Geheimnisse des Geistes: Das verborgene Leben der Seele (1)

Veröffentlicht: 05.11.2012

  • Für den Durchschnittsmenschen besteht die Welt aus Farbe, Klang und Hitze.

  • Für den Wissenschaftler besteht die Welt aus Raum, Zeit und Energie.

  • Für den spirituellen Menschen besteht die Welt aus Schwingungen des Bewussten und Unbewussten.

  • Der Mensch lässt sich durch Energieimpulse seines Körpers aktivieren.

  • Durch die spirituelle Praxis können wir die in unserem Körper erzeugten Energieimpulse dahingehend steuern, dass wir ihre Anzahl steigern. Wer das realisiert, kennt das Mysterium der Spiritualität.

  •  Farbmeditation versetzt uns in einen Zustand, in dem keine Energieimpulse erzeugt werden.

  • Dieser  Zustand manifestiert sich:
    • In der Beruhigung des Geistes
    • In zunehmender Aktivität der psychischen Zentren (Bewusstseinszentren im Körper)

  • Es gibt fünf Methoden, die es ermöglichen, einen transzendentalen Zustand zu erreichen.

Betrachten wir einmal eine Zitrone. Wir sehen ihre Farbe und Form, nehmen ihren Geruch wahr, den Geschmack, und wie sie sich anfühlt. Objekte werden von den Sinnesorganen erkannt, bzw. durch Berührung, Geruch, Geschmack, Farbe und Form. Doch damit begreifen wir nicht die Zitrone an sich, sondern nur ihre Modifikationen. Jedes Sinnesorgan kann nur eine Modifikation erfassen, die Augen Farbe und Form, die Nase den Geruch, die Haut, wie sie sich anfühlt, die Zunge den Geschmack. Was aber ist das Objekt an sich, dessen Modifikationen die Sinnesorgane erfassen? Was ist seine wahre Natur? Seit Jahrhunderten versuchen Wissenschaftler die Essenz von Objekten zu verstehen. Man weiß, aus welchen Partikeln Objekte bestehen, doch die wahre Natur der Objekte können wir mit unseren wissenschaftlichen Untersuchungsmethoden nicht erfassen.

Seit Jahrtausenden bemühen sich die Philosophen erfolglos, die Grundsubstanz des Universums zu verstehen. Diese ist so schwer zu erkennen, weil das Universum aus Schwingungen besteht, die selbst nur eine Modifikation der Grundsubstanz sind. Die Grundsubstanz ist die Ursache der Schwingungen und Modifikationen. Unsere Sinnesorgane sind Modifikationen dieser Substanz oder ihrer Schwingungen und können deshalb auch nur ihre Schwingungen und Modifikationen erfassen. Jedes von ihnen kann nur eine einzige Modifikation der Substanz oder ihrer Schwingungen erfassen. Kein Sinnesorgan ist imstande, die hinter den Schwingungen oder Modifikationen liegende Ursache zu erfassen. Deshalb bleibt uns die Ursache verborgen. Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass hinter den Schwingungen nichts ist. Doch beide, Forschungsgegenstand und Forscher, sind selbst nichts anderes als Schwingungen.

Die Frage nach der Ursache der Schwingungen ist schon Ausdruck einer falschen Herangehensweise. Beispielsweise besteht der Atem, die Grundlage unseres Lebens, aus Schwingungen. Wir nehmen immer an, dass unsere Körper massiv sind. Dem ist nicht so, er besteht aus subtilen Schwingungen. Diese können wir über Anitya Anupreksha wahrnehmen. Wir nehmen auch an, dass unsere Knochen massiv sind. Doch das ist nicht wahr. Die Knochen haben Poren. Betrachten wir sie durch Mikroskop, sehen wir ein Netzwerk von Löchern. Wir nehmen an, dass eine Wand massiv ist. Das stimmt nicht. Sie besteht aus unzähligen winzigen Partikeln. In jedem Objekt finden sich Löcher oder Poren oder Flüssigkeit. Diese Modifikationen sind so zahlreich, dass wir nicht zur ursprünglichen Substanz durchdringen können. 

Wie der Körper besteht auch der Geist aus einer Abfolge von Schwingungen. Was immer wir durch ein aus Schwingungen bestehendes Medium erkennen, besteht ebenfalls nur aus Schwingungen. Das Medium der Erkenntnis bestimmt die Natur des Erkannten. Wenn wir die Schwingungen verstehen, verstehen wir nichts von ihrer Ursache. Wir können also mithilfe des Körpers – z.B. über den Atem und die Sinnesorgane - und des Geistes nicht die Ursache für die Modifikationen erkennen. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass man bisher noch keine Substanz wie die Seele erkannt hat. Unsere Methoden der Erkenntnis erlauben keine Aussagen über die Existenz einer Substanz, die unser Erkenntnisvermögen übersteigt.

Wenn wir über den Geist zu Erkenntnissen über eine Substanz gelangen, die sein Verständnis übersteigt, sind diese Erkenntnisse lediglich seine eigenen Produkte. Wie soll der Verstand das erkennen können, was über seine Grenzen hinausreicht? Der Verstand kennt nichts außer sich selbst. Er ist ein Aufnahmemedium, das mit dem Aufgenommenen kommuniziert. Doch leider haben wir dem Verstand die Vorstellung suggeriert, dass es Dinge gibt, die er nicht erfassen kann. Für diese Vorstellung kann es keinen Beweis geben, denn alle Beweise sind mentale Hilfskonstruktionen.

Man kann sagen, dass auch die Meditation eine Schwingung des Geistes ist und keine neuen Erkenntnisse liefert. Wir sind so mit der Welt der Modifikationen und Schwingungen verwoben, dass wir nicht in der Lage sind, deren Ursache zu erfassen. Durch diese Einschränkung sind wir dazu gezwungen uns auf die Suche nach der Seele zu Begeben. Das ist der Ansatzpunkt unserer spirituellen Suche. Wir halten also fest:

  1. Es gibt Schwingungen, aus denen sich unser Wissen zusammensetzt, und
  2. es gibt eine Ursache für diese Schwingungen.

Man hat sich die Frage gestellt, ob die Schwingungen, aus denen die Welt unseres empirischen Wissens besteht, angehalten werden können. Meditierende Yogis haben das bejaht. Wer sich ernsthaft mit der Frage befasst hat, musste ihnen recht geben. Der Atem ist eine Aufeinanderfolge von Schwingungen, und man kann ihn anhalten. Untersuchungen haben bestätigt, dass man die Atemfrequenz von 15 Atemzügen in der Minuten auf bis zu 5 reduzieren kann. In der Yogawissenschaft finden sich Beschreibungen, in denen geschildert wird, dass die Atemfolge auf ein Jahr, ja sogar 12 Jahre verlangsamt werden kann, und der Praktizierende am Leben geblieben ist. Fest steht, dass die Atemfolge kontrolliert werden kann. In der Mahaprana Meditation wird der Atem vollständig angehalten, und der Meditierende gelangt in einen Zustand vollkommener Atemlosigkeit. Es gibt eine Reihe anderer Meditationsmethoden, in denen das auch praktiziert wird.

Der menschliche Körper besteht aus Schwingungen, die soweit unter Kontrolle gebracht werden können, dass er in einen todesähnlichen Zustand verfällt. Auch der Geist besteht aus Schwingungen, die kontrolliert und beherrscht werden können. Sie werden langsamer und hören auf, wenn man meditiert. Über ein Jahr kann der Geist unbeweglich verharren. Die Annahme, dass die mentalen Prozesse angehalten werden können, war der Ausgangspunkt für die Suche nach der Grundsubstanz hinter allen mentalen Prozessen. Das führte dazu, dass Übungen entwickelt wurden, mit denen man Gefühle und Gedanken zurückhalten und der Unbeständigkeit des Geistes entgegenwirken kann. Das erst machte dem Menschen die Existenz einer Substanz, die über den Geist hinausreicht, bewusst.

Aus philosophischer Sicht kann man sagen, dass hinter den Schwingungen nichts ist. Selbst die Seele ist nicht die Ursache aller Schwingungen. Diesen Punkt wollen wir einmal näher betrachten. Es gibt zwei Arten von Modifikationen, natürliche und künstliche. Substanzen unterziehen sich ständig wechselnden, natürlichen Modifikationen. In einem endlosen Prozess macht jede Modifikation einer anderen Platz. Diesen Prozess können wir nicht aufhalten. Die künstlichen Modifikationen allerdings können wir stoppen. Sie entstehen durch äußere Einwirkung auf den Geist und verstärken seine Unsicherheit. Gelingt es uns, diese Zweifel an seinen Fähigkeiten aufzulösen, gelangen wir in den Bereich hinter den Schwingungen.

Quellen
Englischer Titel:
The Mysteries Of Mind Redaktion:
Muni Mahendra Kumar Herausgeber:
Jain Vishva Bharati Ladnun, India 2. Edition: 2002 Übertragung ins Deutsche:
2006 Carla Geerdes
2012 Überarbeitete Fassung
Carla Geerdes

http://de.herenow4u.net/fileadmin/cms/Buecher/Geheimnisse_des_Geistes/Acharya_Mahaprajna_-_Geheimnisse_des_Geistes_200.jpg

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  1. Anupreksha
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