Geschichten aus dem Jainismus: 5. Mönch Aimutta

Veröffentlicht: 02.12.2012
Aktualisiert: 02.07.2015

5. Mönch Aimutta

Auf der Straße von Polaspur, spielte ein sechsjähriger Junge, der Aimutta hieß, mit seinen Freunden. Er war der Sohn von König Vijay und Königin Shrimati. Während er spielte sah er einen Mönch, Gautamswami genannt, barfuß und kahlköpfig, auf seinem täglichen Almosenrundgang. Aimutta lief zu ihm und lud in ein, bei ihm zu Hause Essen zu holen. Das würde ihn und seine Mutter sehr glücklich machen. Gautamswami nahm die Einladung an und sie gingen gemeinsam zum Schloss.

Aimuttas Mutter, Königin Shrimati, stand auf dem Balkon und blickte über den Garten. Sie sah Gautamswami und Aimutta näher kommen. Sie war sehr glücklich und kam nach unten um Gautamswami zu empfangen. Sie begrüßte ihn mit größtem Respekt und großer Hochachtung, ausgedrückt durch die Worte: "Mathaenam Vandami". Sie stellte Gautamswami als einen treuen Folger von Mahavira an ihren Sohn Aimutta vor. Sie bat Aimutta seine Lieblingsspeise zu holen um diese Gautamswami anzubieten. Aimutta brachte eine Süßspeise (Laddoos) und füllte diese in den Topf, mehr und mehr, obwohl Gautamswami, sagte dass es längst genug sei. Er war so überglücklich dem Mönch Essen opfern zu können. Als Gautamswami wegging, sagte Aimutta: "Ihre Tasche ist schwer, ich möchte sie Ihnen tragen." Gautamswami sagte, "Aimutta, ich kann dir die Tasche nicht geben, denn sie kann nur von Personen getragen werden, die Diksha, erhalten haben." Aimutta fragte, "was ist Diksha?" Gautamswami erklärte ihm wie folgt: "Wenn jemand den spirituellen Weg gehen möchte, muss er sein Haus verlassen, sich von seiner Familie trennen, alle sozialen Bindungen lösen und sich vom Geschäftsleben trennen. Dann kann er Mönch (Sadhu) bzw. Nonne (Sadhvi) werden. Die Zeremonie zum Eintritt in den Orden nennt man Diksha. Menschen entscheiden sich für ein Leben als Mönch oder Nonne, um Gewalt (Himsa) zu vermeiden, was im Leben eines Laien alltäglich ist. Sie sind im täglichen Leben in so viele Aktivitäten verwickelt, wodurch die ständig neues Karma erzeugen und ansammeln. Ein Mönch wiederum, tut all die Dinge nicht. Somit können Mönche und Nonnen alle diese Aktivitäten eines Laien vermeiden".

Aimutta wurde neugierig und fragte, "Meister (Gurudev), du begehst keine Sünden! Aber musst du nicht auch essen? Benötigst du keinen Platz zum wohnen? All das verursacht Sünden". Gautamswami freute sich über den Lerneifer dieses Kindes, und er erklärte geduldig: "Wir nehmen Essen, aber wir akzeptieren kein Essen, das extra für uns zubereitet wurde. Wir bleiben an einem Platz, aber er gehört uns nicht und wir bleiben dort nur für ein paar Tage. Wir haben kein Geld bei uns und wir nehmen nicht am geschäftlichen Leben oder an irgendwelchen Organisationen teil. Auf diese Art und Weise müssen wir als Mönche keine Dinge ausführen, wodurch wir Sünden begehen würden.".

Aimutta sagte: "Meister, wenn das so ist, dann möchte ich auch Mönch werden". Kurz darauf kamen Aimutta und Gautamswami zu Baghvan Mahavira, der gerade eine Rede hielt. In diesem Vortrag lernte Aimutta alles über das Leben und was man tun kann, um sich vom weltlichen Leiden zu befreien. Wieder verkündete Aimutta sein Verlangen Mönch zu werden, diesmal im Beisein von Baghvan Mahavira. Dieser erwiderte: "Ohne Erlaubnis deiner Eltern kann ich dich in den Orden nicht aufnehmen.". Aimutta antwortete: "Das ist einfach, ich werde nach Hause gehen, die Erlaubnis meiner Eltern holen, und wieder zurückkommen".

Aimutta ging nach Hause. Er verkündete seiner Mutter, dass er Mönch werden möchte. "Erinnerst du dich, als du mir erzähltest, dass unser soziales Leben voller Gewalt sei und viele Sünden verursache? Gautamswami und Baghvan Mahavira sagten das gleiche. Ich möchte frei sein von Sünden. Deshalb bitte ich dich um die Erlaubnis, in das Mönchsleben eintreten zu dürfen". Aimuttas Mutter war über die Worte ihres Sohnes erstaunt und gleichzeitig glücklich über seine Furcht vor Sünden und seinen Wunsch, Mönch zu werden, denn sie war auch eine sehr religiöse Frau. Aber sie wollte sicher sein, dass Aimutta verstand was es bedeutet Mönch zu werden. Sie sagte: "Mein Sohn, Mönch werden ist kein Spiel. Es ist ein sehr hartes und diszipliniertes Leben. Da gibt es keinen Vater und keine Mutter, die auf dich aufpassen. Wie wirst du dieses Leid aushalten?"

Aimutta sagte: "Mutter, das soziale Leben enthält ebenfalls viel Leid. Wir wissen wenigsten, dass das Leiden eines Mönches helfen wird, um das Karma abzubauen und letztendlich zur Befreiung führt". Seine Mutter war über die Worte ihres Sohnes sehr glücklich. Aber sie wollte ihn noch weiter auf die Probe stellen. Sie sagte: "Mein Sohn, warum hast du es so eilig? Warte noch etwas. Du musst für uns sorgen, wenn wir alt sind und du kannst auch deine eigene Familie haben".

Aimutta antwortete: "Mutter, ich lernte von Baghvan Mahavira, dass niemand jung oder alt ist. Außerdem lernte ich, dass niemand weiß, was morgen geschehen wird. Niemand weiß, wann er sterben wird. So, auf was warten und die Gelegenheit, die auf meinem Weg liegt, versäumen?" Seine Mutter war sehr zufrieden, dass ihr Sohn verstand, was es bedeutet, Mönch zu werden und welches Ziel er anstrebt. Sie gratulierte ihrem Sohn und war sehr stolz auf ihn. "Du wirst ein guter Mönch sein. Vergesse nicht, dein Ziel ist es, Befreiung zu erlangen, und überprüfe immer dein Verhalten bezüglich Gewaltlosigkeit, dein Leben lang. Du bekommst von uns die Erlaubnis, Mönch zu werden". Aimutta sagte: "Vielen Dank, Mama. Ich werde mich an deinen Hinweis erinnern". Aimuttas Mutter gab ihm den Segen und wünschte ihm viel Erfolg in seinem neuen Leben. Sie unterstützte ihn, die Erlaubnis von seinem Vater, König Vijay, zu bekommen. Nach ein paar Tagen trat er in das Ordensleben ein und hieß von nun an Balmuni Aimutta, was heißt, junger Mönch.

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Abb. 1. Mönch Aimutta spielt am Wasser

Einige Zeit später, an einem Tag, als Balmuni Aimutta von seinen Naturbeobachtungen zurückkehrte, sah er Kinder die mit einem Papierboot in einer Wasserpfütze spielten. Das inspirierte ihn auch im Wasser zu spielen und er vergaß, dass dies für Mönche verboten ist. Er rannte zu den Kindern, und fragte ob er mit ihnen spielen dürfe. Die Kinder fanden es interessant einen Mönch zu treffen, der mit ihnen spielen möchte, und sie stimmten zu. Er nahm den Deckel seiner Schale, die er bei sich trug, und ließ diesen wie ein Boot im Wasser segeln. Er sagte: "Schaut, mein Boot segelt auch". In der Zwischenzeit kamen andere Mönche des Wegs und sahen ihn im Wasser spielen. Sie gingen zu ihm und sagten: "Balmuni, was machst du hier? Hast du vergessen, dass du als Mönch nicht mit Wasser spielen sollst? Beim Spielen mit Wasser, verletzen wir sehr viele Lebewesen. Wir haben das Gelübde abgelegt, keine Lebewesen zu verletzen. Das ist sehr schlecht. Du hast dein Gelübde missachtet und dadurch viele Sünden begangen".

Balmuni Aimutta erkannte seinen Fehler. Er bereute ihn sofort. "Oh was habe ich getan? Ich versprach meiner Mutter, dass ich keine Sünden begehen werde. Wie sündhaft bin ich? Sehr nett von diesen Mönchen, dass sie mich auf meinen Fehler aufmerksam machten! Was wäre geschehen, wenn sie mich nicht gesehen hätten?" Er bedauerte seine Tat ernsthaft. Er ging mit den anderen Mönchen fort. Jeder Mönch muss das Iriyavahiyam Sutra (Buße oder Sühne) rezitieren, wenn er von draußen zurückkehrt. Als er an die Stelle kam, wo es heißt, "Panakkamne, Beeyakkamne, Panag-daga-matti... (falls ich Lebewesen von Wasser, grünem Gras, Erde,... verletzt haben sollte), so bitte ich um Vergebung", seine Reue war grenzenlos. Es tat ihm schrecklich leid. Er dachte über seinen Fehler nach. Ich habe so viele Lebewesen getötet. Wie kann ich mich von diesen Sünden befreien? Wie kann ich Baghvan Mahavira gegenüber treten? Oh, ihr Lebewesen, ich habe euch verletzt. Bitte vergebt mir meine Sünden. Ich werde nie mehr wieder so etwas tun. Seine ernsthafte Reue war sehr gut für ihn. All sein negatives Karma (Ghati), wurde dadurch zerstört und er erreichte den Zustand eines Allwissenden (Kevali).

Anschließend ging Kevali Aimutta zu einer Veranstaltung von Baghvan Mahavira. Er ging in Richtung der anderen Kevali, die bereits Platz genommen hatten. Einige ältere Mönche bemerkten dies und sie sagten zu ihm, "Oh, Aimuttaji! Wo gehst du hin? Das ist der Platz für die Kevalis. Komme hier her zu den anderen Mönchen".

Baghvan Mahavira unterbrach sie und sagte, "ihr solltet einen Kevali nicht tadeln. Aimutta ist jetzt kein gewöhnlicher Mönch mehr. Während er das Iriyavahiyam Sutra rezitierte, zerstörte er all sein negatives Karma und erreichte den Stand eines Kevali. Die Mönche erkannten ihren Fehler und glaubten jetzt, dass es wirklich keine Altersgrenze gibt, um Kevali zu werden. Am Ende seines Lebens erreichte Balmuni Aimutta Befreiung (Moksh).

Quellen

Titel:
Geschichten aus dem Jainismus
Verlag:
Akademische Verlagsgemeinschaft München (AVM), München
Erscheinungsjahr:
2010
Seitenzahl:
52

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  1. Befreiung
  2. Diksha
  3. Himsa
  4. Karma
  5. Mahavira
  6. Sadhu
  7. Sadhvi
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