20.02.2013 ►Jodhpur

Verfasst: 25.06.2013

Wir waren gerade fertig, als der Fahrer ankam. Pünktlich ging es gegen 08:00h los, und wir waren gespannt, ob die Google-Prognose von 4,5 Stunden für die 270km von Jaisalmer nach Jodhpur stimmt. Es versprach wieder ein sonniger Tag mit wolkenlosem Himmel und Temperaturen um 25°C zu werden. Eigentlich warm genug für eine Klimaanlage, aber die hatte das Auto nicht. Bei direkter Sonneneinstrahlung war es schon morgens um die 25°C. Noch kühlte der Fahrtwind bei heruntergekurbelten Fenstern. Wir dösten so vor uns hin, und wurden erst bei diesem Anblick etwas wacher.

 

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„Wüstenschiffe“ unterwegs

Die jungen Kamele schienen sich auszukennen und schauten vom Straßenrand aus nach den Autos, die ihnen ausweichen mussten, blieben aber auf der linken Spur. Schaf- oder Ziegenherden hingegen bevölkern meistens die gesamte Straße. Als Fahrer muss man mit unvorhergesehenen Ereignissen der tierischen Art hier immer wieder rechnen und bremsbereit sein. In diesem Fall waren die Kamele schon von weitem zu sehen, doch wenn ein Hindernis in Form einer Herde die Straße blockiert oder von einer Straßenseite zur anderen wechselt, ist schnelles Reaktionsvermögen angesagt. Das kann besonders in den Kurven hektisch werden. Immer wieder erstaunlich ist, dass in dem Miteinander der Verkehrsteilnehmer Unfälle zum Glück recht selten sind. Allerdings kann sich das mit steigendem Verkehrsaufkommen schnell ändern.

 

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Khejra Baum in typischer Landschaft zwischen Jaisalmer und Jodhpur links und rechts der gut ausgebauten Straße

 

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Ansiedlung, von der Straße aus gesehen


Links und rechts flog die Landschaft vorbei. Während sie bis zu der Begegnung mit der Kamelherde eher eintönig-karg und flach war, veränderte sie sich allmählich und nahm sozusagen Konturen in Form sanfter Anhöhen an. Immer wieder ranken sich neben der Straße Büsche und Gestrüpp an Drahtzäunen empor, die eine Ansiedlung kennzeichnen. Diese besteht in der Regel aus einem Gemisch von runden Lehmhütten mit Strohdächern, Rohbauten und weiß gekalkten Häusern. Zuerst errichten die Pächter runde, strohgedeckte Lehmhütten. Nach einiger Zeit fangen sie an, die Steine für den Hausbau zu sammeln. Daraus wird dann der Rohbau errichtet, der nach und nach zu einem Wohnhaus für die Familie ausgebaut wird. Ist das Haus fertig, wird eine Mauer aus aufgeschichteten Steinen darum errichtet.

 

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Sanddüne, zur Fixierung bepflanzt mit Prosopis jiliflora (Familie der Mimosengewächse)

 

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Stellenweise ist die Wüste Thar grün und sogar fruchtbar

 

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Bald wurden die Hügel immer steiniger

 

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Die Steine werden abgebaut...

 

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…und verarbeitet.

 

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Hier steht schon die Fassade mit Aussparungen für Türen und Fenster!

 

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Bald wird der Baum dem Haus Schatten spenden, nur eine Frage der Zeit.


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 Gerade erst angekommen? Familien der Steinbrucharbeiter siedeln unter Bäumen neben der Straße.

 

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Zwei Auto-, bzw. Motorradminuten später arbeiten die Männer.

 

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Manche sind zu Fuß unterwegs.

 

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Manche haben Glück und werden mitgenommen.

 

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Hoppla, wo ist die gute Straße geblieben?

Schnurrend kamen wir voran, bis wir ungefähr nur noch 70km von Jodhpur entfernt waren. Der Ort hieß bezeichnenderweise Balesar Satan. Nicht nur hatte der Verkehr zugenommen, auch waren immer mehr Ansiedlungen zu sehen, neue oder schon länger bestehende. Die Anziehungskraft der Steine wurde immer stärker, eine Lebensgrundlage für viele. Da hatte der Ausbau der Straße wohl etwas zu lange auf sich warten lassen. Wir waren 108 km bis Pokhran auf der wunderbar ausgebauten NH 15 gefahren. Von Pokhran aus waren es noch 162km auf der NH 114 bis Jodhpur. Davon waren 90km auch schon tadellos ausgebaut, doch die verbliebenen 70km rüttelten uns gehörig wach. Dafür brauchten wir fast 2 Stunden, während wir für 200km 4 Stunden gebraucht hatten.

 

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Hier wird schon das Notwendige getan!

 

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Schon mal „Om“ auf einer Straßenwalze gesehen?

 

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 Die Gegend wird urbaner.

 

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Am Stadtrand von Jodhpur werden Blumenkränze angeboten.

 

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Kreisverkehr ins Zentrum, wir sind am Ziel!

Nach 6stündiger Fahrt hatten wir unser Ziel erreicht. Uns war das Hotel Kalinga in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs empfohlen worden. Dort nahmen wir sogleich Kontakt mit der in Jodhpur ansässigen Jainafamilie auf. Der Sohn der Familie Surana hatte in Europa studiert und sprach sehr gut Englisch. Die Verständigung war nicht nur sprachlich sehr gut. Manchmal hat man Glück und trifft Menschen, mit denen man sich sofort versteht. So war es der Fall bei der Begegnung mit der Familie Surana. Sie hießen uns willkommen, und wir verabredeten uns für den späteren Nachmittag. Erst einmal wollten wir unseren nicht nur sprichwörtlichen Reisestaub abwaschen und etwas essen. Als uns Saurabh Surana vom Hotel abholte, war es wie ein Treffen alter Freunde. Zuerst zeigte er uns auf dem Weg zu seinen Eltern das wunderschöne Haus, das die Familie gerade für sich baut.

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Das neue Haus der Familie Surana

 

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Willkommen! Solide Materialien und erlesene Handwerkskunst ergeben eine gute Substanz.

 

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Saurabh Surana und Christian Geerdes

 

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Die weitläufige Dachterrasse ist schon fertig.

 

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Das Ehepaar Surana

 

Schon beim Willkommenstee entdeckten wir gemeinsame Interessen. Als Shri Surana hörte, dass wir gerne Tempel besichtigen möchten und die Namen Osian und Ostra Parshvanath nannten, lächelte er fein und begann, in einem Buch zu blättern, das er aus einem Regal gezogen hatte, ohne genau hinschauen zu müssen. Es stellte sich heraus, dass die Suranas schon sehr viele Tempel besucht hatten, nämlich 500 in den letzten 5 Jahren! Shri Surana blätterte, murmelte etwas, und sagte dann strahlend, dass wir am nächsten Tag gemeinsam eine Tempeltour unternehmen würden, bei der wir bestimmt genau das sehen würden, was wir zu sehen hofften. Das ließ sich ja sehr gut an! Wegen der Verabredung am nächsten Morgen schlugen wir bedauernd die Einladung zum Abendessen aus, aber wir brauchten einfach noch etwas Ruhe und Schlaf vorher.

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Fußnoten:
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Fotos: HereNow4U