Die Jainas [1927 W. Schubring] ► Einleitendes

Verfasst: 08.10.2012

 

Einleitendes

Zur Lehre Mahāvīras (gestorben wahrscheinlich 467 v. Chr.) bekennen sich seit alter Zeit die „weißgewandeten” und die „ungekleideten” Jainas (Śvetāmbara und Digambara) und seit etwa 4 ½ Jahrhunderten die „Sucher” (Ḍhuṇḍhiā oder Sthānakvāsī), eine reformatorische Sekte. Ein Kanon im hergebrachten Sinne ist von den beiden erstgenannten nur den Śvetāmbara eigen. Zustande kam er erst 980 Jahre nach Mahāvīras Tod durch ein zu Valabhī auf Kāṭhiāwāḍ in Gujarat abgehaltenes Konzil, das die ältesten, mindestens in das 3. Jh. v. Chr. zurückgehenden Texte mit jüngeren vereinigte und den Wortlaut annähernd sicherte. Die Grundtexte des Kanons sind die Anga und Uvanga. In den letzteren liegen teilweise bereits systematisch aufgebaute Darstellungen vor. Andere wichtigere Gruppen sind die Sammlungen der das Ordensleben regelnden Vorschriften und einige Texte, die zur Einführung in die Gedankenwelt und den Pflichtenkreis dienen sollen.

Diesem in Prakrit abgefaßten Kanon entstammt die nachstehende, nur das Notwendigste berücksichtigende Auswahl. Gelegentlich ist die älteste, in sparsamem Sūtra-Stil geschriebene Sanskrit-Dogmatik des Umāsvāti (vor der Mitte des 6. Jh.) herangezogen worden, wenn sich in ihr bemerkenswerte Angaben vorfanden, die sich dem Kanon, auf den sie natürlich zurückgehen, nicht in der gebotenen Kürze entnehmen ließen. Auch die kanonischen Werke haben in ihren dogmatischen Teilen einen besonderen Stil ausgebildet. Nach dem Muster des ursprünglich wohl historischen Wechsels von Frage und Antwort zwischen verschiedenen Jüngern Mahāvīras und diesem selbst ist alle Dogmatik als Antwort Mahāvīras auf Fragen seines Hauptjüngers Goyama dargestellt worden. In der Übersetzung kann diese Form nicht beibehalten werden, weil dies zur beständigen Wiederholung führen würde, indem die Frage den Inhalt der Auskunft vorwegzunehmen und dieser nur die gleichlautende Bestätigung übrig zu lassen pflegt. Die Stellen aus der Viyāhapannatti (dem 5. Anga), der Pannavaṇā (dem 4. Uvanga) und z. T. auch dem Uvavāiya (dem 1. Uvanga) erscheinen daher als einfache Aussagen. Andere, nach dem Stil der Texte an sich erforderliche Wiederholungen und Umständlichkeiten konnten durch runde Klammern vermieden werden. Anderseits waren an den zahlreichen Stellen, wo Grammatik und Sinn Ergänzungen erforderten, eckige Klammern zu setzen. Für die Wiedergabe der technischen Ausdrücke diente im ganzen Jacobis Übersetzung von Umāsvātis Dogmatik als Vorbild.

Der Verfasser, der die Lehre der Jainas u. a. in dem Sammelwerk „Das Licht des Ostens” (1923) S. 118-139 behandelt hat, schließt sich nachstehend an die Darstellung durch Konow in Chantepie de la Saussayes Lehrbuch der Religionsgeschichte II § 12 (1925) an, wo weitere Literatur verzeichnet ist. Nachträglich ist zu nennen v. Glasenapp, Der Jainismus (1925).

 

Zur Aussprache:

c und j konnen wie tsch und dsch, ṭ, ḍ, ṇ und ś wie t, d, n und sch gesprochen wer­den, y wie deutsches j; ṃ ist französischer Nasal.

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