Zur Harmonie im Inneren ► 04. Kontrolle des Atems

Verfasst: 14.11.2012

Der Teilnehmer eines Meditationscamps sagte: „Zu Beginn der Preksha Meditationssitzung hieß es, die Seele mit der Seele wahrzunehmen. Ich war entzückt, damit einen langgehegten Traum realisieren zu können. Der Mensch spürt ein ewiges Sehnen in sich, seiner Seele und Gott mit offenen Augen von Angesicht zu Angesicht zu begegnen. Ich kam hierher, um meine Seele wahrzunehmen, doch ich wurde nur zur Wahrnehmung des Atems angeleitet und war enttäuscht. Mein Traum schien sich in nichts aufzulösen, Wahrnehmung der Seele und Wahrnehmung des Atems sind doch zwei verschiedene Dinge. Ich frage mich, ob die Wahrnehmung des Atems alles ist, worum es hier geht. Wenn das so ist, warum sollte man dann überhaupt an einem Camp teilnehmen? Atmen ist ein unwillkürlicher Akt, eine Reflexhandlung, die tagein, tagaus stattfindet, zuhause, im Büro, während des Schlafs, im Sitzen, im Stehen, überall kann man seinen Atem wahrnehmen. Warum dann die ganze Mühe und an einem Meditationscamp teilnehmen? Warum wurden wir zu Beginn der Sitzung aufgefordert, die Seele mit der Seele wahrzunehmen?“

Logik ist Logik. Jedes Argument enthält sein Gegenargument, wie stark eine Behauptung auch sein mag, sie kann von einer noch mächtigeren widerlegt werden. Manche Argumente scheinen unwiderlegbar, doch es gibt kein unwiderlegbares Argument. Nur die direkte Erfahrung ist unwiderlegbar, Logik ist es nie, sie ist ein Spiel der Intelligenz. Was auch immer mit dem Intellekt in Verbindung steht, kann nie unwiderlegbar sein. Die Erfahrung jedoch steht mit dem Bewusstsein in Verbindung und enthält einen Aspekt der ewigen Wahrheit.

Mich hatte die Logik nicht eingefangen, weil erst gestern mein Mentor zu mir sagte: " Die Wahrheit kann durch Logik nicht gefunden werden, Argumente führen nie zum Höchsten.“ Deshalb war ich nicht verwirrt. Ich hörte mir an, was der Teilnehmer zu sagen hatte und schwieg für einen Moment.

Dann sprach ich: „Bruder! Ich möchte deinem Argument nicht widersprechen, indem ich dir das Gegenargument präsentiere. Ich möchte lediglich eine Geschichte erzählen. Ein Argument ist trocken und langweilig, doch eine Geschichte macht das Ganze interessant. Du fingst an zu zweifeln, weil du das zugrundeliegende Gesetz nicht kennst. Solange wir das zugrundeliegende Gesetz nicht kennen, wird alles zum Problem."

Ein Mann war auf der Flucht aus Angst vor einem Hund. Wir haben also einen rennenden Mann, der von einem Hund verfolgt wird. Warum rennen beide? Diese Frage kann nur richtig beantwortet werden, wenn man die Regel verstanden hat. Der Mann rennt aus Angst, im Moment der Angst produzieren seine Nebennieren mehr Sekrete, der Hund riecht die Adrenalinabsonderung und rennt hinterher. Der Hund verfolgt nicht den Mann, sondern den Geruch. Hätte der Mann keine Angst und würde plötzlich dem Hund gegenüberstehen, würde dieser den Geruch verlieren und automatisch anhalten. Der flüchtende Mensch veranlasst den Hund, ihn zu verfolgen. Der Mensch weiß nicht, wie man ruhig bleibt, deshalb wird er von vielen Phantomen verfolgt. Hätte er das Stehenbleiben gelernt, würde ihn niemand verfolgen.

In einem Vers des Dashvakalik Agama heißt es: Beherrsche deine Hand, deinen Fuß und deine Zunge. Der Vers bezieht sich auf drei Dinge, nämlich die Beherrschung von Hand, Fuß und Zunge. Die Beherrschung der Hand führt zur Beherrschung des Fühl- und Tastsinns. Das Luftelement hat die Haut als Sinnesorgan und als Handlungsorgan die Hände. Auf diese Weise verbindet es die Hände mit der Haut. So führt die Beherrschung der Hände zur Kontrolle über den Tastsinn. Durch Übung kann man also die Beherrschung seiner Sinne erlangen. Da alle Sinne miteinander verbunden  sind, fällt uns ihre Beherrschung leichter, wenn man das Gesetz kennt, das ihre Beziehungen zueinander regelt.

Im Ayurveda heißt es: Schmerzt das Auge, massiert man am besten die Zehen mit Öl, das gibt dem Auge sofort Linderung. Wie seltsam, möchte man sagen. Kann man sich eine Beziehung zwischen einem Kamel und einem Esel vorstellen? Genauso schwer ist eine Beziehung zwischen Auge und Fuß vorstellbar, dennoch gibt es sie. Augen und Füße sind mit dem Feuerelement verbunden, dessen Sinnesorgan die Augen und dessen Handlungsorgan die Füße sind. Sie scheinen unabhängig voneinander zu bestehen, doch gibt es Gesetze, die beide beherrschen und sie auch miteinander verbinden. Kennt man das fundamentale Prinzip, ruft die Beziehung zwischen Augen und Füßen keine Überraschung mehr hervor. Wenn wir in der heißen Sonne laufen, werden unsere Füße heiß und unsere Augen schwellen an. Das Kühlen der Füße mit kaltem Wasser verschafft beiden Linderung. Beherrschung der Zehen führt zur Beherrschung des Auges.

Die Beherrschung der Zunge verbessert das Hören, Zunge und Ohren sind durch das Element des Äthers [Akasha] miteinander verbunden, dessen Sinnesorgan die Ohren sind und dessen Handlungsorgan die Zunge ist. Es gibt auch einfachere Wege, die Herrschaft über die Sinne zu erlangen. Schließt man die Augen, sieht man nichts mehr. Blockiert man das Ohr mit dem Finger, hört man nicht mehr. Stopft man sich einen Baumwollpfropfen in die Nase, riecht man nichts mehr. Doch den Fühl- und Tastsinn zu kontrollieren ist ein ziemlich verzwicktes Problem. Die Lösung liegt, wie gesagt, in der Maxime "Beherrsche deine Hand". Die Beherrschung der Hände führt zur Meisterung des Tastsinnes. Zügelt man die Bewegungen der Hände, wird die dafür generierte Bio-Elektrizität nach innen gelenkt, was den Tastsinn besänftigt und beruhigt. Tastsinn und Hände sind durch das Element Luft miteinander verbunden. Wer beispielsweise mit dem Wind Schwierigkeiten hat, ist während der Meditationssitzung häufig sehr unruhig. Zur Beherrschung des Luftelementes gibt es folgende Übung: Der Meditierende nimmt den Lotussitz ein und berührt mit den kleinen Fingern jeweils die Daumenwurzeln. Diese Position mildert die Auswirkungen des Luftelementes.

Ich sagte dann zu dem Camp-Teilnehmer, der seine Seele wahrnehmen wollte, aber von der Anweisung enttäuscht war, seinen Atem wahrzunehmen: "Du wirfst diese Frage auf, weil du das Gesetz nicht verstehst. Kennst du es erst, tritt das Problem nicht mehr auf."

Ein Mann lud einen Juwelier in sein Haus ein, weil er von ihm den Wert eines kostbaren Diamantringes schätzen lassen wollte. Als der Juwelier gekommen war, ging der Hausherr mit ihm durch die erste Tür und wies auf eine Statue: "Schauen Sie sich doch einmal diese Skulptur aus Rajasthan an! Was für eine feine Handwerksarbeit! Wie wunderbar der Bildhauer diese Statue aus dem Stein gehauen hat!" Nach der zweiten Tür sagte der Mann zu dem Juwelier: "Sehen Sie, wie schön dieser Ventilator ist. Beachten Sie die Bemalung, die ganze Kunst des Malers liegt darin." Der Händler entgegnete: „Mein lieber Herr, ich habe keine Zeit, mir diese Dinge anzusehen und sie zu bewundern. Ich bin hier, um Ihren Diamantring zu schätzen. Bitte zeigen Sie ihn mir jetzt." Der Mann antwortete darauf: „Geduld, mein Freund. Wo Sie schon einmal hier sind, warum nicht alles anschauen? Warum bestehen Sie darauf, nur den Diamantring anzusehen? Ich werde Ihnen alles zeigen müssen."

Als beide zu der dritten Tür gelangten, sagte der Mann: "Herr Händler! Sehen Sie sich dieses schöne Haus an, Sie werden eine solche Bauweise woanders nicht finden!"

So führte er den Händler treppauf, treppab und breitete die verwirrende Vielfalt der Schönheiten seines Hauses vor ihm aus: "Das ist unser Gästezimmer, das unser Wohnzimmer, hier ist das Esszimmer und dort das Schlafzimmer. Bitte nehmen Sie im Wohnzimmer Platz, wir werden jetzt einige Erfrischungen zu uns nehmen." So behielt er den Juwelier eine ganze Weile bei sich. Nach den Erfrischungen führte er ihn aufs Dach: "Schauen Sie auf die Stadt." Später nahm er ihn mit in das Labyrinth seiner Kellerräume, führte ihn in ein verstecktes Gewölbe, öffnete dort eine der vielen Truhen und entnahm ihr schließlich ein winziges Kästchen, in dem gut verpackt der Ring lag. Sorgfältig entfernte er eine Umhüllung nach der anderen, nahm den Ring heraus und sagte: "Dies ist der Diamantring, mein Herr."

Ich wandte mich wieder an den Fragesteller: "War der Juwelier ein Narr, sich während seines Besuches, der ja dem Schätzen des Diamantringes galt, Hunderte anderer Dinge zeigen zu lassen?“ Dieser antwortete: „Aber nein! Wir können ihn keinen Narren schimpfen, es gab für ihn keinen direkten Weg zum Diamanten. Er musste der vom Hausherrn vorgegebenen Ordnung folgen. Erst nach dem Passieren vieler Türen und dem Durchqueren vieler Räume wurde ihm der Zugang zum Diamanten gewährt." Ich fuhr fort: „Im Hinblick auf die anfangs gestellte Frage wird deutlich: Um das Innerste zu erreichen, führt der Weg durch viele Räume und man muss einige Türen passieren. Das entspricht der inneren Ordnung.

Die Wahrnehmung des Atems ist die erste Tür. Zuerst lernt man seinen Atem wahrzunehmen, als nächstes den Körper und die elektrischen Impulse, die ihm die Energie liefern, schließlich die Veränderungen im Gehirn, die von diesen elektrischen Impulsen bewirkt werden. Später kann man die chemischen Veränderungen im Körper beobachten und sich der Abläufe in jeder einzelnen Zelle gewahr werden. Dann nimmt man über den grobstofflichen Körper hinaus die Vibrationen des feinstofflichen Körpers wahr und versteht sogar den viel feineren Karmakörper, die Motivationskraft hinter dem Gesamtmechanismus. Das ist eine gewaltige Sache.

Die Anzahl der Karma-Agenten an diesem Punkt ist Legion, sie regulieren jede Bewegung. So muss man das gesamte System mit all seinen Funktionen in seinen feinsten Details wahrnehmen. Erst dann kann die Tür zur Manifestation des Bewusstseins geöffnet werden. Kann man die Seele wahrnehmen und Gott selbst sehen, ist man bei dem Diamantring angelangt.

Sie wollen die Seele wahrnehmen, um Gott von Angesicht zu Angesicht zu begegnen, ohne jemals die erste Tür passiert zu haben? Das geht nicht ohne die Prozedur der Realisierung des Selbst. Durch sieben Türen muß man [in sich] gehen, bevor man seine Seele wahrnehmen kann. Dieser Palast im Körper kann nur erreicht werden, wenn die ihn umschließenden Schutzwälle überwunden werden. Das Innere dieses Palastes ist unvorstellbar fein ausgebaut und gegliedert. Ohne Verständnis seiner Organisation und Architektur gibt es weder gesicherten Eintritt ins Innere, noch dauerhaften Aufenthalt. Eine Abkürzung gibt es hier ebenso wenig wie in der Evolution. Manche glauben das allerdings. Doch auf dem grossen spirituellen Weg, dem Pfad der Hingabe und Realisierung des Selbst muss alles in einer  bestimmten Reihenfolge ablaufen. Das Ziel wird Schritt für Schritt erreicht, nachdem ein Hindernis nach dem anderen überwunden ist.

Die Wahrnehmung des Atems ist das Tor zur Wahrnehmung der Seele. Das Tor gehört zum Haus, doch ist die Seele ebenso wenig ein Haus wie ein äußerer oder innerer Raum. Was ist sie dann, wo und wie existiert sie überhaupt? Machen die Hände allein den Körper aus? Bestimmt nicht! Entzündet sich die Hand und muss abgenommen werden, ist der Körper immer noch da. Also ist die Hand nicht der Körper, Fuß oder Kopf sind es auch nicht. Was nennen wir dann Körper? Ohne Kopf, Hand und Fuß ist der Körper nicht vollständig, jedes Körperteil ist mit den anderen Körperteilen verbunden. Ohne diese Verbindung gibt es keinen Körper.

Atem ist Seele, Wahrnehmung des Atems ist Wahrnehmung der Seele. Das mag seltsam klingen, dennoch ist es wahr. Atmet eine Leiche? Niemals, nur Lebendiges kann atmen. Die Bewegungen des Atems werden von der Seele gesteuert. Geht die Seele, stoppt der Atem. Doch der Mensch weiß nicht, wie man richtig atmet. Die Reinheit des Atems ist in der spirituellen Unterweisung ebenso wichtig wie die Reinheit der Nahrung und der Sinnesorgane. Ohne Reinheit des Atems bleibt die Wahrnehmung der Seele ein Traum.

In "Disziplinierung des Geistes" werden vier Methoden zur Reinigung des Atems beschrieben:

  1. Pranayama
    Pranayama bezeichnet die Regulierung des Atems. Wörtlich bedeutet es, Prana [feinstoffliche Lebenskraft, energetisierende, subtile Lebensenergie] dem Bereich der Bewusstseinsdimensionen hinzufügen und sie damit erweitern.
  2. Samavritti Svasa
    Samavritti Svasa bedeutet gleichmäßiges Atmen. Beim gleichmäßigen Atmen atmet man rhythmisch gleich lange ein und aus. Gleichlanges rhythmisches Ein- und Ausatmen gehört mit zu den Grundlagen der inneren Ausgeglichenheit. 
  3. Dirgha Svasa
    Dirgha Svasa ist das tiefe, natürliche Atmen. Unter natürlichem Atmen versteht man das tiefe, volle Atmen. Richtiges Atmen ist lang und tief. 
  4. Kayotsarga
    Kayotsarga ist die völlige Entspannung. Das Wort Kayotsarga hat hier zwei Bedeutungen, nämlich, den Körper entspannen und das Bewusstsein aktivieren.

Solange die Lebenskraft durch falsches Atmen eingeschränkt wird, gibt es keine Reinheit des Atems. Richtiges Atmen ist der Vorgang, der die äußeren und inneren Aspekte unserer Persönlichkeit entwickelt und sie in ein harmonisches Gleichgewicht bringt. Der Atem ist die Brücke zwischen den beiden Welten des Menschen, der inneren und der äußeren. Mir ist zu Ohren gekommen, dass in manchen Büchern das richtige Atemholen so beschrieben wird, dass die Brust sich weitet und der Bauch eingezogen wird. Wie konnte das passieren? Beim Einatmen dehnen sich beide, Bauch- und Brustraum, wenn sich der Bauch nicht ausdehnt, atmet man falsch. Die Atemvibrationen müssen sich bis zum Bauch fortsetzen. Es ist richtig, dass der Atem nicht über die Lunge hinausreicht. Unterhalb der Lunge befindet sich ein Muskel, das Zwerchfell, über den der Atem nicht hinaus wirken kann, weil es dort keine Passage für die Luft mehr gibt. Dennoch wirkt der Druck der gefüllten Lunge bis zum Nabel.

Beobachtet man ein schlafendes Kind, sieht man, wie sich mit jedem Atemzug der Bauch wölbt. Das ist richtiges Atmen. Doch das Kind wächst heran, sein Atem wird allmählich flacher und von gewalttätigen Impulsen und Emotionen beeinflusst. Zorn oder heftige Emotionen können in einem Menschen nicht aufsteigen, gewalttätige Handlungen nicht ausgeführt werden, ohne dass seine Atemzüge flacher und schneller werden. Die normale Rate von 15 bis 17 Atemzügen in der Minute steigert sich bis auf 50 oder 60 in Erregungszuständen. Zur Steigerung des Zorns müssen die Atemzüge kürzer werden. Es kann also keine gewalttätige Emotion ohne die zugehörige Bedingung entstehen. Im Zustand des tiefen Atmens ist Zorn schlicht unmöglich.

Richtiges Atmen unterstützt die Entwicklung der Persönlichkeit, falsches Atmen führt zu ihrer Auflösung. Diese Lektion müsste eigentlich zuallererst gelehrt und gelernt werden, doch wird sie nirgendwo erwähnt. In diesem Zusammenhang schlägt die auf Initiative von Acharya Tulsi gegründete Gesellschaft zur Entwicklung der Persönlichkeit, Tulsi Adhyatma Nidam, vor, die Ergebnisse der "Wissenschaft vom Leben" (Jeevan Vigyan) jedem interessierten Sucher zugänglich zu machen und sie Schulen, Forschungszentren und anderen Bildungsinstitutionen zur Verfügung zu stellen, denn der Mensch wird häufig aus Unwissenheit das Opfer schlechter Angewohnheiten und erliegt der Versuchung, sich Rechte und Besitz anderer anzueignen:

Ein Jugendlicher kam zum Doktor und dankte ihm überschwänglich für die Behandlung seiner Schwägerin. Der Arzt erkundigte sich nach dem Wohlbefinden der Patientin und wollte wissen, ob sie jetzt beschwerdefrei sei. Der Jugendliche sagte: "Oh ja, Herr Doktor! Sie ist jetzt völlig beschwerdefrei. Sie ist nicht nur ihre Leiden losgeworden, sondern auch gleich das Leben." - "Warum danken Sie mir dann?" - "Oh, Herr Doktor, wissen Sie’s denn nicht, ich bin ihr Erbe. All ihr Besitz gehört jetzt mir. Sie haben sie so gut behandelt, dass sie es nicht mehr lange gemacht hat. Anderenfalls hätte ich noch drei, vier Jahre auf meine Erbschaft warten müssen. Sie haben mir einen guten Dienst erwiesen. Danke."

Der Mensch heute lebt unter dem immensen Druck seiner Emotionen und weiß nicht, wie er sich entspannen kann. Die ständige Anspannung ist sein größtes Problem. Etwas geschieht, und er kriegt es nicht mehr aus dem Kopf. Er hört etwas, und der Knoten bleibt für immer in seinem Geist. Wer den Prozess der Atemreinigung kennt, ist an kein Ereignis mehr gebunden. Etwas geschieht, man erlebt es voll und ganz, wenn es vorbei ist, bleibt kein Rückstand. Es ist wie Schreiben im Wasser oder Sand und hinterlässt keine bleibenden Spuren. Man zieht eine Linie, aber sie bleibt nicht lange bestehen, auf Wasser gezogen, verschwindet sie sofort wieder, diejenige im Sand bleibt, bis sie der nächste Windhauch wegbläst. Doch wenn ein Gedanke oder ein Ereignis wie eine in Stein gehauene Linie im Geist wirkt, gibt es keine Rettung. In unserer Zeit hinterlässt auch das kleinste Geschehen schon dauerhafte Spuren im Geist.

Kayotsarga ist der einzige Weg, Spannungen aufzulösen, ruhig und klar zu werden und keinem Ereignis zu erlauben, eine bleibende Markierung im Geist zu hinterlassen. Niemals eine in Stein gehauene, nur eine im Wasser oder Sand gezogene Linie. Während man Kayotsarga praktiziert, wird der Atem von selbst entspannt und rein. Alle genannten vier Methoden sind in die Preksha Meditation integriert. Mit seiner Reinigung wirkt der Atem allmählich heilend, bis das Juwel der Wahrnehmung des Selbst, der Seele, immer transparenter wird. Es kommt der Tag, an dem man seiner transparenten Seele gegenübersteht.

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