Geheimnisse des Geistes: Ausgeglichenheit des Geistes (2)

Veröffentlicht: 09.10.2012

Der unter nervösen Spannungen leidende Mensch unserer Zeit ist nicht in der Lage, seine Spiritualität zu erkennen und in seinem Leben zu realisieren. Anstatt sich den Quellen ewig währender Freude in seinem Inneren zuzuwenden, läuft er bedauerlicherweise den zeitlich begrenzten Freuden hinterher, die materielle Objekte bieten können. Doch sobald er zu meditieren beginnt und sich in der Folge seine Nerven und sein Geist beruhigen und seine Drüsensekretionen ins Gleichgewicht kommen, erlebt er eine anhaltende, ja sich steigernde Freude am Leben. Er lässt sich nicht mehr in die Irre führen und von materiellen Objekten umzingeln.

Eine alte Frau suchte einmal draußen nach einer Nadel, die ihr in ihrem Zimmer heruntergefallen war. Als spielende Kinder sie fragten, wonach sie suche, entgegnete sie, dass sie in ihrem Zimmer eine Nadel fallengelassen habe, es dort aber zu dunkel sei, etwas zu erkennen, weshalb sie auf der Strasse weitersuche.

Acharya Bikshu erzählte die folgende Geschichte:

Ein Mann kam wegen seiner Augenbeschwerden zu einem Arzt. Dieser gab ihm eine Salbe mit. Nach einiger Zeit traf der Arzt den Patienten auf der Strasse und fragte ihn, ob seine Augen mit der Salbe behandelt habe. Dieser verneinte und antwortete auf die erstaunte Frage des Arztes: „Die Salbe hat so in meinen Augen gebrannt. Deshalb habe ich mir den Rücken damit eingerieben, dort hat sie nicht so gebrannt.“

Eine weitere Geschichte:

Ein Kamel und ein Ochse standen nebeneinander in einem kleinen Stall. Ein Tierarzt war zu dem Kamel gerufen worden, weil es sich etwas eingetreten hatte, das mit einem heißen Eisen ausgebrannt werden musste. Doch statt des Kamels behandelte der Tierarzt den Ochsen mit dem heißen Eisen. Als der Besitzer fragte, warum er nicht das Kamel behandle, meinte der Tierarzt: „Bei dem Kamel komme ich an die Stelle nicht heran.“

Wir handeln genauso wie die Menschen in den Geschichten. Schauen wir doch einmal auf die Konsequenzen unserer Narrheiten.

Man kann sich kaum vorstellen, wie viele widersprüchliche Handlungen wir im Laufe unseres Lebens begehen. Über andere lachen wir, wenn wir sie Dinge tun sehen, die wir selbst unbewusst genauso machen. Beispielsweise liegt die Quelle aller Freuden in unserem Inneren, doch suchen wir sie genau wie die alte Frau aus der ersten Geschichte immer nur außen. Erst durch unsere spirituelle Praxis machen wir dem närrischen Treiben ein Ende. Sie bringt uns darauf, die Quellen des Glücks und der Freude in uns zu suchen und nur jene materiellen Dinge zu nutzen, die wir für unser tägliches Leben wirklich brauchen..

Der Mensch braucht zweierlei, materielle Dinge für seine materiellen Bedürfnisse und spirituelle Betätigung, die ihm dauerhaft Freude und Glück geben kann. Doch wir verwechseln häufig die zeitlich begrenzte Freude an materiellen Objekten mit der dauerhaften Freude, die wir nur als Ergebnis unserer spirituellen Praxis erleben können. Wären materielle Objekte tatsächlich in der Lage, uns glücklich zu machen, müsste der zeitgenössische Mensch das glücklichste Wesen auf der Welt sein. Unser Produktionspotential ist in den Himmel gewachsen, doch wir sind immer noch unglücklich. Wissenschaft und technologischer Fortschritt machen uns nicht glücklicher. Je größer unser materieller Reichtum, desto unglücklicher werden wir. Es sind die reichen Menschen, die unter Schlaflosigkeit leiden und Beruhigungsmittel brauchen, um Schlaf finden zu können. Viele von ihnen leben am Rande des Selbstmordes. Unbegrenzte Produktion und uneingeschränkter Konsum materieller Güter sind die Wurzeln unserer geistigen Unausgeglichenheit. Darüber müssen wir einmal ernsthaft nachdenken. Die industrialisierten Länder sagen, dass sie uns aus dem Elend befreien können, obwohl doch gerade sie die geistige Orientierung verloren haben, im Dunkeln tappen und dringend einen ausgeglichenen und friedlichen Geist benötigen.

Selbstverständlich müssen wir die materiellen Lebensgrundlagen für uns und unsere Familien schaffen, das ist ganz natürlich. Das leugnen wir nicht und haben es auch nie geleugnet. Doch ist Spiritualität für uns kein Freizeitvergnügen, wir praktizieren sie zielgerichtet und mit Perspektiven. Spiritualität verleiht uns den Mut zum Durchblick im Leben und vermittelt uns zugleich die Orientierung an seinen beständigen Werten.

Der spirituell orientierte Mensch ist immer aktiv, er bemüht sich wie jeder andere um seine Lebensgrundlagen. Er ist sich darüber im klaren, dass die Reaktion auf seine Aktivitäten möglicherweise Widerstände sind, gegen die er sich wappnen muss. Er erkennt frühzeitig seine Bereitschaft, sich täuschen zu lassen und weiß dann, was ins Unglück führt und wo das Glück liegt.

Ein ausgeglichener Geist ist frei von Vorliebe oder Ablehnung und behandelt alles gleichwertig. Preksha Meditation unterstützt besonders diese Gleichwertigkeit. Der Meditierende hat sowohl angenehme, als auch schmerzvolle Empfindungen, die er als reiner Beobachter der reinen Erkenntnis gleichwertig wahrzunehmen versucht.

Die Anwendung dieser Praxis stört das normale Geben und Nehmen im Leben nicht, sondern reinigt uns von den Verunreinigungen  unserer Herzen. Wer auf seinem spirituellen Weg schon weit vorangeschritten ist, wird niemanden enttäuschen und keine Feindschaft aufkommen lassen. Neben seinen intellektuellen Überzeugungen ist ihm eine überlegene Geisteshaltung zu eigen. Ihm ist die spirituelle Erfahrung mehr wert als alles andere. Geht es ihm doch darum, seine ganze Persönlichkeit wieder zu erneuern.

Quellen

Englischer Titel:
The Mysteries Of Mind

Redaktion:
Muni Mahendra Kumar

Herausgeber:
Jain Vishva Bharati Ladnun, India

2. Edition: 2002

Übertragung ins Deutsche:
2006 Carla Geerdes
2012 Überarbeitete Fassung
Carla Geerdes

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