Meditieren - warum? ► 07 ► Zeitmanagement & Preksha Meditation (3)

Verfasst: 17.12.2012

In den Richtlinien für Jain Mönche wird ihr Arbeitstag in vier Abschnitte von ca. drei Stunden unterteilt. Der erste Abschnitt umfasst die Zeitspanne zwischen Aufwachen und Sonnenaufgang. Sie sollte mit selbständigem Lernen wie dem Studium und Auswendiglernen von Texten ausgefüllt werden. Darauf folgt die Meditation. Diese Einteilung ist sinnvoll, nach Studium und Auswendiglernen von Texten kann in der Meditation noch einmal alles verarbeitet und auch verinnerlicht werden.

Der erste Tagesabschnitt ist für das selbständige Lernen, der zweite für die Nachbesinnung des Gelernten, gefolgt von einem leichten Frühstück, der dritte für das Aufnehmen neuen, von einem Lehrer vermittelten Lehrstoffs. Danach kommen die Hauptmahlzeit und eine kurze Ruhepause. Der vierte und letzte Tagesabschnitt ist wieder für das Lernen vorgesehen. Die Weitergabe von so viel Wissen wie es die Altvorderen in Indien über Generationen praktiziert haben, war nur mittels eines ausgeklügelten Zeitmanagements möglich. Es gab zu dieser Zeit noch kein Papier, also auch keine Tradition des schriftlichen Niederlegens. Die Überlieferung erfolgte mündlich. Lehrstoff vom Umfang voluminöser Bände musste daher auswendig gelernt werden. 

Für das Erbringen dieser immensen Gedächtnisleistung war effizientes Zeitmanagement eine Notwendigkeit. Anhand der Planetenkonstellation fanden auf Zeitmanagement spezialisierte Mönche heraus, welche Tageszeit sich am besten zur Erledigung bestimmter Aufgaben eignet. Die anderen Mönche richteten sich in ihrem Tagesablauf nach diesen Empfehlungen und sicherten mit ihren Erfahrungen die Validität der Untersuchungen ihrer Mönchsbrüder. Diese Zeitspezialisten gibt es nicht mehr. Wo finden wir Rat zur sinnvollen Einteilung unserer Zeit?

Aus eigener Erfahrung wissen wir alle, dass wir unsere Aufgaben nicht durchgehend mit der gleichen Effizienz erledigen. Zu bestimmten Tageszeiten arbeitet unser Gehirn besonders effizient, zu anderen unsere Hände und Füße. Deshalb müssen wir herausfinden, wann die beste Zeit zur Durchführung bestimmter Tätigkeiten ist. Wer sich mit dieser Wissenschaft vertraut macht, ist in der Regelung all seiner Angelegenheiten erfolgreich.

Auch die Emotionen schwanken. Zu einer bestimmten Zeit sind unsere Emotionen und Gedanken positiv, zu einer anderen negativ. Manchmal glaubt man selbst kaum, dass man nachmittags noch derselbe Mensch ist wie am Morgen. Soviel kann gesagt werden, Frühaufsteher haben seltener negative Gedanken als Menschen, die morgens lange schlafen. Jemand beklagte sich bei seinem Lehrer über zu viele schlechte Träume. Der Meister riet ihm, nach 03:00 nicht mehr zu schlafen, weil man hauptsächlich zwischen 03:00 und 05:00 träumt.

Emotionen begleiten uns den ganzen Tag, doch wie gesagt, auch sie haben ihre Zeit. In der Hathayoga Pradipika und in der Goraksha Samhita heißt es übereinstimmend, dass schlechte Träume, unrealistische Vorstellungen und negative Gedanken diejenigen plagen, die am Morgen den Nektar nicht gekostet haben. Wissenschaftlich gesprochen schüttet der Körper dieser Menschen kein Serotonin aus. Sobald das Serotonin wieder in ausreichender Menge vorhanden ist, verschwinden auch die Beschwerden. Wir sollten auch unseren Tagesablauf im Hinblick auf die in Teil 1 dieses Kapitels genannten fünf Aspekte untersuchen:

  • Aspekt der Substanz (Dravya Karan)
  • Aspekt des Raumes (Kshetra Karan)
  • Aspekt der Zeit (Kaal Karan)
  • Aspekt der Emotionen (Bhaav Karan)
  • Aspekt der Existenz (Bhav Karan)

Es gibt Orte, an denen wir einfach glücklich sind und uns wohl fühlen, während andere uns deprimieren. Ohne erkennbaren Grund, wie es scheint. Wohlbefinden oder Unbehagen werden von der elektromagnetischen Energie eines Ortes beeinflusst.

Ein Motto der Preksha Meditation lautet: Das Selbst mit dem Selbst sehen. Wer sich vom Selbst aus betrachten kann, hat damit das Mittel zur Lösung seiner Probleme gefunden. Die beste Zeit dafür ist zwischen Mitternacht und 02:00 h morgens, sowie zwischen 04:00 h morgens und Sonnenaufgang. Das sind goldene Zeitabschnitte für die Entdeckung innerer Qualitäten und inneren Reichtums.

In Paris soll es eine Statue geben, die sehr eigenartig aussieht. Die Vorderseite soll minutiös bearbeitet worden sein, die Rückseite nicht. Es heißt, der Name der Statue sei: Die Zeit. Wer sich daran festhalten möchte, muss das an der Vorderseite tun, denn an der Rückseite kann man sich nicht festhalten, sie ist glatt. Die Statue ist ein Symbol für die Notwendigkeit, ein Bewusstsein von der Bedeutung jeder einzelnen Sekunde unseres Lebens zu entwickeln.

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