03.11.2007 ►Ladnun-Jaipur-Udaipur

Verfasst: 29.11.2012
Aktualisiert: 02.07.2015

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Alles ging dann sehr schnell. Ehe ich mich’s versah, saß ich im Auto und los ging’s. Wir hielten im ca. 15 km von Ladnun entfernten Sujangarh vor einer Autowerkstatt. Mein erster Gedanke war, dass unser Freund Balwant Mehta, bei dem ich die verbleibenden Stunden bis zur Abfahrt des Zuges nach Udaipur verbringen wollte, wohl in Kenntnis der Möglichkeit derartiger Situationen darauf bestanden hatte, dass Dr. Dhar ihm Kennzeichen des Autos sowie Namen und Mobilnummer des Fahrers nennt. Nein - keine Panne. Nach kurzem Aufenthalt konnten wir die Fahrt fortsetzen. Ein Blick auf den Motor und kurzes Hantieren hatten genügt, alle zu beruhigen.

Unterwegs ließ ich noch einmal die vergangenen Wochen vor meinem geistigen Auge ablaufen. Ich wusste schon auf der Fahrt, dass mir die Pfauen und der Park besonders fehlen würden.

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Pfau im Park

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Blühende Bougainvilla

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Pfauendamen

Ich dachte an Sunil, der mich morgens mit schwarzem Tee auf Trab brachte und mich zuverlässig mit frischem Gemüse und Obst zu allen Mahlzeiten versorgte. Manchmal waren auch andere Gäste am Tisch, mit denen sich dann und wann auch ein Gespräch ergab. Doch selbst die Mahlzeiten, bei denen ich allein am Tisch saß, wurden von seinem Hantieren in der Küche klanglich untermalt, was mir das Gefühl gab, nicht allein auf der Welt zu sein. Ich traf Sunil einmal mit seinen beiden Töchtern auf einem meiner Spaziergänge. Er klopfte immer dreimal laut an die Tür meines Zimmers, wenn das Essen auf dem Tisch stand.

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Sunil mit seinen Töchtern

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Mein Zimmer im Sumeru-Gästehaus der Universität

Dann erinnerte ich mich an den Besuch in der JVB Grundschule, die Samani Madhur Pragya, derzeitig Chefin der Samanis, seit einem guten halben Jahr leitet. Sie hatte sich bienenfleißig in die Materie eingearbeitet und es geschafft, dass die Grundschule von der zuständigen Distriktbehörde als einzige Grundschule im Umkreis von 80 km mit der Möglichkeit zum Erlernen der englischen Sprache hervorgehoben und deswegen sowie wegen ihres effektiven Managements und der Qualität der Lehrkräfte besonders empfohlen wurde. Darüber hatte sich die Samani besonders gefreut, denn sie sagte, eine so abgelegene Gegend wie Ladnun sei für Lehrkräfte nicht besonders attraktiv.

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Samani Niyojika Madhur Pragya, Jitendra Bothra, Verwaltungsfachmann der Schule, zwei Lehrkräfte

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Samani Madhur Pragya vor ihrem Büro

Mr. Madhur fiel mir ein, der sich sehr darum bemüht hatte, meinen Laptop an die universitätseigene Internetverbindung anzuschließen und der doch aufgeben musste, weil auch ihm das nicht gelang. Man erklärte mir, dass vermutlich ein Hardwareteil in meinem Computer defekt sei, und ich deshalb keine Internetverbindung hätte. Da war auch Rajesh mit seinem Latein am Ende. Er hatte mit mehreren Kabeln versucht eine Verbindung zum Internet herzustellen, ohne Erfolg. Zurück in Berlin – Laptop einstöpseln – Internetverbindung da - klappte alles wieder von selbst.

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Mr. Madhur vom Computerlab

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Rajesh Jain

Die Internetverbindung ist für eine Universität, die so abgelegen liegt, einfach zu langsam. Vielleicht spendieren die Geldgeber ja mal eine 16 Mbits. oder wenigstens 6 Mbit/sek. Verbindung. Das würde der Universität die Kommunikation mit anderen Universitäten und der Welt sehr erleichtern.

Mir kam das Frühstück mit den Mitarbeitern der Firma in den Sinn, welche der Universität ISO Zertifizierungen verliehen hatte (ISO 9000, ISO 14000, ISO_14000, ISO 22000, ISO 27000, ISO 13485, ISO / TS 16949, OHSAS 18000).

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Mitarbeiter der Zertifizierungsfirma

Die Gruppe war am Vortag plötzlich in meinen Nachmittagskurs einmarschiert, und ich hatte sie für so etwas wie Schulräte gehalten, weil sie sich so benahmen wie Schulräte in Deutschland, jovial, wachsam, immer einen Scherz auf den Lippen. Dr. Dhar hatte sich über ihr Erscheinen in meinem Kurs etwas geärgert, er hatte dagegen energisch protestiert, wie er mir erzählte. Ich hatte wohl nicht zu Unrecht den Eindruck, dass ich das ganze nicht verstand. Die Herren von der Firma wollten sich lediglich davon überzeugen, dass in der Universität auch Lehrveranstaltungen stattfanden.

Die Fahrt verlief reibungslos, und nach einigen Hin- und Her-Telefonaten mit dem Handy erreichten wir auch das Haus von Shri Balwant und Shrimati Prem Mehta. Dort hatte ich wegen der gepflegten Atmosphäre des Hauses und des ansprechend gedeckten Tisches den Eindruck, in eine andere Welt einzutauchen. Nach dem Essen und einem kurzen Telefonat mit meinem Mann, der inzwischen zwar wohlbehalten, aber unter Verlust eines Stativs für die Videokamera in New Delhi eingetroffen war, schlief ich erst mal ein.

Bevor wir uns auf den Weg zum Bahnhof für den Nachtzug nach Udaipur machten, meldete ich mich noch einmal telefonisch bei Professor Gelra, den ich in Udaipur zur Verleihung der Abschlussurkunden wiedertreffen sollte und der an einem Wochenende mit Balwant und Prem Mehta in Ladnun gewesen war.

Balwant Mehta brachte mich zur Bahn, und im Zug saß mir Dr. Ved Prakash gegenüber, der als Assistent des Organisators auch zu der Konferenz über non-violent economy nach Udaipur fuhr. Im Nachbarabteil reiste Dr. S.L. Gandhi. Die Welt ist klein. Unser Freund Balwant Mehta stellte mich Dr. S.L. Gandhi mit einem empörten: „Sie wollten sie letztes Jahr nicht sehen!“ vor, bevor er den Zug verlassen musste, weil das Signal zur Abfahrt für alle Begleiter der Passagiere das Signal zum Aussteigen war. Hinterher erfuhr ich, dass ein Treffen bei unserem letzten Besuch in Jaipur nicht zustande kommen konnte. Wir drei unterhielten uns nach Abfahrt des Zuges noch, bis wir alle müde wurden und uns schlafen legten.

Mit nur 30 Minuten Verspätung trafen wir in Udaipur ein. Auf dem Bahnsteig warteten schon mein Mann und unsere Freunde aus New Delhi, Swami Dharmananda und seine Frau. Das hielt uns davon ab, uns nach 4 Wochen Trennung in die Arme zu fallen. Das macht man nämlich in Indien nicht in der Öffentlichkeit.

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Meine Ankunft in Udaipur

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