07.02.2013 ►Berlin - Delhi - Adhyatma Sadhana Kendra

Autor*in:  Image of Carla GeerdesCarla Geerdes
Veröffentlicht: 16.03.2013
Aktualisiert: 21.03.2013

13.02.07 Berlin Tegel 0138

Abflugbereich des Flughafens Berlin Tegel, die Maschine nach London Heathrow startete gegen 11:30h deutscher Zeit. Das Wetter war für die Jahreszeit erträglich, 5°C mit sonnigen Abschnitten. Einer der ersten Tage des Jahres 2013, an dem sich hier die Sonne zeigte.

Von Berlin aus gibt es keine direkte Flugverbindung nach Delhi, obwohl die Überschrift das vielleicht suggeriert. Entweder man fliegt über Istanbul und ist somit gleich in Richtung Osten unterwegs, oder man macht einen gefühlten Umweg von ca. 4 Stunden Flugzeit auf dem Hin- und Rückflug in westlicher Richtung. Die Ostroute über Moskau ist seit einigen Jahren nicht mehr so beliebt.


13.02.07 London Heathrow 0141

Die Zeit auf dem Flughafen Heathrow nutzten wir für die letzte „anständige“ Tasse Kaffee vor Delhi. Hier war es sogar noch etwas wärmer als in Berlin, ca. 8°C bei leichter Bewölkung. Ach, ein Foto?

13.02.07 London Heathrow 0143

Na so was, noch ein Foto! Habe gerade unsere vom letzten Transit übrigen britischen Pfund in zwei Kaffees investiert und mit dem Rest die Spendenbox gefüllt.

13.02.07 London Heathrow 0145
Für das dritte Foto in Heathrow möchte ich aber fotogerecht lächeln und gefasst dem entgegenschauen, was uns da wieder in Indien erwartet. Wer weiß, mir soll aber alles recht sein.

13.02.07 London Heathrow 0151

Bye, bye, bis bald! Hoffentlich ist es in Indien wärmer… Obwohl der Januar immer sehr kalt war, aber vielleicht ist der Februar wärmer?

13.02.07 London Heathrow Boarding 0154

Im Flieger war es jedenfalls angenehm, gerade richtig temperiert, und mit gut genutztem Unterhaltungsprogramm. Beim Filmeschauen vergisst man ganz, wo man ist, außer man ruft die Flugdaten auf.

In unserem Fall ging es diesmal über London, weil die britische Airline bereit war, uns von Dubai über London nach Berlin zurückzufliegen. In Dubai wollten wir der schon seit langem ausgesprochenen Einladung von Freunden folgen, und das war der krönende Abschluss unserer Indienreise. Doch der Reihe nach, an diesem 07. Februar begann unsere 6. gemeinsame spirituelle Reise nach Indien.

Das Vorhaben für diese Reise war schon etwa ein Jahr zuvor auf den Weg gebracht worden. Acharya Mahashraman hatte mir den spirituellen Titel „Kalyan Mitra“ verliehen. Acharya Mahashraman ist das spirituelle Oberhaupt der Jain Svetambara Terapanth, deren Gemeinschaft wir beide, Christian Geerdes und ich, angehören. Kalyan Mitra bedeutet so viel wie „Förderin des (spirituellen) Wohls der Gemeinschaft“. Während des seit 1865 alljährlich zelebrierten „Festes der Regeln“ – Maryada Mahotsav – 2012 in Amet, Region Mewar des indischen Bundesstaates Rajasthan, hatte Acharya Mahashraman die Verleihung des Ehrentitels an mich bekanntgegeben. Zwar war ich unter den Anwesenden, hatte jedoch erst später davon erfahren, dass die Ehrung mir galt! Es hieß nur, eine Frau aus Deutschland sei geehrt worden. Auf der Suche nach der Geehrten sprach mich eine Nonne an, ob ich mich schon bedankt hätte. So erfuhr ich von der Ehrung.

Die Veranstaltungssprache war natürlich Hindi, das ich nicht beherrsche. Die englischen Sprachkenntnisse der in meiner Nähe sitzenden Frauen entsprachen in etwa meinen Kenntnissen in Hindi, was vieles erklärt. Zudem nahmen sie mich nicht als „fremd“ wahr, sie informierten eben eine der ihren darüber, dass eine Frau aus Deutschland geehrt worden war. Im Nachhinein ist mir klar, woran das liegt. Ich fühlte und fühle mich als Teil der Gemeinschaft, so wie alle anderen auch. Nichts war und ist mir fremd, wenn ich in Indien bin, alles scheint auf seltsame Weise vertraut und ist doch so anders als alles, was ich kenne. Vielleicht empfinde ich deshalb die Indienreisen immer als sehr anstrengend, egal, was ich plane und wie „angenehm“ ich sie mir im Vorhinein zu gestalten denke. Es kommt immer anders, ist überraschend und auf angenehme Weise abenteuerlich. Obwohl die Planungen immer exakt umgesetzt werden können dank der Unterstützung, die unsere indischen Freunde uns geben. Diese Unterstützung ist kritiklos und immer darauf bedacht, das, was wir vorhaben, zu realisieren. Auch wenn Daten, die wir haben, nicht stimmen. Es wird akzeptiert und nicht kritisiert. Angenehm, aber auch gewöhnungsbedürftig. Kein Korrektiv. Macht aber großen Spaß. Besonders, wenn man seine Irrtümer entdeckt! Nur zu empfehlen. Oft frage ich mich, ob das daran liegt, dass in Kritik immer auch Gewalt mitschwingt. Die Gewalt nämlich, seine Sichtweise der Dinge anderen möglichst als Leitlinie zu offenbaren. Doch stets kommt mir dann Kritik und das Recht dazu als freie Meinungsäußerung in jeder Demokratie in den Sinn.

Mir sollte es aber nicht noch einmal passieren, dass ich nicht weiß, was geschieht, obwohl ich mitten im Geschehen stecke. Deshalb hatte ich mich bei einem mir bekannten Mönch aus der Umgebung Acharya Mahashramans erkundigt, wie die Gemeinschaft mit einer derartigen Ehrung umgeht. Die lakonische Antwort lautete, dass ich einfach nur zum kommenden 149. Maryada Mahotsav kommen müsste. Damit war das Vorhaben für eine Indienreise ins Auge gefasst und erhielt mit Voranschreiten des Vorjahres immer mehr den Status „wichtiges Projekt“. Unser Freund Rajendra Bengani, der in Dubai lebt, klärte uns dankenswerterweise über den Ablauf auf. Wir hatten per email Dokumente auf Hindi erhalten, die er uns übersetzte. Außerdem informierte er uns über wissenswerte Details hinsichtlich der Zeremonie, bei der mir die Ehrung in Tapra überreicht werden sollte.

Eine Zeremonie hatte ich mir nicht vorgestellt, da waren wir schon sehr gespannt. Angenommen hatte ich, dass eine spirituelle Ehrung mehr virtuell, also „im Spirit“ und nicht in einer materiell und sinnlich erfahrbaren Zeremonie ablaufen würde. Aber da hatte ich die Terapanthi weit unterschätzt. Doch das wird ein späterer Bericht.

Anfang 2013 haben wir dann die Flüge gebucht.

Maryada Mahotsav dauert drei Tage. Indien für eine Woche? Das mochten wir gar nicht weiter vertiefen. Also entstand nach und nach der Plan für eine Tour, die wir anhand sehenswerter Jain Tempel nahe Tapra, dann in der Region der Bhatti Rajputen (Jaisalmer) und schließlich des kriegerischen Rajputenfürstentums Marwar (Jodhpur) zusammenstellten. Tapra war und ist ein winziger Ort am Rand der SH 28 (State Highway, Landstraßen in einem Staat der Indischen Union, welche der Landeshoheit unterstellt sind und wichtige Knotenpunkte eines Staates miteinander verbinden) zwischen Balotra und Sindari im Bezirk Barmer des Unionsstaates Rajasthan. Der Bezirk Barmer grenzt im Norden an die Bezirke Jaisalmer und Jodhpur.

13.02.08 Delhi IGI Airport 0155

Zuverlässig wartete Mr. Kirpassankar vor dem Flughafen auf uns. Nur Passagiere mit ausgedrucktem Ticket dürfen in Indien die Flughäfen betreten. Abholer müssen draußen bleiben. Man beachte Mr. Kirpassankars warme Jacke und die Mütze, ein untrügliches Zeichen für die kalte Jahreszeit, und das relativ wenige Gepäck, 16 bzw. 17kg.!

An diesem 07. Februar nun machten wir uns auf den Weg, voller Vorfreude auf das Kommende. Die Landung morgens gegen 05:00 war fast pünktlich. Allerdings bemerkte Mr. Kirpassankar, der von Swami Dharmanand ji beauftragt worden war, uns vom Flughafen abzuholen, eine gute Stunde in Dunkelheit und Kälte auf uns gewartet zu haben. DANKE!

13.02.08 Delhi IGI Airport 0162

So schick ist der IGI [Indira Ghandi International]Airport jetzt!

13.02.08 Delhi IGI Airport Leaving 0164

Eine neue autobahnähnliche achtspurige Straße führt vom Flughafen in alle Richtungen. Vorher war sie vierspurig, ganz früher zweispurig. Linksverkehr!

Indessen konnten wir nur staunen, wie sehr der Flughafen inzwischen dem internationalen Standard entsprach und auf Plakaten stolz warb, weltweit die Nummer 2 zu sein. Alles schick und glänzend, vollkommen durchdesignt. Zudem wohl auch eine gute Auslastung, umgeben von Hotelrohbauten und nagelneuen Autostraßen. Vorher waren dort nur Slums. Wo wohl deren Bewohner geblieben sind? Das sollten wir bald erfahren.

Als wir das Adhyatma Sadhana Kendra erreichten, war es immer noch dunkel. Tiefe Ruhe, doch was war das, was wir schemenhaft erkennen konnten? Ach ja, wir waren von Swami Dharmanand ji vorgewarnt worden, dass einige Neubauten im Entstehen begriffen waren. Baumaterialien und Eisenstangen lagen aufgeschichtet in der Einfahrt, mit dem Auto kamen wir gerade noch durch. Wir allerdings hatten nach 24 Stunden Unterwegssein nur noch den Wunsch, uns ausstrecken und schlafen zu können. Das taten wir erst mal, bis unüberhörbar an unsere Tür geklopft wurde. Frühstück mit Dharmanand ji und Nirmala ji, seiner Frau, ein schönes Willkommen.

13.02.08 Delhi Adhyatma Sadhana Kendra 0908

Die Morgensonne bescheint die Hanuman Statue auf dem Tempelgelände gegenüber und den Bauplatz.

13.02.08 Delhi Adhyatma Sadhana Kendra 0182

Morgens ist es noch kalt, trotz körperlicher Arbeit hüllen sich alle noch in warme Decken.

13.02.08 Delhi Adhyatma Sadhana Kendra 0910

Eine Baustelle ist zwar kein Kinderspielplatz, aber wenn alle aufpassen, geht das schon. Später müssen die Kinder sowieso aus dem Weg sein.

13.02.08 Delhi Adhyatma Sadhana Kendra 0911

Doch noch können sie so schön mit Sand, Steinen und Wasser spielen, mitten auf dem Weg.

Jetzt war es Tag, und wir konnten den ganzen Umfang der Bauarbeiten erkennen. Neben der sechseckigen Meditationshalle – eine Anregung von Acharya Tulsi - hatte es ein Gebäude gegeben, in dessen Erdgeschoß die Acharya Tulsi und Acharya Mahapragya mehrfach ihren Chaturmas verbracht hatten und wo seit Anfang der 1970er Jahre Mönche, Nonnen oder Samanis untergebracht waren, wenn sie für einige Zeit im ASK in Delhi waren. In den beiden oberen Etagen befanden sich Konferenzräume und 2 große Meditationssäle. Hier hatte auch 1971 das legendäre erste Preksha Meditationscamp kurz nach Fertigstellung des Gebäudes stattgefunden.

13.02.08 Delhi Adhyatma Sadhana Kendra 0186

Das ist der kümmerliche Rest!

13.02.08 Delhi Adhyatma Sadhana Kendra 0179

Blick von der Rezeption auf den Eingangsbereich in Richtung Chhattarpur Road, hinter den Bäumen links erahnt man mehr, als man sie sieht, die Hanuman Statue.

13.02.08 Delhi Adhyatma Sadhana Kendra 0177

Die im Jahre 2005 errichteten Neubauten werden für soziale Zwecke wie Hochzeitsfeiern genutzt. Die Musiker auf dem Foto begleiteten die am Tag unserer Ankunft stattfindende Hochzeitsfeier. Damit die Blicke der Feiernden nicht durch den Anblick der Baustelle gestört werden, waren Vorhänge als Sichtblenden angebracht.

Zugegeben, die Fertigbau-Betonarchitektur der 1970er Jahre gefällt nicht jedem, doch mit einer vernünftigen Sanierung hätten die historischen Gebäude sicher erhalten werden und den Besuchern einen unmittelbaren Eindruck von den Anfängen der Preksha Meditation und zwei inzwischen legendären Terapanth Acharyas vermitteln können. Ganz zu schweigen von den Bäumen im Eingangsbereich, die sich gerade von den Folgen des letzten Ausbaus (zwei Neubauten im hinteren Areal des Gebäudekomplexes) zu erholen begannen. Auch sie müssen den Neubauten der Freiluft-Versammlungshalle und des erwähnten Gebäudes weichen. Von diesem Gebäude hatte es einen überdachten Übergang zur Freiluft-Versammlungshalle gegeben, damit die Acharyas nicht vom Regen daran gehindert werden können, ihre täglichen Vorträge zu halten. Bei Regen sind sie und alle anderen Jain Mönche nicht unterwegs, damit die als Ansammlung von Wasserlebewesen angesehenen Regentropfen beim Auftreffen auf ihre Haut keinen Schaden nehmen. Das ist auch einer der Gründe, warum Jain Mönche in der Monsunzeit nicht unterwegs sind.      

Uns fiel es schwer, die Entscheidung der „Trustees“ nachzuvollziehen, dass die historischen Gebäude abzureißen seien. Die vielen mit dem Gebäude verbundenen unmittelbaren Erinnerungen und tiefgehenden spirituellen Erfahrungen wurden damit hoffentlich nicht dem Vergessen preisgegeben. Natürlich ist das einzig Permanente im Leben der Wandel, wie Acharya Mahapragya es so zutreffend formuliert hatte. Jedoch sollte auch der Vergangenheit ein gebührender Platz eingeräumt werden, was sich manchmal im Erhalt von historischen Gebäuden zeigt.

13.02.08 Delhi Adhyatma Sadhana Kendra 0916

Wiedersehen mit alten Bekannten, von l. n. r.: Carla Geerdes, Swami Dharmanand ji, ein früherer Yogalehrer aus dem Adhyatma Sadhana Kendra, den ich bei meinem ersten Besuch hier vor 13 Jahren traf, und ein Bewohner des Kendras, der als Uhrmacher in den 1980er Jahren zweimal zu mehrwöchigen Weiterbildungsaufenthalten in Pforzheim war und sich immer noch an einige deutsche Sätze erinnert.

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Fotos: HereNow4U
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