Geheimnisse des Geistes: Verantwortungsbewusstsein (1)

Veröffentlicht: 23.09.2012

  • Nur der Mönch kann seinen Weg gehen, der die Welt der sinnlichen Freuden und Himsa (des Verletzens) mit verständnisvoller Einsicht betrachtet und nicht mit weltlichen Augen.
  • Mit der Aktivierung des Bewussteins vom Selbst übernimmt man eine große Verantwortung.
  • Solange wir nicht spirituell erleuchtet sind, finden wir die Fehler immer bei anderen. Erst die Erleuchtung macht uns die Tragweite unserer eigenen Verantwortung bewusst.
  • Einsicht ist die Frucht spiritueller Anstrengung. Sie enthebt uns des Miss-Verstehens und führt zur Wahrheit.
  • In unserem Inneren ist Glückseligkeit, die Quelle von Gesundheit und Langlebigkeit.

Verantwortungsbewusstsein

Wer die Strapazen des erwachenden Bewusstseins auf sich nimmt, übernimmt damit auch eine große Verantwortung, die mehr abverlangt als die Verwaltung eines riesigen Imperiums. Es mag unglaublich und seltsam erscheinen, dass sich ein der Welt Entsagender und das Innere Betrachtender eine derartige Verantwortung auflädt.

Im Leben eines Asketen geht es nicht um Denken und Argumentieren, sondern um Erfahrungen und das daraus resultierende Erkennen und Wissen. Diesen Gesichtspunkt möchte ich vertiefen.

Wenn wir Freud und Leid erfahren, wollen wir immer andere dafür verantwortlich machen. Es entspricht unserem Wesen, die Verantwortung an andere abzuschieben. Wer in der Spiritualität lebt und dessen Bewusstsein erwacht ist, übernimmt die volle Verantwortung für seine Handlungen. Er sieht es als Folge eigenen Fehlverhaltens, wenn andere zu Feinden geworden sind. Das ist eine große Sache. Nur wer die Welt des Geistes kennt, kann diesen Mut aufbringen. Im Allgemeinen tun die Menschen das nicht. Nach einem politischen Regimewechsel überantwortet der Nachfolger alle Missstände seinem Vorgänger. Das ist so, weil der Mensch immer auf die Außenwelt bezogen lebt. Das Leben eines spirituellen Menschen hingegen bezieht sich auf den Geist. Er kennt sich und macht deshalb niemand anderes für seine Fehler, Verständnislosigkeit und Zweifel verantwortlich. Das ist das erste erkennbare Ergebnis spiritueller Bemühungen.

Es ist eine weitverbreitete Annahme, dass man seine Augen schließt, wenn man etwas nicht sehen oder es dunkel haben möchte, ebenso gut könnte man auch schlafen. Wenn der spirituelle Menschen hingegen die Augen schließt, möchte er wach bleiben, nach innen schauen und die Tiefen des Seins erkennen.

Gewöhnlich vermuten wir die Quelle für Freud und Leid in der Außenwelt, wohingegen der spirituelle Aspirant weiß, dass die Quelle der Freude in seinem Inneren und nirgendwo sonst liegt. Diese inhärente Seligkeit trennt ihn von der Außenwelt, sodass er sein empirisches Selbst vergisst.

Wer nie in sein Inneres vorgedrungen ist, weiß auch nicht, was dort vorgeht. Das Geschehen im Inneren kann man nicht logisch erklären, man kann es nur direkt erfahren. Jenen gegenüber, die nichts über die innere Welt wissen, sollte man besser schweigen, anstatt mit ihnen zu argumentieren.

Das zweite erkennbare Ergebnis spiritueller Bemühungen zeigt sich darin, dass der Aspirant alle Missverständnisse und Illusionen konsequent wie ein erfahrener Chirurg entfernt. Zuerst nimmt er sie wahr - und verzichtet dann auf sie. Dieser Verzicht führt zu erhöhter Wachsamkeit und zu Selbstdisziplin.

Selbstdisziplin heißt in diesem Fall, sich in Sprache, Bewegung und Handeln zu reduzieren. Das steigert die Konzentrationsfähigkeit und vermindert die Ablenkung durch äußere Einflüsse. Man immunisiert sich so gegen sie und auch gegen negative innere Tendenzen.

Quellen

Englischer Titel:
The Mysteries Of Mind

Redaktion:
Muni Mahendra Kumar

Herausgeber:
Jain Vishva Bharati Ladnun, India

2. Edition: 2002

Übertragung ins Deutsche:
2006 Carla Geerdes
2012 Überarbeitete Fassung
Carla Geerdes

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