12.02.2013 ►Tapra ►Gespräch mit Acharya Mahashraman und Begegnungen

Verfasst: 23.04.2013
Aktualisiert: 25.04.2013

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Nur hinein, ich fahre euch gern.

Um zum Mittagessen wieder in Tapra sein zu können, hatten wir uns alle den Wecker gestellt. Wie anders sieht alles aus, wenn man etwas geschlafen, geduscht und neue Sachen angezogen hat. Es hatte sogar heißes Wasser gegeben. Wir freuten uns auf ein ausführlicheres Gespräch mit Acharya Mahashraman am Nachmittag. Auch die Sonne hatte inzwischen ihre Arbeit getan, so dass die Fahrt in der Motorrikscha bei blauem Himmel und Sonnenschein zum Vergnügen wurde. Fast pünktlich kamen wir in Tapra an.

Dort schleuste uns Swami Dharmananda unüberhörbar durch den stetigen Strom der Besucher und bat um Eile, sobald wir stehenblieben, um mit jemandem zu reden, den wir kannten. Wir hatten ja auch keine Ahnung von dem Zeitrahmen für das Mittagessen. Ein Laienanhänger in der kleinen provisorischen Siedlung neben dem großen Versammlungszelt hatte es sich zur Aufgabe gemacht, unter Einsatz seiner gesamten Familie das Mittagessen für eine bestimmte Anzahl von Pilgern zwischen 12:00h und 12:30h für jeden bereit zu halten, der pünktlich kam. Kurz nach halb eins trafen wir ein und hatten Glück. Wir bekamen noch etwas zu essen.

 

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Jugendliche aus Tapra, darunter Happy Jain (l) bestürmten Christian Geerdes mit Fragen

Nach dem Essen war noch reichlich Zeit bis zum vereinbarten Gespräch bei Acharya Mahashraman. Wir wollten die Gelegenheit nutzen, um Mönche, Nonnen und Samanis zu treffen, doch kurz nach dem Mittagessen sind alle sehr beschäftigt. Die laut Acharya Mahapragya für geistige Aktivitäten günstige Zeit ab 14:00 h wurde ausgiebig genutzt. Plötzlich waren alle verschwunden zu Vorträgen oder in Büchern. In dem großen Versammlungszelt suchten wir Schutz vor der mittlerweile sengenden Sonne. Auf einmal waren wir umringt von einer Schar Jugendlicher, die uns mit Fragen überhäuften. Woher wir kämen, was wir machen und dergleichen. Wir erzählten von unserer Arbeit und verteilten Visitenkarten. Ein  15-jähriger Schüler aus Tapra mit dem schönen Namen Happy war besonders interessiert und wollte den Kontakt gern per Email fortsetzen. Tatsächlich hat er sich nach unserer Rückkehr bei uns gemeldet.

 

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Acharya Mahashraman spricht mit einem Mönch seiner Umgebung

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Acharya Mahashraman segnet die Angehörigen eines Besuchers

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Acharya Mahashraman notiert sich etwas

Inzwischen war der Nachmittag so weit fortgeschritten, dass Swami Dharmananda uns abholte zu dem Gespräch mit Acharya Mahashraman. In dem Raum, in dem er saß, drängten sich wie immer viele Menschen. Jeder hatte ein bestimmtes Anliegen und wollte es mit dem Oberhaupt der Terapanthi besprechen. Angesichts der vielen Besucher war jedem klar, dass seine Zeit für ein Gespräch mit Acharya Mahashraman sehr begrenzt sein würde. Es ist wirklich schade, dass wir nicht verstehen konnten, worum es ging. Acharya Mahashraman hörte jedem seiner Besucher aufmerksam zu, notierte sich manchmal etwas, stellte eine Frage und wirkte sehr beruhigend auch auf die aufgeregtesten Besucher. Häufig lächelte er die hinter einer Absperrung sitzenden Frauen freundlich an, nickte ihnen zu und segnete sie. Nach dem Gespräch ging jeder buchstäblich erleichtert fort, denn offensichtlich hatte der Acharya ihm seine schwere Last in einer Weise tragen geholfen, die ihn froher gehen als kommen ließ. Schließlich war die Reihe an uns.

 

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Acharya Mahashraman mit Christian Geerdes und Swami Dharmananda im Gespräch

Als Acharya Mahashraman Christian Geerdes zur Begrüßung freundlich ansah, fragte dieser ihn: „How are you?“ Was der Acharya sogleich mit: „Fine.“ beantwortete. Das Lachen in seinen Augen war sehr herzlich. Er schien sich über eine Unterbrechung der üblichen Begrüßungsroutine sehr zu amüsieren und fragte Christian Geerdes sogleich nach HereNow4U. Über die seit knapp 8 Monaten erscheinende deutsche Fassung freute er sich besonders.

 

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Acharya Mahashraman begrüßt seine Besucher

 

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Swami Dharmananda berichtet Acharya Mahashraman davon, dass in der englischen Fassung von HereNow4U inzwischen 102 Bücher online für jeden zugänglich sind.

 

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Acharya Mahashraman hört sich interessiert die Ausführungen von Christian Geerdes über das Verlinkungssystem im Glossar an

Christian Geerdes informierte Acharya Mahashraman darüber, dass HereNow4U (HN4U) seit nahezu zehn Jahren kostenfrei für jeden im Internet abrufbar ist mit einem Content von fast 11.000 Artikeln [11001 am 20.04.2013!] im englischsprachigen Teil. Soweit sie vorliegen, werden hier nicht nur regelmäßig Neuigkeiten des Terapanth Sangh, sondern auch anderer Sangha veröffentlicht. Zudem werden Artikel über alle Aspekte des Jainismus, z.B. Philosophie und Jaina Ethik, in großer Bandbreite publiziert, die es den Lesern erlauben, sich differenziert zu informieren. Alles auch immer mit einem erstaunlich aktuellen Bezug zur Lebenssituation im 21. Jahrhundert. Dabei wirkt das datenbankbasierte Verlinkungssystem mit dem Glossar (2363 Glossareinträge im englischen, 203 im neuen deutschen Teil) wie ein Führer durch das Wissen. An einem weiteren Optimierungsschritt wird seit einigen Jahren auf der Softwareebene gearbeitet.

 

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Christian Geerdes spricht Acharya Mahashraman auf Möglichkeiten an, mehr in englischer Sprache zu publizieren, bzw. Publikationen aus dem Hindi ins Englische zu übersetzen.

Viele Bücher der Acharyas sind nur in Hindi erhältlich. Sicher würden sie auch international mit Interesse gelesen werden, wenn sie in englischer Sprache erhältlich wären. Damit könnten diese Schriften wichtige Beiträge für spirituelle Entwicklung im 21. Jahrhundert werden. Viele mentalorientierte deutschsprachige Leser haben mit ihrer rational orientierten Einstellung eine große Skepsis dem Spirituellen gegenüber. Besonders ihnen die spirituelle Welt jenseits von Esoterik und Hokuspokus unter dem Aspekt des Jainismus näher zu bringen, ist eines der Kernanliegen von HN4U.

 

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Acharya Mahashraman, Swami Dharmananda, Christian Geerdes

Dann schilderte Christian Geerdes Acharya Mahashraman unseren Besuch der M.C. Primary School Sultanpur. Swami Dharmananda berichtete Acharya Mahashraman detailliert über die Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern und bat um seine Unterstützung für das geplante Forschungsprojekt.

 

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Acharya Mahashraman hört Swami Dharmananda zu.

 

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Entspannt und aufmerksam verfolgt er, was seine beiden Besucher berichten.

 

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Acharya Mahashraman wird die Entwicklung bestimmt weiterhin verfolgen.

Selten habe ich einen Menschen erlebt, der so konzentriert und liebevoll zuhören kann, wie Acharya Mahashraman. Doch verschwindet er keineswegs im Zuhören, sondern ist gleichzeitig sehr präsent und zudem ein Meister der Ausgewogenheit und inneren Balance. Entspannt und konzentriert sind bei ihm keine Gegensätze, sondern fügen sich zu einer zutiefst menschlichen Haltung und Ausstrahlung, die beeindruckt. Beeindruckend im Sinne von beispielhaft und vorbildlich. Keinesfalls im abgehobenen Sinn, sondern ganz konkret als Anleitung für eine Haltung, mit der durchs Leben zu gehen erstrebenswert ist, weil sie nichts ausschließt, sondern alles miteinbezieht, was dazugehört.

 

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Muni Kishan Lal (M), Swami Dharmananda (l), Christian Geerdes

In einem kleinen Raum neben der großen Halle trafen wir anschließend Muni Kishan Lal. Er hatte nicht nur eine Knieoperation erfolgreich überstanden, sondern dazu noch eine unerwartete Herzoperation. Muni Kishan Lal kennen wir seit 13 Jahren, also von Anfang an. Er war der erste Jaina Mönch, dem ich begegnet bin. Ihm gilt auch stets unser Besuch, und wenn Zeit ist, lassen wir uns die Gelegenheit zu Meditationssitzungen unter seiner Leitung nicht entgehen. Doch dieses Mal stand seine Mahlzeit unmittelbar bevor, und wir verabschiedeten uns. Hinzu kam, dass wir auch schon wieder ziemlich erschöpft waren. Die vielen Eindrücke und besonders das intensive Gespräch mit Acharya Mahashraman wirkten doch noch sehr nach. Bevor auch die Samanis ihre letzte Mahlzeit vor Sonnenuntergang einnahmen, eilte ich zu dem Haus, in dem sie untergebracht waren. Dort traf ich einige mir seit langem bekannte Samanis.

 

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Dr. Samani Riju Pragya

Sie hatte an meinem Deutschkurs 2007 teilgenommen, wann immer ihre Zeit es erlaubte. Sie war Schulleiterin der Acharya Kalugani Mädchenschule auf dem Campus von JVBU, Ladnun zu dieser Zeit und arbeitete an ihrer Promotion. Nach ihrer Promotion wurde sie schon bald Leiterin des Instituts „Jainology and Comparative Religion and Philosophy“ (in etwa: Jainologie und vergleichende Religionswissenschaften und Philosophie) der Jain Vishva Bharati Universität Ladnun. 2012 wurde sie von Acharya Mahashraman zur Samani Niyojika ernannt. Die Samani Niyojika ist als Verwaltungsleiterin der Samanis verantwortlich für Ausbildung, Studien und Tätigkeitsfeld aller Samanis sowie Ansprechpartnerin für alle Samanis betreffenden Angelegenheiten vonseiten der Laienanhänger.

 

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Samani Madhur Pragya (l) mit einer Samani aus ihrer Gruppe

Samani Madhur Pragya war die erste Samani, die ich während eines ihrer Europaaufenthalte in Berlin traf. Dort hatte ich an einer von ihr geleiteten Preksha Meditationssitzung teilgenommen, was dazu führte, dass wir mit den Terapanthi in Kontakt kamen und Acharya Mahapragya, dem Vorgänger Acharya Mahashramans, begegneten. Sie war auch schon mehrere Male Samani Niyojika.

 

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Samani Akshay Pragya

Auch Samani Akshay Pragya hatte schon einmal in Berlin auf einer Europareise Station gemacht und uns sogar schon zuhause besucht. Auch sie war bereits mehrere Male Samani Niyojika. Diese Funktion wird rotierend vom Oberhaupt der Terapanthi, dem Acharya, besetzt. Zudem war Samani Akshay Pragya über mehrere Jahre in den USA im Preksha Zentrum von Houston, Texas.

 

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Dr. Samani Rohini Pragya

Dr. Samani Rohini Pragya hatte regelmäßig und sehr intensiv an dem Deutschkurs teilnehmen können und mich sofort mit: „Guten Tag, wie geht es dir?“ begrüßt. Mittlerweile hat auch sie ihre Promotion abgeschlossen und sich auf die Philosophie des Jainismus spezialisiert.

Die Schatten wurden länger, und wir hatten das Glück, dass eine Motorrikscha nach Balotra auf uns als Fahrgäste geradezu zu warten schien. Wir fuhren zum Oshwal Bhawan und plauderten dort noch ein bisschen, bevor wir alle zeitig schlafen gingen. Für den nächsten Tag stand nichts weiter an, so dass wir uns für den Vormittag etwas ganz Besonderes vorgenommen hatten.

Fußnoten:
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