Geheimnisse des Geistes: Entwicklung der Widerstandskräfte : Selbstdisziplin (1)

Veröffentlicht: 02.09.2012
  • Auf dem Weg zur Befreiung muss man als erstes die die Fülle der Sinneseindrücke begrenzen lernen.
  • Dann muss man seine Aufmerksamkeit ausschließlich auf das angestrebte Ziel gerichtet halten und darf seinem Geist nicht gestatten, Verbindungen mit Dingen einzugehen, welche der Erleuchtung entgegenwirken.
  • Des weiteren muss man darauf achten sich nicht instrumentalisieren zu lassen und sich nur lauterer Mittel zu bedienen.
  • Hat man gelernt, zwischen dem Erstrebenswerten und dem nicht Erstrebenswerten zu unterscheiden, unterlässt man automatisch das nicht Erstrebenswerte.Zurückverfolgen der Vergangenheit und Wappnen gegen Eindrücke künftiger Handlungen auf die Seele:
    • Wappnen gegen künftige Eindrücke bedeutet, dass man so zu handeln gelernt hat, dass Handlungen keine Eindrücke mehr in der Seele hinterlassen (Samvara), dadurch wird die Seele auch von den Eindrücken vergangener Handlungen gereinigt (Pratyakhyana).
    • Das setzt voraus, dass man bewusst und überlegt handelt, anstatt auf unbewusste Impulse von innen oder aussen zu reagieren.
    • Entsagung ist der zweite Angriff auf die Wirkungsweise des Unbewussten.
    • Ethische Disziplin (Samyama) entsteht als Folge des Prozesses, in dessen Verlauf die Seele gegen Eindrücke künftiger Handlungen gewappnet ist und von den Eindrücken vergangener Handlungen gereinigt wird.
  • Aspekte ethischer Disziplin:
    • Abstinenz von den Sinnesobjekten.
    • Kommt man dennoch mit ihnen in Kontakt, lässt man sich durch die ihnen innewohnende, Energie bindende Attraktivität nicht beeinflussen.


Die Quellen der menschlichen Existenz sind:

  • Energie und
  • Bewusstsein

Energie gestaltet die somatische und die extra-somatische Atmosphäre des Menschen, nur auf der Grundlage der Lebensenergie kann sich der Mensch seine Sinnesorgane, sein Gehirns und sein Bewusstseins benutzen und entwickeln.

Parallel mit der Energie entwickelt sich das Bewusstsein, hauptsächlich mithilfe der Fähigkeit zur Entsagung (Pratyakhyana). Die Fähigkeit zur Entsagung erlangt man durch die Fähigkeit, das Erstrebenswerte vom nicht Erstrebenswerten zu unterscheiden. Der Begriff Pratikhyana bedeutet aufgeben, durch Aufgeben des nicht Erstrebenswerten wird die frei gewordene Energie zur Entwicklung des Bewusstseins genutzt. 

Willenskraft ist eine Manifestation von Energie. Sehen wir jemanden sitzen und einen anderen gehen, fragen wir uns, was ersteren sitzen und den zweiten gehen macht. Warum gehen oder sitzen nicht beide? Die Willenskraft veranlasst den Menschen in der ihm eigenen Weise zu handeln. Sitzen, sprechen, schweigen, essen, ruhen etc. sind alles Willensakte.

In Indien macht man sich seit jeher viele Gedanken über die Philosophie. Beispielsweise stellte man sich die Frage, ob die Luft ein Lebewesen ist. Manche bejahten die Frage, andere verneinten sie. Die Zustimmung gründete sich darauf, dass die Luft sich bewegt. Die logische Folgerung daraus war, dass, wenn die Luft aufgrund ihrer Fähigkeit zur Bewegung als Lebewesen angesehen wird, auch die Materie belebt ist, denn auch sie kann sich bewegen. Andererseits wandte man ein, dass etwas nicht nur aufgrund seiner Fähigkeit zur Bewegung als Lebewesen angesehen werden kann. Daraufhin wurde die Auffassung vertreten, dass sich die Luft von selbst bewege und nur, was sich von selbst bewege, sei ein Lebewesen. Was sich aufgrund eines äußeren Antriebs bewege, sei kein Lebewesen.

Pudgala ist solch eine unbelebte Substanz. Wird ein Stein geworfen, bewegt er sich, wird eine Gewehrkugel abgefeuert, bewegt sie sich. All diese Bewegungen werden durch einen Impuls von außen verursacht und erfolgen nicht aufgrund eines eigenen Antriebs. Nur ein Lebewesen kann sich aus eigenem Antrieb aufgrund seiner eigenen Willenskraft bewegen.

Verlangen und Willen sind wesentliche Charakteristika eines Lebewesens (Jiva). Sind diese Charakteristika vorhanden, handelt es sich um ein Lebewesen. Selbst winzigste Lebewesen, seien sie Erdwesen oder Pflanzen, besitzen Verlangen und Willen. 

Energie prägt sich aus in:

  • Willenskraft
  • Konzentration
  • Fähigkeit zur Beherrschung

Unser Nervensystem ist unsere Energiequelle. Ohne die aus dem Nervensystem genererierte Energie fehlt selbst einem lebendigen Körper jeder Antrieb.

Das Nervensystemn besteht aus:

  • sensorischen Nerven, die uns alle nötigen Informationen für die Ausführung der Bewegung liefern,
    und
  • motorischen Nerven, die uns alle nötigen Impulse für die Realisierung der Bewegung geben.

Die Zentren für Bewusstsein und Energie liegen im Nervensystem. Wir erinnern uns daran, dass Bewusstsein und Energie als Grundlagen unserer Existenz die Antriebsmedien unseres grobstofflichen Körpers sind. Selbst unsere feinsten Schwingungen stehen mit dem grobstofflichen Körper über das Nervensystem in Verbindung. Die sensorischen Nerven als Medium des Bewusstseins, die motorischen als Medium der Lebensenergie:

Treten wir uns einen Dorn ein, wird die entsprechende Information unverzüglich an das zuständige Zentrum im Gehirn geleitet, das den motorischen Nerven die Anweisung zum Entfernen des Dorns gibt.

Für alle spirituellen Aktivitäten ist das Nervensystem von großer Bedeutung, weshalb jeder spirituelle Aspirant über seine Funktionsweise sehr gut Bescheid wissen sollte.

So oft wir uns etwas versagen, ist das Ausdruck einer selbst auferlegten Disziplin. Doch führt tatsächlich alles, das wir aufgeben, zu Selbstdisziplin? Wenn wir auf etwas verzichten, setzen wir auch unsere Willenskraft ein. Damit üben wir tatsächlich Disziplin, die jedoch gestärkt und stabilisiert werden muss. Um Selbstdisziplin zu praktizieren, braucht es wesentlich mehr als Entsagung. Selbstdisziplin ist die Voraussetzung zur Erlangung des Zustandes, in dem unsere gegenwärtigen Handlungen die künftige Ausrichtung unseres Geistes nicht mehr beeinflussen. Doch damit wir die dafür nötige Selbstdisziplin aufbringen können, müssen wir reinen Herzens werden und uns von den in der Vergangenheit angesammelten negativen Gewohnheiten verabschieden. Die Reinigung des Herzens umfasst zwei Vorgänge, die Überwindung sowohl der instrumentellen, als auch der substantiellen Ursachen, welche die negativen Gewohnheiten bewirkten. 

Wenn uns darum bemühen Selbstdisziplin zu entwickeln, beginnen verschiedene Störfaktoren auf unseren Geist einzuwirken. Werden wir beispielsweise gelobt oder getadelt, hat das Auswirkungen auf unseren Geist. Worte, Formen, Gerüche und Geschmack wirken unablässig auf ihn ein. All das setzt uns zurück in unserem Bemühen um Selbstdisziplin. Wie können wir dem entfliehen? Indem wir uns bewusst machen, dass Selbstdisziplin dazu dient, uns durch Verzicht gegen das Begehren von Objekten zu immunisieren. Das ist nicht schwierig, es ist sogar sehr einfach.

Wenn ein Kind unentwegt quengelt, wird seine Mutter erst ärgerlich und brüllt es nach einer Weile an. Das Anbrüllen hält das Kind von weiterem Quengeln ab. Doch der Ärger und das Anbrüllen des Kindes hinterlassen Spuren im Nervensystem der Mutter, was dazu führt, dass sie in ähnlichen Situationen das Kind auch anbrüllt, woraus sie schliesslich eine Gewohnheit im Umgang mit ihrem Kind entwickelt. 

Instrumentelle Faktoren spielen in unserem Leben eine wichtige Rolle, sie können äußere Faktoren wie Sinneseindrücke oder unser eigenes Nervensystem sein. Entsagung an sich kann die Gewohnheitsbildung im Nervensystem nicht aufhalten. Süchtige wissen sehr wohl, dass ihre Abhängigkeit nichts Erstrebenswertes ist. Doch wenn die Zeit der Einnahme des Suchtmittels naht, gerät das gesamte Nervensystem in eine derartige Unruhe, dass diese den Süchtigen fast gegen seinen Willen dazu veranlasst, das Suchtmittel wieder zu sich zu nehmen. Das Nervensystem ist eine gewaltig wirkende Kraft, die uns ins Verderben stürzen kann. 

Manche sind der Auffassung, dass im Leben eines Menschen allein die instrumentellen Faktoren dessen Verlauf bestimmen. Doch auch diese Auffassung sieht sich mit der Frage konfrontiert, wer oder was die Hirnzentren kontrolliert. Manche meinen, die Hirnzentren werden vom Nervensystem kontrolliert. Bis zu einem gewissen Maß stimmt das auch, aber das ist nicht die ganze Wahrheit.

Der elementare, Nervensystem und Hirnzentren kontrollierende Faktor findet sich nicht im Nervensystem, sondern im feinstofflichen Körper, und der feinstoffliche Körper bezieht seine ganze Kraft aus der Seele.
Quellen

Englischer Titel:
The Mysteries Of Mind

Redaktion:
Muni Mahendra Kumar

Herausgeber:
Jain Vishva Bharati Ladnun, India

2. Edition: 2002

Übertragung ins Deutsche:
2006 Carla Geerdes
2012 Überarbeitete Fassung
Carla Geerdes

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  1. Befreiung
  2. Jiva
  3. Pudgala
  4. Samvara
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