Meditieren - warum?: Realisierung des Selbst & Preksha Meditation (1)

Veröffentlicht: 24.12.2012

Wir haben uns auf die Wahrnehmung des Atems konzentriert, doch ist der Atem nicht die Seele. Wir haben uns auf die Wahrnehmung des Körpers konzentriert, doch ist der Körper nicht die Seele. Wir haben eine Reise nach innen angetreten, doch auch die Reise ins Innere ist nicht die Seele. Unsere Erfahrungen mit dem Atem, dem Körper und während der inneren Reise sind wie Meilensteine auf dem Weg zum Ziel. Preksha Meditation ist letztendlich darauf gerichtet, die feinen Vibrationen der Seele wahrzunehmen.

Man mag sich fragen, warum wir uns auf die Wahrnehmung des Atem und das Strömen der Lebensenergie im Körper konzentrieren, über Farben meditieren, während wir uns auf bestimmte Teile des Körpers konzentrieren, wenn doch unser Ziel ist, die Seele zu erreichen. Die Antwort ist nicht schwer. Wer einen bestimmten Raum in einem Gebäude erreichen möchte, betritt erst einmal das Gebäude durch den Eingang. Dort orientiert man sich, wo der gesuchte Raum liegt, und geht dann dorthin, wo der Raum sich befindet. Niemand kann den Raum erreichen, ohne das Gebäude durch den Eingang betreten zu haben. Wenn wir die Seele erreichen möchten, müssen wir den Eingang benutzen. Der Körper ist das Tor zur Seele. Der Körper ist das Haus, in dem die Seele wohnt. Von weitem kann man nur das Haus sehen. Um den Bewohner erkennen zu können, muss man näher kommen.

Wir beginnen mit der Wahrnehmung des Körpers. Ohne ihn können wir die Seele nicht erfassen. Integraler Bestandteil des Körpers ist der Atem, deshalb nehmen wir ihn war. Diese Wahrnehmung ist die Kunst, die wir beherrschen müssen, um ans Ziel gelangen zu können. Bharat Chakravarti, Sohn des 1. Tirthankara Rishabha, trocknete sich gerade das Gesicht, als sein Blick zufällig auf sein Spiegelbild fiel und er erkannte, wer und was er ist. In den Agamas wird geschildert, dass dies der Moment war, in dem er Allwissenheit erlangte. Sein Gesicht hatte er schon häufig im Spiegel gesehen, doch in diesem Moment transformierte er sich. Es gibt eine Übung der spirituellen Yogapraxis, in der man sich auf sein Gesicht im Spiegel konzentriert und es genau anschaut. Beginnt man darüber zu meditieren, erkennt man nach einer Weile die eigene Aura, nimmt sie immer tiefergehender wahr, bis man Einblick in die Schönheit der inneren Welt erhält, obwohl man sich ursprünglich von außen betrachtet hat.

Damit verändert sich auch die Sichtweise und man betrachtet den Körper mit anderen Augen. Meiner Auffassung nach ist die Wahrnehmung des Körpers das Initial für tiefe Meditation. Darauf folgt die Wahrnehmung der psychischen Zentren im Körper. Im Ayurveda wird davon ausgegangen, dass es ca. 150 psychische Zentren im Körper gibt. In der Preksha Meditation konzentrieren wir uns auf 13 entlang der Wirbelsäule bis zum höchsten Punkt des Schädels.

Die psychischen Zentren sind Vitalzentren im Körper, an denen sich die Seele besonders intensiv manifestiert. Im Hathayoga heißt ein solcher Vitalpunkt Chakra. Meditiert man über diese Vitalzentren, macht man große Fortschritte in der spirituellen Entwicklung. Wird der Körper im Bereich der Vitalzentren verletzt, führt das sehr häufig zum sofortigen Tod eines Menschen.

Die Wahrnehmung der Vibrationen und Empfindungen im Körper fördert die Fähigkeit des Geistes, bei einer Sache zu verweilen und sich in das Wahrgenommene zu vertiefen. Auf diesem Weg vom Groben zum Feinen verfeinert sich die Struktur des Bewusstseins, und es wird immer subtiler. Wir erleben direkt, wo die Intensität der Seele besonders stark im Körper empfunden werden kann. Die Wahrnehmung der psychischen Zentren fördert nicht nur die Verfeinerung des Bewusstseins, sondern wirkt besänftigend auf die Emotionen und stimuliert das spontane geistige Erfassen des Wesens einer Sache mit den intuitiven Fähigkeiten.

Quellen

Englischer Titel:
Why Meditate?

Redaktion:
Muni Dhananjay Kumar

Herausgeber:
2005 Jain Vishva Bharati
Institute, ©2005

Übersetzung ins Englische:
2005 Samani Charitra Pragya,
Neeraja Raghavan, Sudhamahi
Regunathan

Übertragung ins Deutsche:
2008 Carla Geerdes
2012 Überarbeitete Fassung
Carla Geerdes

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