Geheimnisse des Geistes: Entwicklung eines spirituellen Bewusstseins vom Selbst (2)

Veröffentlicht: 05.09.2012
Aktualisiert: 03.07.2015

Einst traf ein Reisender einen Dämonen. Der Dämon bat ihn einen Reim zu verfassen, dessen letzte Zeile "Wie erstaunlich!" lauten sollte. Der Reisende, ein intelligenter Mensch, dichtete die folgenden Verse: 

Tag für Tag gehen Menschen hinüber in das Haus des Todes,
dennoch wollen die Lebenden ewig leben.
Wie erstaunlich!

Sollte ich so einen Reim verfassen, würde ich sagen:
Wir verfügen über unendliche Energien,
dennoch betteln wir und bemitleiden uns.
Wie erstaunlich!

Wir sind uns unserer unbegrenzten Energie nicht bewusst und verwickeln uns deshalb in Leidenschaften. Wir können nicht einmal eine einzige Stunde stillsitzen und klagen über Kopfschmerzen, wenn wir uns zur Meditation setzen wollen. Es ist erstaunlich, trotz unserer unbegrenzten Energie sind wir zu bemitleiden, denn wir sind uns ihrer nicht bewusst. Unsere Unachtsamkeit trennt uns wie ein eiserner Vorhang von unserem spirituellen Reichtum.

Wenn das Bewusstsein nicht imstande ist sich zu manifestieren, bleibt unsere Energie ungenutzt. Beide sind untrennbar miteinander verbunden. Die Entwicklung des einen hängt von der des anderen ab. In Ermangelung der Manifestation des Bewusstseins sind wir uns unseres immensen spirituellen Reichtums nicht bewusst und weil wir uns unserer Energie nicht bewusst sind, kann sich unser Bewusstsein nicht manifestieren. Die Folge ist, dass sich Bewusstsein und Energie voneinander entfernt haben.

Das wichtigste in der spirituellen Praxis ist die Wiederherstellung der Verbindung von Bewusstsein und Energie. Diese Verbindung wird Yoga genannt. Solange jedoch das von Unwissenheit befangene Bewusstsein in den Leidenschaften wurzelt, kommt die Verbindung nicht zustande. Erst wenn der Kreis der Unwissenheit durchbrochen wurde, kann sie wieder hergestellt werden.

Ignoranz nimmt unter dem Einfluss von Pramada verschiedene Formen an. Sie verwirrt den Geist eines Menschen und schläfert sein Bewusstsein ein, was die Inaktivierung der Energie zur Folge hat. Schlaf ist eine ihrer Formen - während des Schlafes bleiben Energie und Bewusstsein inaktiv.

Das ungehinderte Aufsteigen von Leidenschaften ist eine andere Form der Ignoranz, im Zorn beispielsweise sind Bewusstsein und Unterscheidungsvermögen ausgeschaltet. Auch Faulheit und Trägheit sind Formen der Ignoranz und Mangel an spiritueller Anstrengung. 

Viele Menschen strengen sich nicht gern aus eigenem Antrieb an, weil sie sich ihrer selbst noch nicht gewahr sind. Wir müssen unsere Einstellung ändern und unserer selbst gewahr werden. Unser Bewusstsein verhilft uns dazu, das unerschöpfliche Energiepotential in uns zu erkennen, das uns für unsere spirituelle Entwicklung zur Verfügung steht. Bevor wir sie einsetzen können, müssen wir uns mit den uns zur Verfügung stehenden Energien vertraut machen.

Die aus vierzehn Büchern bestehenden Heiligen Schriften der Jaina (Purvas) waren Quellen des Wissens und der Erleuchtung. Eine von ihnen namens Virya Pravada befasste sich mit den Grundlagen der Anwendung von Energie, doch ist das Buch heute unauffindbar.  Darin wurden die den belebten und den unbelebten, den bewussten und den unbewussten Seinsformen innewohnenden Energien beschrieben.Unbelebte Seinsformen besitzen ebenso unbegrenzte Energie wie die belebten. Die verschiedenen Energiearten der unbelebten Seinsformen waren in dem Buch genau beschrieben. Die in Materie, Raum und Zeit enthaltene Energie ist unbegrenzt. Die Energiearten der unbelebten Seinsformen können sich Lebewesen auch nutzbar machen.

Dazu möchte ich noch etwas anmerken. Manche Orte enthalten erstaunliche Energien, die den Geist beleben oder ihn anregen oder beruhigend auf ihn wirken, doch manche regen ihn auf und machen ihn gewaltbereit. Genauso hat auch die Zeit ihre eigene Energie. Was zu einer Zeit erledigt werden kann, kann zu einer anderen Zeit nicht erledigt werden. Morgens kann man ungestörter meditieren als in der Tagesmitte. Im Winter ist der Geist ausgeglichener als im Sommer. In der ayurvedischen Medizin werden die Medikamente entsprechend der Jahreszeit verschrieben. Gelbwurz beispielsweise wird je nach Jahreszeit gegen verschiedene Beschwerden verordnet. Die in der Zeit enthaltene Energie kann die in der Materie enthaltene Energie verringern oder vergrößern.

Auch die Materie hat ihre eigene Energie. Kenntnisse über die in ihr enthaltene Energie sind sehr hilfreich. Früher wussten spirituelle Aspiranten darüber Bescheid, welche Objekte und Materialien bei der Meditation und den Yogaübungen stabilisierend auf den Geist wirken. Doch unglücklicherweise ist auch dieses Wissen verlorengegangen.

In den Sinnesorganen gibt es zwei Arten von Energie, die aktuelle und die potenzielle. Die aktuelle kennen wir, doch die potenzielle ist weitaus größer als die aktuelle. Wir sehen mit den Augen, doch können sie die Dinge nur bis zu einer bestimmten Entfernung erkennen, und das auch nur, wenn keine Hindernisse da sind. Das ist die aktuelle Energie des Sehsinns. Könnten wir seine Energie vergrößern, könnten wir das grobstoffliche und feinstoffliche Geschehen weit entfernt von uns erkennen. Das Fernsehen beispielsweise arbeitet mit derartigen Energiemengen.

Quellen

Englischer Titel:
The Mysteries Of Mind

Redaktion:
Muni Mahendra Kumar

Herausgeber:
Jain Vishva Bharati Ladnun, India

2. Edition: 2002

Übertragung ins Deutsche:
2006 Carla Geerdes
2012 Überarbeitete Fassung
Carla Geerdes

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