen auf die Seele gerichtet. Unsere Pilgerreise führt nach innen zur Seele. 

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