Geschichten aus dem Jainismus ► Geschichte # ► 3. Damanak

Verfasst: 30.11.2012

 

3. Damanak

Vor langer Zeit lebte in der Stadt Rajpur ein Mann namens Kulaputra. Er hatte einen sehr guten Freund, namens Jaindas. Dieser war Anhänger des Jainismus. Eines Tages besuchte Kulaputra mit seinem Freund eine religiöse Veranstaltung der Jaina. Er war von dem Grundprinzip der Gewaltlosigkeit Ahimsa, erklärt am Beispiel eines Mönches der ein Gelübde ablegte, keinen Fisch mehr zu essen, gleich was geschehe, besonders beeindruckt.

Bald darauf begann eine lange Trockenperiode in diesem Gebiet. Das Getreide wurde knapp, und viele Menschen in der Stadt ernährten sich von Fisch. In Kürze veränderten auch die strengsten Vegetarier ihre Ernährungsweise. Fisch wurde zum Hauptnahrungsmittel aller Menschen. Diese Lebensmittelknappheit stellte das abgelegte Gelübde von Kulaputra auf die Probe. Viele Tage vergingen an denen kaum etwas zu essen im Hause war, aber er brach sein Versprechen nicht. Mit der Zeit verzweifelte seine Frau und sie verlor ihre Geduld und sagte, "siehst du nicht, dass unsere Kinder Hunger leiden? Hast du kein Erbarmen mit ihnen? Bitte kaufe etwas Fisch, den ich die Kindergeben kann." Kulaputra erwiderte: "Liebe Frau, ich kann nicht das Leben anderer Lebewesen zerstören um unseres zu retten, wir sind Vegetarier. Ich liebe unsere Kinder, aber gleichzeitig liebe ich auch alle anderen Lebewesen."

Letztendlich brachte ihn Kulaputra's Schwager zum Fluß, um Fisch für seine Familie zu fangen. Kulaputra war sehr unglücklich und mit tiefstem Bedauern warf er das Netz in den Fluß. Zu seiner eigenen Verwunderung, fing er die meisten Fische. Als er sie aus dem Wasser nahm sah er, dass sich die Fische nicht wohl fühlten und sehr unruhig wurden. Er konnte ihr Leiden nicht ertragen und warf sie zurück ins Wasser. Dreimal versuchte er die Fische aus dem Wasser zu nehmen und er tat dreimal das gleiche. Er konnte diese Situation nicht mehr aushalten, entfernte sich vom Fluss und entschloss sich, bis zum eintreten des Todes zu fasten. Nach seinem Tod, wurde er als Sohn des Händlers Manihar, in der Stadt Rajagrhi, geboren. Er bekam den Namen, Damanak. Manihar war ein sehr reicher Geschäftsmann, mit allem Reichtum und Wohlstand. Als Damanak acht Jahre als war brach in der Stadt eine Epedemie aus. Die ganze Familie starb, nur Damanak überlebte. Es gab niemanden, der sich um Damanak kümmerte. Innerhalb kurzer Zeit waren die Ersparnisse verbraucht und aus ihm wurde ein armer Waisenknabe. Eines Tages gab ihm der Händler Sagarpot einen Schlafplatz.

Nach ein paar Tagen kam ein Mönch in Sagarpot's Haus für Almosen. Der Mönch bemerkte Damanak, und sagte aufgrund seines guten Karmas, werde er bald das Oberhaupt der Familie sein. Sagarpot sagte nichts, der Gedanke, dass ein armer Waisenjunge all seine Besitztümer erbt, gefiel ihm überhaupt nicht. Er wollte seinen eigenen Sohn als Erbe. Er beschloss Damanak töten zu lassen. Eines Tages ging er zum Metzger und befahl ihm Damanak im Wald zu töten. Der Metzger tat wie ihm befohlen wurde und nahm den Jungen mit in den Wald. Als er im Begriff war ihn zu töten, sah er die Unschuld des Jungen in seinem Gesicht, das änderte die Entscheidung des Metzgers. Er tötete Damanak nicht, um aber Sagarpot beweisen zu können, dass er ihn getötet habe, schnitt er Damanak's kleinen Fiinger ab und überließ Damanak sich selbt. Er forderte den Jungen auf dieses Gebiet zu verlassen und nie wieder hierher zukommen. Damanak befolgte dies und wanderte im Wald umher, bis ihm ein Kuhhirte begegnete. Damanak erzählte dem Kuhhirten was geschehen war. Dieser empfand sehr viel Sympathie für Damanak und lud ihn ein mit ihm zu leben.

Mehrere Jahre vergingen und aus Damanak wurde ein junger Mann. Eines Tages als Sagarpot auf einer Geschäftsreise war, stoppte er in dieser Gegend, wo Damanak wohnte. Er sah den jungen Mann und fand ihn auf Anhieb sympathisch. Nachdem er mehr über diesen jungen Mann erfuhr, wurde ihm klar, dass dies Damanak war, der Junge den er töten lassen wollte. Er wurde wieder sehr zornig und plante sofort Damanak töten zu lassen. Er fragte den Kuhhirten ob er den jungen Mann kurz entbehren könne, damit er eine Nachricht an seine Familie bringen könne. Sargapot gab Damanak einen Brief, den er seinem Sohn übergeben solle. Damanak lief los um seinen Auftrag zu erfüllen.

Als Damanak die Stadt Rajagruhi durchquert hatte, wurde er sehr müde. Er sah einen Tempel und beschloss sich auszuruhen. Er legte den Brief neben sich und schlief ein. Nachdem er eingeschlafen war kam Bisa, die Tochter Sagarpot's zum Tempel. Ihr fiel der Brief neben Damanak auf. Sie wurde neugierig und nahm den Brief. Zu ihrer Überraschung war der Brief an ihren Bruder adressiert. Ihre Neugierde wuchs und sie las den Brief. Sie war vollkommen verwirrt über die Worte ihres Vaters. Er schrieb, "Yah ladaka jaise hi vahan aye, usko bis de dena" was heisst, "sobald der Junge bei dir ankommt, gib ihm Gift (Bis)." Sie verstand diese Worte nicht. Sie blickte auf den jungen schlafenden Mann und empfand ihn als sehr hübsch und sein Blick war unschuldig. Sie verliebte sich in ihn und wollte ihn heiraten. Kurzentschlossen änderte sie die Nachricht, "Yah ladaka jaise hi vahan aye, usko bisa de dena" was bedeutet, "sobald der Junge bei dir ankommt, gib ihm Bisa (his daughter)." Sie legte den Brief wieder auf den Platz, wo er war und ging weg.

Der junge Mann übergab den Brief an Sagarpot's Sohn. Dieser lass die Nachricht seines Vater's und war äusserst überrascht. Warum sollte seine Schwester Damanak heiraten? Da es aber der Wunsch seines Vaters war, gehorchte er. Damanak war ebenfalls verblüfft, aber er mochte Bisa und fügte sich. Bisa's Bruder organisierte eine große Hochzeitsfeier.

Bei seiner Rückkehr erführ er was geschehen war und er wurde sehr wütend. Er liess sich aber nichts anmerken und organisierte erneut einen Mordanschlag auf Damanak, sein jetziger Schwiegersohn.

Sargapot beauftragte jemanden, ihn zu töten. Eines Tages, war die ganze Familie zu einer Party eingeladen. Nach einiger Zeit wurde Damanak müde und er entschloss sich nach Hause zu gehen. Als er dort ankam war das Haus abgeschlossen. Er legte sich auf das Sofa auf der Veranda. Der zum Töten Beauftragte, folgte Damanak, aber er fühlte Damanak sei sehr stark und nicht so ohne Weiteres zu töten. Er ging nach Hause um ein Schwert zu holen.

In der Zwischenzeit war Damanak aufgestanden und machte einen Spaziergang. Währendessen kam der Sohn Sargapot's nach Hause. Er fand das Haus ebenfalls verschlossen vor und beschloss sich auf das Sofa auf der Veranda zu legen. Der Mordbeauftragte kam zurück und ohne zögern schlug er den Kopf des Mannes mit dem Schwert ab. Als der Rest der Familie nach Hause kam, fanden sie den Körper in Blut. Sie waren sehr erschrocken, als sie sahen, dass es Bisa's Bruder, ihr eigener Sohn war, der getötet wurde.

Sagarpot wurde sich nun bewußt, dass er das Schicksal des jungen Mannes versuchte zu verändern, welches aufgrund von Karma vorherbestimmt ist. Und dies sah er nun als Grund warum alle Versuche Damanak zu töten, scheiterten. Diese Erkenntnis stimmte ihn bald milde und er beschloss das Schicksal von Damanak zu akkzeptieren. Gemeinsam mit seiner Frau beschlossen sie, Damanak alle Besitztümer zu übergeben und ihn damit zum Vorstand der Familie werden zu lassen. Damanak erfüllte seine Pflichten über viele Jahre und lebte glücklich und zufrieden.

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