Das Gespür für Wachstum : Die Intention zu wachsen

Autor*in:  Image of Hermann KuhnHermann Kuhn
Veröffentlicht: 25.08.2014

Die vierte Freiheit wird im herkömmlichen Sinne als 'die Einschränkung sexueller Aktivität' interpretiert. Diese restriktive Interpretation entspricht jedoch nicht der Dynamik, mit der die anderen vier Freiheiten die Expansion unseres Erfahrungs- und Wirkungsbereiches unterstützen.

Das Sanskritwort 'brahma', das diese Freiheit definiert, bedeutet 'Wachstum', 'Evolution', 'Expansion'. Es enthält keinen wie auch immer gearteten Bezug zu sexuellen Sinneserfahrungen.[9]

In keinem der alten Werke ließ sich eine fundierte Erklärung finden, warum gerade die Beschränkung einer speziellen Sinnes­erfahrung geistiges Wachstum hervorbringen soll. Die wenigen dogmatischen Aussagen zu diesem Thema entsprechen nicht der Präzision dieses uralten Wissens, das normalerweise äußerst detaillierte Erklärungen bietet.

Aus diesen Gründen liegt die Vermutung nahe, daß das Wort brahma während der ca. 800 Jahre, die zwischen dem Lehren Mahavirs (557 bis 527 v.Chr.) und der Niederschrift des Tattvarthasutra (ca. 200 n.Chr.) liegen, einen Bedeutungswandel erfahren hat, wie es in der Geschichte des Sanskrit mehrfach geschah.

Wenn wir von seiner ursprünglichen Bedeutung ('Wachstum', 'Expansion') ausgehen, läßt sich abrahma als 'die Abneigung zu wachsen' verstehen. Freiheit von dieser Abneigung ist daher 'die Intention, Wachstum zu erfahren'. Diese Interpretation entspricht dem auf dynamische Expansion ausgerichteten Wissen der Jains weit mehr, als die Beschränkung des Begriffes nur auf Sexualität.

Selbstverständlich steht es jedem frei, abrahma im herkömmlichen Sinne zu interpretieren. In unserer modernen Welt wäre dies 'die Freiheit von dem Zwang, sich ständig (neue) Sexualpartner suchen zu müssen'. Es wird jedoch empfohlen zu prüfen, ob eine Umsetzung dieser Interpretation in der Praxis auch die gewünschte Erweiterung unseres Bewußtseins hervorbringt.

Doch unabhängig davon, wie wir dies bewerten, - 'unsere Bereitschaft zu wachsen' ist in jedem Fall das Kernelement jeden Weges zur endgültigen Freiheit (moksa).

Tiefe Enttäuschungen oder Schocks lösen oft eine Suche nach neuen Lebensinhalten aus. Eine permanente Veränderung unserer Lebensrichtung erreichen wir jedoch nur dann, wenn wir diesem Impuls auch aktiv folgen - es genügt nicht, nur eine Sehnsucht nach Veränderung zu fühlen.

Fußnoten
9:

Zum Vorkommen im Text springen

Quellen
Titel: Das Gespür für Wachstum Ausgabe: 1999, 2000 Verlag: Crosswind Publishing, 31505 Wunstorf ISBN: 3-9806211-7-0 HN4U Online Edition: 2014

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